OSCAR© 2010 – Die Nachlese

Tja, die Show. Um es gleich vorwegzunehmen: die war schonmal besser. Bezeichnend, dass dieses Jahre ein filmische Tribut ausgerechnet an Horrorfilme ging…

Fangen wir an mit den Moderatoren. Steve Martin und Alec Baldwin wirkten etwas bemüht, und ihre Bemühungen haben selten gefruchtet. Die traditionelle komödiantische Begrüßung der wichtigsten Nominierten war sicher nach der Musicalrevue, die Hugh Jackman letztes Jahr darbot, schwer zu toppen. Also haben sie es gar nicht erst versucht, und ein maues Standardprogramm geboten. Etwa erzählen sie, im Regie-Rosenkrieg der Ex-Eheleute Cameron/Bigelow hätte Cameron als Glückwunsch zur Nominierung von der Ex einen Präsentkorb erhalten, der tickt. Und ihr daraufhin einen Toyota geschenkt. Hm. Streiken die Autoren eigentlich immer noch?

Die echten Highlights waren dann andere: Ben Stiller, der als Na’Vi geschminkt den Preis für das Makeup übergibt – und aus diese peinliche Nummer mit seiner ihm eigenen Würde trägt und so zu einem komödiantischen Juwel macht. Er hätte auch Spocks Ohren tragen können, sagt er, aber das wäre ihm zu aufwendig gewesen. Ben Stiller eben. Oder Tina Fey und Robert Downey Junior, die sich ein köstliches Drehbuchautor vs. Schauspieler Wortgefecht liefern (was darin mündet, dass Downey die Autoren „sickly little mole people“ tituliert- witzig, wenn man dabei war…).

Die Preisträger der Hauptkategorien waren allesamt sehr professionell. Christoph Waltz, der als erster des Abends ans Dankesmikro durfte, überraschte mit einer im Anbetracht der Situation supercoolen, routinierten Dankesrede. Dass er mit Oscar und Penélope Cruz auf der Bühne stand, bezeichnete er als Super Bingo. Abgebrüht! Fast genauso abgebrüht Sandra Bullock, die versuchte, ihre Rührung mit Humor zu übertönen. Was ihr nur fast gelang, gegen Ende bei dem Dank an ihre Mutter versagte dann doch kurz die Stimme. Toller Auftritt!

Die Präsentation der Kategorien war dieses Jahr wieder etwas ausführlicher. So wurden etwa die Drehbuchpreise durch Filmszenen mit eingeblendeten Drehbuchzeilen schön vorgestellt. Oder etwa die dem Laien doch eher fremden Tonkategorien (Editing/Mixing) wirklich toll in einem kurzen Einspieler erläutert. Mit der Stimme von Morgan Freeman
Auch die schöne Idee vom letzten Jahr, den Hauptdarstellern jeweils eine kurze Laudatio halten zu lassen, hat überlebt. Und als Laudator Tim Robbins vor Millionenpublikum Morgan Freeman die alte Anekdote aufwärmte, dass der ihn bei den Dreharbeiten zu „Die Verurteilten“ als guten Freund bezeichnete und ihn dann fälschlicherweise Ben nannte, war einfach herzerwärmend und lockerte die Miene des Nominierten doch sichtlich auf. Das ist Hollywood…

Gut, zum Ende hin wurde es etwas hektischer, wohl um die Zeitvorgabe des Senders einzuhalten („Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich um etwa 2 Stunden“), so dass Cathryn Bigelow ohne lange auf die Folter gespannt zu werden schnell ihre Statuen bekam – sah James Camron etwas zerknirscht aus? Egal. Dass zum ersten Mal eine Frau den Regie-Oscar (passenderweise von Barbara Streisand) erhält, das ist die Sensation des Abends. Das der dazugehörige Film Gewinner der diesjährigen Oscars ist, ist da nur gerecht. Die übrigen Kategorien waren vorhersehbarer – Jeff Bridges für Crazy Heart, Mo’Nique für Precious, Pixar für Up, Michael Giacchino für die Musik dazu und Star Trek für MakeUp- aber alles in allem durchaus gerechtfertigt, und mehr als ein Ausgleich für die maue Show.

Freuen wir uns also in den nächsten Monaten auf Filme wie Precious, Crazy Heart, The Blind Side, An Education und In the Loop, bevor die Saure-Gurken-Zeit im Sommer uns die Wartezeit zur nächsten Oscar-Saison mit lauen Abenden im Biergarten versüßt.

Herzlichst,

Euer chrjue

OK, ein Trailer noch zu Ehren von Cathryn Bigelow:

Ein Gedanke zu „OSCAR© 2010 – Die Nachlese

  1. Tobe

    Dass die Academy schlappe 34 Jahre, nachdem auch im letzten Schweizer Kanton das Frauenwahlrecht eingeführt wurde, es schafft, einer Frau (!) erstmals den Oscar für die beste Regie zu verleihen, kann man ruhig mal als sensationell bezeichnen.
    Aber jetzt reicht es auch wieder – nicht dass die regieführenden Frauen noch denken, sie könnten jedes Jahr den Oscar mit nach Hause nehmen. Seit den ersten Oscars für schwarze (!) Hauptdarsteller (Halle Berry und Denzel Washington) hat schließlich auch kein Schwarzer mehr in diesen Kategorien gewonnen…

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