„Sylt“ nennen Kettcar überaschend knapp ihr drittes Album. Das verwundert erst ein wenig und lädt dann ein zum freien Assoziieren. Also gut… Sylt… deutsche Nordseeinsel… so einfach kann es nicht sein… Symbol des Elitären und des Spießertums… ein wenig zu platt… schrumpft jedes Jahr um einige Meter, die die See davon trägt… ja, das ist gut… wird über kurz oder lang verschwinden… Symbol der Arroganz und ihrer Vergänglichkeit. Erleben wir hier die zweite Kapitulation einer Hamburger Band innerhalb eines Jahres?
Tobe
Die Rückkehr der Monster: R.E.M. – Accelerate
Oha, R.E.M. kloppen mal so eben ihr vierzehntes (!) Studioalbum heraus und nennen es gewohnt wortkarg aber ungewöhnlich extrovertiert Accelerate. Das erinnert in seiner Plakativität an ihre Schaffensphase Mitte der Neuziger Jahre, als die damals noch zu viert agierende Band nach ihrem ruhigen Überalbum Automatic for the people, immer noch eines der schönsten Alben aller Zeiten, ohne jede Vorwarnung die Handbremse lösten und den Millionen Kuschelrock-Fans den Nachfolger Monster um die Ohren klatschten.
Musik für die Spätwinterstürme: Simone White – I am the man
Bitte nicht von dem, doch recht lasziven, Albumcover abschrecken lassen. Musikalisch neigt die Kalifornierin Simone White nicht zu solch üppigen Gesten, sondern präsentiert sich eher zurückhaltend. Während die Sturmtiefs Emma und Kirsten über Deutschland hinwegfegen, hält das Hoch Simone Einzug in die gut geheizten Wohnzimmer und unsere mit zerzausten Haaren bedeckten Häupter.
Get Well Soon – Rest now, weary head! You will get well soon
„Ruhe jetzt, Schwermütiger! Bald geht es Dir besser.“ … ??? Mit diesem nur bedingt aufmunternden Albumtitel wurde bereits Ende des letzten Jahres der Künstler Konstantin Gropper und sein Projekt Get Well Soon als kleines Independent-Musik-Wunder Deutschlands angekündigt. Diese Ankündigung erweist sich als berechtigt, wie man nach dreimaligem Hören der Platte freudig überrascht feststellen kann. Dabei ist es weniger als Wunder zu bezeichnen, dass Konstantin Gropper gebürtiger Schwabe ist, worauf in jeder Rezension hingewiesen wird, als ob Schwaben grundsätzlich unmusikalisch oder independent-unfähig wären.
Der Frühling kann kommen: Nada Surf – Lucky
Lust auf ein richtig schönes Frühlingsalbum? Hier ist es! Nein, Nada Surf sind auch auf ihrem fünften Album nicht plötzlich zu progressiven Musikern geworden, und nein, auch mit Lucky werden die drei New Yorker nicht über Nacht zu Weltstars werden, wie es ihnen damals mit ihrer ersten Single „Popular“ passiert ist. Genauso schnell, wie sie damals hochschossen, wurden sie auch wieder vergessen… und veröffentlichen seitdem in schöner Regelmäßigkeit Alben, von stetig wachsender Qualität und so hintergründiger Schönheit, dass man den nächstbesten Menschen in den Arme nehmen und mal richtig durchknuddeln möchte.