Der Hobbit – Eine unerwartete Reise

The Hobbit: An Unexpected Journey
von Peter Jackson, mit Martin Freeman, Martin Armitage, Andy Serkis und Ian McKellen

Der Hobbit - DVD zum Film bestellen bei amazon.de„Es war einmal ein Hobbit, der lebte in einer Höhle.“ Bis ein gewisser Gandalf sozusagen nach einem jungen Hobbit zum Mitreisen suchte, was der Anfang einer unerwarteten Reise war. Die führte mit einem Haufen Zwerge quer durch Mittelerde, hin zum fernen Erebor, am Fuße des Einsamen Berges gelegen. Einst Heimat der Zwerge, ist der Einsame Berg nunmehr bewohnt vom Drachen Smaug. Ihn zu töten und die alte Heimat zurückzuerobern ist die Mission der Zwergenbande unter der Führung des Königssohns Thorin. Doch zunächst gilt es noch viele Abenteuer zu bestehen, denn neben Smaug hat sich weitgehend unbemerkt von eine andere böse Macht im Lande eingenistet, und deren Handlanger versuchen alles, den Gefährten das Leben so schwer wie möglich zu machen. Oder präziser: ihnen leben und Kopf zu nehmen. Hätte Bilbo das bei Reiseantritt geahnt, wäre er wohl besser daheim im guten, alten Hobbingen geblieben…



Für Herr der Ringe Fans fiel Weihnachten dieses Jahr auf den 13. Dezember. Nach Jahren des Hickhacks um Regisseure, Rechte, Finanzen und Anzahl der Filme, nach Beinahepleiten des Studios, Streiks in Neuseeland und ständiger Verschiebung des Filmstarts (siehe auch) war es nun so weit – Der kleine Hobbit kam ins Kino. Als erster Teil einer Trilogie. Trilogie? Genau.
Wer sich nun fragt, wie aus dem höchstens halb so dicken Buch wie der Herr der Ringe ein Dreiteiler werden soll, der sei auf die Anhänge der „Rückkehr des Königs“ verwiesen, die nach den aktuellen Plänen im dritten Teil verwurstet werden sollen, um so zum einen den Bogen zu „Die Gefährten“ zu spannen und andererseits die Geschichte nach der Rückkehr des Königs weiterzuspinnen. Oder wie es sich für mich anhört, es wurde an Vorlage genutzt was geht, so lange für nur drei Jahre die Kasse klingelt. Wir werden sehen.

Im ersten Teil wird schonmal klar, dass die Macher die eher als Kinderbuch konzipierte Vorlage zu kindisch und zu kurz für drei Teile fanden, so dass die Story kräftig aufgeputzt wurde. Mit Frodo und dem alten Bilbo als Aufhänger für eine Rückblende wird eine im Verhältis zum Buch deutlich actionreichere Geschichte erzählt, in der möglichst viele Figuren aus dem Herrn der Ringe auftauchen, die Sets möglichst imposant und mit vielen computergenerierten Orks gefüllt und möglichst viele pathetische Reden geschwungen werden. Was auf Dauer etwas anstrengt. Insofern setzt sich der Trend aus der „Herr der Ringe“ Trilogie fort, den Schwerpunkt auf bombastischer Schlachten statt auf Handlung zu legen. Allerdings auf einem sehr viel höheren technischen Niveau. Hatte „Der Herr der Ringe“ da noch Bonus aufgrund der unglaublichen Leistung, den Film überhaupt zu realisieren, ist das beim Hobbit leider nicht der Fall – der Film hat viele Längen, viele überflüssige Szenen (man denke nur an die Steintitanendinger) und viel dick aufgetragenes Pathos, die das Gesamtbild stören. Ähnlich wie das immergleiche Muster aus Hinterhalt, Kampf, drohende Niederlage, irgendjemand taucht in letzter Sekunde aus dem Nichts auf und rettet die Bande – so geschehen bei den Trollen und in den Minen Gandalf, auf der Ebene Elben und an der Klippe Adler. Gähn. Ein gutes Drehbuch sieht anders aus. Wie schon in der vorigen Trilogie: Statt sich auf die Figuren zu konzentrieren, liegt der Schwerpunkt auf der Videospieloptik. Schade

Dennoch, so muss man sagen, ist es einfach schön, Mittelerde wieder auf der Leinwand zu erleben. Es ist ein wenig, als ob man nach langen Jahren endlich wieder nach Hause kommt, viele alte Orte wiedersieht und alte Bekannte trifft. Auch ist es schön, endlich mal die alte Geschichte um Bilbo zu erleben. Und, das ist das größte Plus des Films, Martin Freeman in der Rolle des jungen Bilbo zu erleben. Die Besetzung eines eher des komischen Fachs entsprungene Darstellers für diese Rolle mag anfangs irritieren, aber seine britische Art passt einfach perfekt. Er schafft es brillant, all dem Bombast um ihn herum eine die Selbstironie einzuhauchen, die dieser Film bitter nötig hat. Neben einem gründlich aufpolierten und gewohnt genialen Andy Serkis als Gollum ist es Bilbo, der dem Film trägt, ist er doch eine der wenigen Figuren, die als Identifikationsfigur dienen können. Der Rest ist bestenfalls ein- bis zweidiemnsional, oder kann mir mir mal einer flüssig die beteiligten Zwerge aufzählen und was sie jeweils auszeichnet? Außer Thorin und dem dicken dürfte da nicht viel kommen.

Insofern bleibt am Ende ein zwiespältiges Gefühl. Trotz all des technischen Aufwandes (3D, HFR, Gollum), trotz der fantastischen Ausstattung und exotischen Schauplätze, trotz der genialen Schauspieler und der Perfektion der Computerzauberer, am Ende fehlt es an einem guten Drehbuch und an Seele. Wenn zugunsten einer möglichst guten Vermarktbarkeit über möglichst viele Jahre so viel an der Geschichte geändert wird, ist das nicht schön. Aber sehen wir der Tatsache ins Auge, dass die Fans trotzdem die Kinos stürmen werden und das Beste draus machen. Lassen wir uns also überraschen, was die nächsten Jahre uns bringen, wenn es heißt „Der Hobbit: Die Einöde von Smaug“ und „Der Hobbit: Hin und Zurück“. Vielleicht wird ja alles besser – daher erstmal nur (6/10)

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