Gomorrha – Reise ins Reich der Camorrha

Gomorrha

von Matteo Garonne, mit Salvatore Abruzzese u.a.

Gomorrha - Das Buch zum Film

Gomorrha - Das Buch zum Film

Ein Krieg tobt in den Vororten von Neapel, fast unbemerkt von der großen Welt da draußen, aber umso mehr von den Bewohnern. Dieser Krieg hat viele Gesichter:
Etwa das des 13-jährigen Totò, der statt Lebensmittel auszuliefern lieber aufregende Jobs für die „Familie“ übernehmen will. Oder das des Geldboten Don Ciro, der von Gewissensbissen geplagt aussteigen will. Da wären auch die beiden Halbstarken Marco und Ciro, die lieber ihre eigene Gang gründen würden, und den Preis dafür zahlen müssen. Schneider Pasquale, der in einer Schneideri Designerkleidung kopiert, würde lieber selbst designen und lässt sich mit der Konkurrenz ein. Die beiden „Entsorgungsunternehmer“ Franco und Roberto sind immer auf Achse, um neue Orte zur illegalen Entsorgung von Giftmüll zu suchen, bis der jüngere der beiden Gewissensbisse bekommt.
Sie alle sind Teil des Krieges, und er spielt sich nicht in rauchigen Hinterzimmern, edlen Villen oder noblen Casinos ab, sondern in den dreckigen, verfallenen Vorstädten Neapels, in verfallenen Wohnburgen. Es ist der Krieg der Camorrha, und dieser Film zeigt sie uns in einer deprimierenden Schonungslosigkeit, wie man sie lange nicht mehr erlebt hat.

Dieser Film ist vieles, vor allem aber unglaublich mutig. Gedreht wurde nicht im Studio, sondern in der Höhle des Löwen, nämlich in den besagten Wohnburgen, mit vor Ort rekrutierten Statisten, ohne Polizeischutz und mit Billigung der Camorrha – man kann nur ahnen, wieviel Fingerspitzengefühl Regisseur Matteo Garone dafür aufbringen musste (während der Dreharbeiten ist das Team übrigens kein einziges Mal in irgendeiner Weise bedroht oder bestohlen worden). Das Ergebnis ist genauso authentisch wie ernüchternd, vor allem aber in seiner Trostlosigkeit erschütternd. Es ist eine mutige Anklage gegen die Mächtigen der Region, die mit ihrer Geldgier ganze Städte kontrollieren, ganze Landstriche vergiften, ganze Bevölkerungsgruppen ihrer Zukunft berauben.
Diese Trostlosigkeit zieht sich durch den ganzen Film, weshalb man hier auch kein Hollywoodkino erwarten sollte, keine ausgefeilten Geschichten oder straffe, elegante Erzählweisen. Stattdessen werden wir so durch die Welt der Camorrha geführt, als wären wir selbst zufällig dabei – das ist villeicht nicht unterhaltsam, aber das soll es auch nicht sein. Es soll uns wegführen von der verklärten Sichtweise auf die organisierte Kriminalität, wie sie uns Hollywood bisher geboten hat. Und wer nach etwas mehr als zwei Stunden aus dem Kino geht, wer froh darüber ist, Neapel den Rücken kehren zu können, wird bestätigen, dass ihm das gelungen ist.
Der Film basiert auf dem mutigen Buch von Roberto Saviano, der sich seine ganze Wut über diese Zustände mit dem Roman von der Seele schrieb. Er steht daher ganz oben auf der Todesliste der Camorrha, steht unter Polizeischutz und kann bleibt nie mehr als zwei Tage an einem Ort. Ein Mann, der sein Leben dem Kampf gegen die Camorrha geopfert hat, und der es wieder machen würde. Dieser Film ist sein Denkmal. (9)

Aus dem Epilog des Films:
Die Camorra hat in Europa mehr Menschen getötet
als jede andere kriminelle oder terroristische Organisation.
4000 Morde in den letzten 30 Jahren. Ein Toter alle drei Tage.
Scampia ist der größte Drogen- Umschlagsplatz der Welt.
Der Tagesumsatz jedes einzelnen Clans beläuft sich auf 500.000 Euro.
Würde man den Müll, den die Clans illegal entsorgen, stapeln,
entstünde ein 14.600 Meter hoher Berg. Der Mount Everest ist 8850 Meter hoch.
Die Krebserkrankungsrate ist in den verseuchten Gegenden 20% höher als anderswo.
Die Gewinne aus den illegalen Geschäften werden weltweit legal wieder angelegt.
Die Camorra investiert auch in den Wiederaufbau von Ground Zero.
 

Die Webseite des Films mit weiteren Infos findet sich hier.

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