OSCAR 2008 – Die Show

Ja, so spektakulär die Oscarverleihung generell auch ist, so unspektakulär verlief doch die 80. Auflage davon – mal davon abgesehen, dass ich beim Tippspiel mal wieder gnadenlos abgezogen wurde – aber das Thema hatten wir ja schon zu Genüge…

Die Übertragung

Schwerste Hürde für engagierte Filmfans ist jedes Jahr wieder, Steven Gätjens verzweifeltes fischen nach Stars am roten Teppich, augenscheinlich nicht auf dem besten Platz, zu ertragen. Wenn er dann noch anfängt zu improvisieren und Anekdoten zum besten zu geben, möchte man wegrennen.

Das Wegrennen macht einem das Cinemaxx, in dem ich dieses Jahr zum ersten Mal der Live-Übertragung beigwohnt habe, sehr schmackhaft. Man merkt dass hier doch noch Filmfans am Werk sind. Es gibt Gewinnspiele, Stellwände informieren über Nominierungen,  dazu Sekt, Häppchen, Mitternachtssuppe und Kaffe/Tee bis zum Abwinken und tief in die Nacht – Toll!

Die anschließende ABC Red Carpet Show ist dann schon deutlich interessanter, zumindest was die Stardichte angeht. Inhaltlich reicht sie Fussballerinterviews heran, Schwerpunkt liegt meist auf der mehr oder weniger gelungenen Garderobe der Stars. Amis halt.

Der Moderator

John Stewart führte zum zweiten Mal durch die Show, und wenn er sonst auch saukomisch sein mag, so war sein Auftritt doch eher zahm. Immerhin einen großen Knaller zündete er in der Anmoderation: Barack Hussein Obama als Präsidentschaftskandiat habe nicht gerade Glück mit seinem Namen, der Zweitname klinge wie ein Ex-Diktator, der Nachname reime sich auf Staatsfeind Nr. 1. Das habe in den 40er Jahren bereits einem anderen Kandidaten das Amt gekostet – Gaydolf Titler. Brüller.

Im weiteren Verlauf macht Stewart dreist Werbung fürs iPhone (Ben Hur kommt erst auf so einem kleinen Display richtig zur Wirkung) und nutzt die Werbepause für eine Runde Wii auf dem Riesenbildschirm. Dann noch ein Paar lakonische Sprüche über die zahlreichen Schwangeren im Saale mit einer Baby-Verleihung, und mit Verweis auf den Drehbuchautorenstreik einige Beispiele, wie die Academy die fehlenden Sprüche mit Filmcollagen zu überbrücken gedacht hätte – so zum Beispiel eine Hommage an Ferngläser und Periskope im Film oder die besten Aus-einem-Alptraum-Aufwach-Szenen. Da haben wir ja nochmal Glück gehabt.

Die Präsentatoren

In der Show wurde deutlich, dass generell alle Kategorien von Komikern moderiert werden sollten, die übrigen Umschlagöffner waren die Arbeit vor Publikum oft nicht gewohnt und dementsprechend spritzig. Anne Hathaway und  Steve Carel zeigten, wie es geht, als Carel sich irrtümlich bei der Kategorie Dokumentarfilm wähnte und diese mit ernsten Worten anmoderierte, bis er von Anne wieder auf den Kurs der Animationsfilme geholt wurde. Hört sich trocken an, bei Carel aber saukomisch.

Ansonsten war es wie erwähnt meist etwas gequälter, auch wenn die schiere Masse hochkarätigster Stars an einem Abend für Jahrzehnte Wetten Dass genügen würde…

Die Musik

Ach ja, die Musik. Enchanted mag ja ein schöner Film sein, dessen Lieder im wirklichen Leben allerdings auch live eingespielt keinen sonderlichen Eindruck machen, sich dafür aber wunderbar für Toilettenpausen eignen. Derer mussten wir gleich drei über uns ergehen lassen, bis stattdessen  die Sänger, Schreiber und Schauspieler endlich die begehrte Trophäe für ihren Low-Budget-Musikfilm in der Hand hielten und zeigten, dass es auch besser geht.

Die Preisträger

Selten gab es so wenig Geheul auf der Bühne. Die meisten Darsteller nahmen schon fast kaltblütig professionell ihre Preise entgegen, bis auf Marion Cotillard, die (offensichtlich auch für sich selbst) überraschend für die beste weibliche Hauptrolle geehrt wurde und sichtlich nach Worten rang. Als anderes Extrem widmete Tilda Swinton ihre Statue ihrem Agenten – rührend.

In den übrigen Kategorien wird deutlich, so hart es auch klingen mag, dass einige Leute besser hinter der Kamera bleiben. Aber immerhin zeigen sie noch Nerven, sind gerührt, stammeln ihre Reden, heulen oder kriegen schließlich, so wie JUNO-Autorin Diablo Cody, gar kein Wort mehr raus. Hier winken ganz klar Sympathiepunkte.

Den Ehren Oscar gab es schließlich für den Art Director Robert Boyle, der uns die Optik der Filme "Der unsichtbare Dritte" oder "Die Vögel" bescherte, und mit stolzen 87 Jahren und dafür sehr wachem Geist und sichtlich gerührt den OSCAR in Empfang nahm. Wo wir gerade dabei sind, auch die verstorbenen Mitglieder des abgelaufenen Jahres wurden in einer viel zu kurzen Collage geehrt, zu nennen sind hier vor allem Ingmar Bergmann und Heath Ledger.

Ansonsten gab es annlässlich des Jubiläums noch weiter Collagen, die die bisherigen Preisträger in den wichtigsten Kategorien zeigten, und schließlich auch alle bis dato besten Filme, bevor No Country for Old Men sich in deren Riege einreihen durfte. Zugegeben, sehr bewegend, aber ich erinnere an die 75. Show, in der alle (noch lebenden) Oscar-Schauspieler zusammen auf der Bühne waren – DAS ist Filmgeschichte, meine Lieben.

Fazit

Alles in allem also eine unspektakuläre, auf Effizienz getrimmte Show, der man ihr Jubiläum kaum anmerkte. Chance vertan, Schade. Aber gut, ein weiteres Filmjahr wartet auf uns und fängt vielversprechend an, und natürlich werde ich es nach Kräften begleiten und kommentieren, um auch nächstes Jahr wieder dabei sein und falsch tippen zu können. Nur eine Bitte hätte ich: Bitte, Billy Crystal, mach die 81. Show!

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