Cloud Atlas

Cloud Atlas

von Tom Tykwer und Andy & Lana Wachowsky, mit Tom Hanks, Halle Berry, Ben Wishaw, Jim Sturgess, Doona Bae, Hugo Weaving und Jim Broadbent

Cloud Atlas - Soundtrack runterladen bei amazon.deEin Lagerfeuer, irgendwann in der Zukunft. Ein alter Mann erzählt seinen Enkeln ein paar alte Geschichten von Menschen, die meist schon lange verstorben sind, die alle ihre eigenen Abenteuer erlebt haben, und doch irgendwie alle immer wieder miteinander verbunden waren:

Pazifik, 1849. Adam Ewing ist dort für seinen Vater unterwegs, um Erbschaftsangelegenheiten zu klären und ein paar Sklavenhandelsgeschäfte abzuschließen. Leider infiziert er sich dabei mit dem Guinea Wurm und muss, betreut von dem undurchsichtigen Doktor Goose, die Heimreise antreten…

England, 1936. Dem jungen Komponisten Robert Frobisher wird der Boden in Cambridge zu heiß, weshalb er als Assistent des einst erfolgreichen, aber nun alternden Komponisten Vyvyan Ayrs anheuert. Von dem Meister lernend, vollendet er mit ihm nicht nur dessen unvollendete Symphonie, sondern schreibt auch seine eigene, das Cloud-Atlas Sextett. Doch leider will der Mentor sich da selber als Urheber reindrängen, und schreckt auch vor unfairen Mitteln nicht zurück…

USA, 1973. Die engagierte Reporterin Luisa Rey ist einem Atomskandal rund um den neuen Hydra-Reaktor des windigen Geschäftsmanns Lloyd Hooks auf der Spur. Doch der lässt sich ungern in die atomare Suppe spucken, und so haben nach und nach alle ihre Informanten Unfälle, bevor der Killer sich auch an ihre fersen heftet…

England, heute: Der erfolglose Verleger Timothy Cavendish landet dank eines mörderischen Ausrasters des Autors Isaac Sachs einen riesen Treffer. Doch der fordert aus dem Knast nachdrücklich angemessene Tantiemen, weshalb Timothy flüchten muss. Sein Bruder vermittelt ihm ein nettes Hotel, das sich aber als ausbruchsicheres Altenheim entpuppt. Klar, dass er schnell mit dem Schmieden von Ausbruchsplänen beginnt…

Neu Seoul, 2144. Der Klon Sonmi~451 wird vom Rebellen Hae-Joo Chang aus ihrem Alltag in einer Schnellimbisskette befreit. Mit seiner Hilfe entdeckt sie die Welt, die ihr vorher verschlossen, und erkennt die ihr innewohnende Ungerechtigkeit. Mit ihrem Manifest für die Menschlichkeit wendet sie sich schließlich an die Menschheit, nur un kurz danach gefangen und hingerichtet zu werden.

Hawaii, 2346, 100 Jahre nach dem Untergang. In einer postapokalyptischen Welt versucht Meronym, eine der letzten Vertreterinnen der alten, hochtechnologischen Menschheit, einen Hilferuf von der sterbenden Erde an eine der Kolonien da draußen zu senden. Hilfe erhält sie von dem Ziegenhirten Zachry, der für die das eigenen Leben und das seiner Familie aufs Spiel setzt – und fast alles verliert…


Oha. 6 Geschichten, 3 Regisseure, 172 Filmminuten und große Erwartungen, das bringt dieser Film mit sich. Schlauerweise habe ich bewusst nicht viel darüber gelesen, worum es in dem Film geht, so dass ich mich überraschen lassen konnte. Und, so muss ich sagen, ich war von der ersten Minute an gefesselt. Eng an der Romanvorlage entspinnen die Wachowskis und Tom Tykwer den geheimnisvollen Geschichtenreigen um ein paar Seelen, die sich im Laufe der Geschichte immer wieder in den unterschiedlichsten Rollen über den Weg laufen, um irgendwann ihr Glück zu finden. Die Wiedergeburten wiederzuentdecken ist zugleich Stärke und Schwäche des Films. In jeder Geschichte tauchen die Schauspieler in unterschiedlichen Rollen und Masken immer wieder auf, so dass man ständig damit beschäftigt ist, sie wiederzuerkennen – was amüsant ist, aber auch anstrengend. Denn hier und da ist das Makeup etwas dick aufgetragen – Hugo „Agent Smith“ Weaving als dickliche Pflegerein im Altersheim etwa hätte nun wirklich nicht sein müssen.

Von davon abgesehen gibt auf technischer Seite nichts zu bemängeln, gerade im Hinblick darauf, dass der Film zum großen Teil in Deutschland und mit deutschen Filmfördermitteln gedreht wurde – ein Unterschied zu dem amerikanischen Wachowski-Konterpart fällt nicht auf. Respekt, Herr Tykwer! Überhaupt ist wohlwollend anzumerken, dass es allen regisseuren um die Geschichte ging, und Effekte wie Kampfszenen diese Handlung nur dezent stützen, ohne zum Selbstzweck zu werden. Was angesichts der gewaltigen Bildprache auch schon eine beachtlich Leistung ist.

Die Geschichte selbst fesselt gerade ihrer kleinen Ungereimtheiten ungemein. Die Erwartungen des Tarilers an eine große, geschlossene Geschichte erfüllen sich nicht vollständig. Es bleiben kleine Mysterien, es bleiben unterschwellige Ahnungen eines größeren Ganzen. Es macht Spaß zu entdecken, wie sich die Handlungsfäden über hunderte von Jahren spinnen, wie längst Verstorbene genau wie noch längst Ungeborene die Lebenden inspirieren, wie die Wege einiger Seelen sich immer wieder kreuzen. Das sich die Geschichte dabei immer ähnlich verhält, dass es immer irgendwie um Unterdrückung und der Befreiung daraus geht, egal wo und wann, das alles hält einen über den langen Kinoabend bei der Stange.

In Unkenntnis der Romanvorlage, aber immerhin der Wikipedia-Kurzversion, würde ich dennoch mal behaupten, dass den Regisseuren hiermit eine wirklich gute Umsetzung des nicht wirklich einfachen Stoffes gelungen ist. Herausgekommen ist ein zeitgemäßes, episches und rätselhaftes Meisterwerk auf höchstem Niveau, das genug Stoff für Träume außerhalb der Kinowände bietet – wenn man sich drauf einlässt. (9/10)

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