Tödliche Entscheidung

Before the Devil Knows You’re Dead

Von Sidney Lumet, mit Ethan Hawke, Philip Seymour Hoffman, Albert Finney und Marisa Tomei

Die Gebrüder Hanson stecken in der Klemme. Was nichts neues ist, denn vorher haben sie auch schon in der Klemme gesteckt, aber eben in einer anderen. Was die aktuelle Klemme unangenehm macht, ist ihre tote Mutter. Denn die beiden haben sie auf dem Gewissen. Zumindest indirekt. Um ihrer ersten Klemme, nämlich akutem Geldmangel, zu entgehen, haben die beiden eine Juwelier überfallen, bzw. überfallen lassen. Das ist natürlich schiefgegangen, sonst müsste ich diese Zeilen nicht schreiben. Denn bei dem Überfall ist nicht nur ihr angemieteter Räuber, sondern auch ihre Mutter mit tödlichen Folgen angeschossen worden. Denn der Juwelierladen gehörte ihren Eltern. Somit haben die beiden ihr sowohl ihr ursprüngliches Problem, als auch das Vertuschen ihrer Beteiligung am Hals. Und was die Polizei an Einsatz vermissen lässt, macht ihr Vater mehr als wett, denn er hat dem Mörder tödliche Rache geschworen – was über kurz oder lang zu der titelgebenden Entscheidung führt…

Genau gesagt über lang, denn dieser Film hat gefühlte Überlänge. Der Überfall und seine Hintergründe sind in den ersten dreißig Minuten erzählt, und der Rest des Films zieht sich zäh in die Länge. Dabei bringt der Film auf der Besetzungsseite durchaus Potential mit, angefangen von Sidney Lumet über Hawke und Hoffmann findet man nur Hochkaräter, doch Lumets Umsetzung wirkt wie der vergebliche Versuch eines Altmeisters, mal etwas Neues zu versuchen, mit moralischer Verkommenheit, Erzählung in Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven, mit viel Sex und Drogen und ohne Happy End – nur dass es ihm letztendlich nicht gelingt, all das zu einem runden Ganzen zusammenzufügen. Die Schicksale der einem von Anfang an nicht sonderlich am Herz liegenden Figuren bewegen nicht wirklich, deren moralische Verkommenheit ist von Anfang an deutlich, so dass deren Entscheidungen letztlich weder überraschen noch bewegen. Überraschend nur, wie ein so sicher geglaubter Tipp selbst einen erfahrenen Kinogänger doch so in die Irre führen kann. Sehen und vergessen. (6)

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