Blaue Vielfalt

Blu-Ray Disc

Blu-Ray Disc

Die Blu-Ray-Disc ist der Gewinner des Formatstreits um die neuen Speichermedien für hochauflösende Filme, und damit hat man als Verbraucher jetzt endlich die Sicherheit, sein Geld in ein zukunftssicheres System zu investieren. Player sind mittlerweile für unter 300€ erhältlich, so dass dem hochauflösenden Filmgenuss nichts mehr entgegensteht. Sollte man meinen.

Die Realität ist aber deutlich komplizierter. Wer in eine wirklich zukunftssicheres System investieren möchte, muss sich mit Begriffen wie HDMV, BD-i, AACS, H.264, BD+, PCM, VC-1 und mehr herumschlagen, und sollte sich unter BD 1.0, BD 1.1 und BD 2.0 etwas vorstellen können.

Der Vorgänger
Bei der DVD(-Video) war es noch recht übersichtlich: Video in MPEG-2 Format, Ton in Dolby Digital und wahlweise noch DTS und der Kopierschutz CSS, schon steht die Spezifikation. Da genügte ein Griff ins Regal des Elektronikdiscounters, und der Filmspaß konnte losgehen. Die Spezifikation der Blu-Ray-Disc sieht deutlich mehr „Freiheiten“ vor, liegt mittlerweile in der dritten Version vor und die vierte ist auch schon in Arbeit – die Abspieler hingegen dümpeln dagegen noch in der zweiten Generation herum.

Der Kopierschutz
Bei der DVD war der Inhalt noch mit dem (recht schnell geknackten) Kopierschutz CSS verschlüsselt. Bei der Blu-Ray Disc stehen nun die Verfahren AACS und BD+ zur Verfügung. Beide Verfahren sind gleichermaßen umstritten wie geknackt. Interessant ist die Möglichkeit der Rechteinhaber, einzelne Gerätschlüssel über Softwareupdates zu sperren, was im ungünstigsten Fall auch den eigenen Abspieler unbrauchbar macht. So gewinnt man Vertrauen…

Das Videoformat
Wie bei der DVD ist MPEG-2 ein erlaubtes Videoformat. Neu hinzugekommen sind die platzsparenderen, aber auch rechenintensiveren Codecs H.264 bzw. MPEG-4 AVC von der ITU und VC-1 von Microsoft. Der Anwender merkt die Unterschiede allerdings nur dann, wenn sein (PC-)System nicht für den jeweiligen Code optimiert ist und ruckelt…

Das Tonformat
Zu den DVD-bekannten Formaten PCM, Dolby-Digital und dts sind nun auch die Nachfolgeformate Dolby Digital Plus, Dolby True HD und dts-HD machbar. Die letzten beiden sind verlustfrei komprimierte (sog. lossless) Formate und können wegen der hohen Datenrate zur Zeit nur über HDMI 1.3 Anschlüsse ausgegeben werden.

Die Region
Die altbekannten Regionalcodes sind uns erhalten geblieben, wenn auch nur 3 von 6. Die Welt ist für die Blu-Ray Disc in 3 Zonen (1, 2, 3 bzw. A, B, C) eingeteilt, Deutschland liegt in Zone 2 bzw. B. Die Wiedergabe ist nur möglich, wenn die Regionen von Player und Film zusammenpassen. Auch wenn viele Filmanbieter ihre Filme noch ohne Regionalcodes herausbringen, finden sich bei Disney bereits regionalisierte Scheiben im Programm. Bei Importen muss man daher bereits aufpassen – sonst bleibt das Bild schwarz.

Das Authoring
Bei der DVD waren bereits animimierte Menüs möglich, die Blu-Ray-Disc ist schon weiter – wie weit, ist abhängig vom Authoringformat. Das einfachere Format nennt sich BDMV und bietet eigentlich nicht viel mehr, als die Menüs auch im laufenden Film einblenden zu können. Mehr Möglichkeiten bietet das javabasierte BD-J (auch BD-Live), mit dem sich vor allem Inhalte aus dem Internet nachladen, aber beispielsweise auch Spiele umsetzen lassen. Ähnlich viel Spielraum bietet anscheinend auch die Spezifikation von BD-J, die wohl nicht immer eindeutig ist und daher schwierig zu handhaben. Wohl auch aus diesem Grunde gibt es derzeit kaum Titel in diesem Format.

Die Spezifikationen
Wie bereits angedeutet gibt es schon mit den Versionen 1.0, 1.1 und 2.0 bereits drei Versionen der Blu-Ray-Disc Spezifikation. Die erwähnten Bild- und Tonformate, Verschlüsselungen, Regionen etc. beherrschen alle. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Hardware-Unterstützung: Mit der Spezifikation 1.1 (Bonus View) hielten ein zweiter Video- und Audiodekoder samt 256MB Speicher Einzug, was u.a. Videokommentare ermöglicht. In der Spezifikation 2.0 (BD-Live) wurde schließlich auch eine Internetanbindung Pflicht und der Pflichtspeicher auf 1GB aufgestockt. Fazit für den Zuschauer ist, das er die Filme mit jeder Version in voller Qualität sehen kann, aber eventuell mangels Hardwareunterstützung nicht alle Bonus-Features nutzen kann.

Die Player
Wie eben erwähnt gibt es drei Spezifikationen. 1.0 sollte von allen Playern unterstützt werden, 1.1 nur von den neueren Modellen. Möchte man nun aber auch BD-Live Discs in vollem Umfang nutzen, bleibt zur Zeit nur der Griff zur PS-3 (PlayStation 3 Konsole 40 GB), die seit mit dem Software-Upgrade vom 24.3.2008 dieses Format als erster Blu-Ray-Disc Player voll unterstützt.

Die Filme
Wer nun zugegriffen hat und einen Blu-Ray-Disc Player sein eigen nennt, der sucht natürlich Futter. Recht ausführliche Infos zu aktuellen Filmen bietet zum Beispiel bluraydisc.de.

Als Referenzfilme (wenn auch nicht zwangsläufig gute Filme) gelten bereits:

Was BD-Live Filme angeht, so sieht es noch etwas dünn aus – einziger mir bekannter Titel ist The 6th Day [Blu-ray], der am 24. April erscheinen soll. Aber Geduld, das Jahr ist noch lang.

Der Tipp
Wem jetzt nach all den Kürzeln schwindelig ist, der sei beruhigt, das vergeht. Der beste Tipp zur Blu_Ray-Disc lautet zur Zeit: Abwarten! Und zwar genau so lange, bis die Formate sich halbwegs gefestigt haben, genug Abspielgeräte auf dem Markt sind, eine vernünftige Filmauswahl mit interessanten Features existiert und die Preise auf ein erträgliches Maß gesunken sind.
Wer nicht vernünftig ist, dem kann derzeit nur zu einer PS-3 geraten werden. Die übrigen Geräte sind bereits jetzt der aktuellen Spezifikation nicht gewachsen, da wäre Enttäuschung vorprogrammiert. Und über die dünne, aber stetig wachsende Filmauswahl kann man sich wunderbar mit ein paar hochauflösenden Spielen hinwegtrösten…

Herzlichst, Euer chrjue

Weiterführende Links:
Eine ausführliche Beschreibung der Blu_Ray-Spezifikation findet sich hier (englisch) und eine recht anschauliche Gegenüberstellung der Formate DVD, Blu-Ray-Disc und HD-DVD hier (englisch).

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