Oh Boy

Oh Boy

von Jan Ole Gerster, mit Tom Schilling, Justus von Dohnányi, Ulrich Noethen u.v.a

Oh Boy - Musik zum Film bei amazon.de„Oh Boy“, das denkt sich Niko wohl häufiger an diesem Tag in Berlin, an dem wir ihn begleiten dürfen. Niko hat schon viele Tage in Berlin erlebt, so hat er dort sein Jura-Studium begonnen, es ohne Wissen seines Vaters auch schon abgebrochen, und lebt so nun schon seit zwei Jahren von den elterlichen Tantiemen, ohne dafür etwas sinnvolles zu tun. So lässt er sich in der Metropole treiben und versucht, einen Sinn zu finden. Bisher erfolglos.
Dieser eine Tag wird das nicht ändern, aber er bringt zahllose Begegnungen mit sich. So etwa mit dem merkwürdigen Nachbarn, der eine Schulter zum Ausweinen sucht, die Kaffeehausbesitzerin, die 3,80€ für einen Kaffee verlangt, mit der alten Schulfreundin Julika, die ihn zu einer Theaterpremiere einlädt, zwangsläufig dann auch mit dem Regisseur des, ähm, „Stücks“ und vielen anderen mehr. Und bis er endlich seinen stinknormalen Kaffee genießen kann, muss er das alles tapfer ertragen…


Wenn der Hobbit seinen Schatten vorauswirft, kann es nicht schaden, sich mit diesem beschaulichen, kleinen, komplett in schwarzweiß gehaltenen Film noch einmal auf die Wurzeln des Kinos zu besinnen, auf das, worum es in guten Geschichten immer geht: Um Menschen und ihre Beziehungen zu anderen Menschen. Hier gelingt es Regisseur und Drehbuchautor Jan Ole Gerster aus für sich genommen banalen Episoden aus dem täglichen Leben einen Spiegel unserer Gesellschaft zusammenzupuzzeln, der witzig ist, dramatisch, hintergründig und nicht zuletzt witzig. Tom Schilling gibt sich dabei mit seiner zurückhaltenden Spielweise als Projektionsfläche für die Gefühle des Zuschauers frei, um so mit ihm durch diesen einen Tag zu leben. Gestützt wird diese Odyssee durch den Großstadt-Moloch Berlin nicht zuletzt die wunderbaren Schauspieler, die den Geschichten ihren eigenen Stempel aufdrücken und so zum Leben erwecken.

Den Sinn im Ganzen, so es ihn denn gibt, muss man genau wie Niko selbst suchen. Und wenn er dann schließlich, nach einem langen Tag, gedankenverloren seinen wohlverdienten Kaffee genießt, wird auch der Zuschauer gedankenverloren in die winterliche Welt hinaustreten, die nun bestimmt etwas anders aussieht. Ein kleines, feines Wunder. (9/10)

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