Radio Rock Revolution

The Boat That Rocked

von Richard Curtis, mit Kenneth Branagh, Bill Nighy, Tom Brooke, Rhys Darby, Rhys Ifans, January Jones, Jack Davenport, Tom Sturridge und Philip Seymour Hoffman

Radio Rock Revolution

Radio Rock Revolution

Ende der 60er Jahre. Der Rock&Roll revolutioniert die Welt. Die ganze Welt? Nein, denn die britische BBC verweigert sich und ihren Hörern dieser Modeerscheinung, indem sie täglich nur 45 Minuten Rock & Pop im Programm hat. Klar, dass die Rocker das nicht gelten lassen können – Piratensender übernehmen das und beschallen die Insel mit täglich 24 Stunden feinstem Rock.
Eines dieser Boote ist Radio Rock, betrieben von dem etwas exzentrischen und sehr britischen Quentin (Bill Nighy). An seiner Seite eine handverlesene Schar noch sehr viel exzentrischer DJs, wie etwa der unbestrittene „Count“ (Philip Seymour Hoffman) oder der schweigsame(!) Frauenschwarm Mark. Zu ihnen gesellt sich der junge Carl, den seine Mutter zur moralischen Festigung ausgerechnet auf dieses Sex/Drugs/Rock’n’Roll-lastige Boot schickte – fortan lässt die Crew natürlich nichts unversucht, ihn zu verkuppeln. Natürlich nur, sofern sie sich damit nicht selbst eine Chance verbauen.
Da eine solches Treiben der Regierung natürlich ein Dorn im Auge ist, beauftragt sie Minister Dormandy (Kenneth Branagh) mit der (legalen) Abschaffung des Senders. Oder mit der Schaffung entsprechender Gesetze. Unterstützt von seinem Assistenten Tittham (bitte laut aussprechen. Im Original übrigens „Twatt„) und der Sekretärin Miss Clitt (s. Tittham) beginnt er, den Piraten das Leben schwerer zu machen. Doch das ficht sie nicht sonderlich, haben sie doch den unangefochtenen Supermoderator Gavin (göttlich: Rhys Ifans, der „Spike“ aus Notting Hill) anheuern können, der das Publikum bei der Stange (respektive Sendemast) hält.
Und so treibt die Crew dahin in einem Strom aus Rock, Sex, Alkohol, kleinen Streitereien und grenzenloser Freiheit. Bis die Regierung ihnen mit dem Schifffahrts-Schutzgesetz endgültig den Garaus machen will…

Ein Blick in die Besetzungsliste macht schnell klar, dass dies ein hochkarätiger Ensemblefilm in der Tradition von Tatsächlich … Liebe ist. Und in der Tat, beide stammen aus der Feder von Richard Curtis, der hier auch Regie führte. Um es gleich zu Anfang zu sagen: Dies ist kein Historienfilm. Er legt keinen besonderen Wert auf detailgetreue Darstellung der Welt der Piratensender. Stattdessen legt er Wert auf die detailgetreue Wiedergabe des Lebensgefühls dieser Zeit, und das gelingt ihm ganz hervorragend! Mit dem (natürlich) grandiosen Soundtrack, den knalligen Kostümen und den durchgeknallten Figuren, die hier aufeinanderprallen und gerade deshalb so harmonisch ihre gemeinsame Leidenschaft für Rock teilen, springt die Stimmung ganz schnell auf den Zuschauer über – so soll’s sein. Man merkt, das Regisseur Curtis, der als Junge selbst heimlich im Bett Piratensender hörte, viel Herzblut in die Geschichte gesteckt hat – und das tut Geschichten immer gut. So mag man es ihm nachsehen, das er seinen liebgewonnenen Figuren nicht wirklich Weh tun will, und sie in der episodenhaften Handlung außer kleineren Balgereien eigentlich nichts anderes machen, als ihr Leben zu genießen. Da wirkt das verhältnismäßig actionlastige Finale als britische Antwort auf Titanic doch eher aufgesetzt.
Einen schönen Kontrast zur schrillen Rock-Truppe liefert da das herrlich überzogene Gehabe von Kenneth Branagh mit seinem Team. Er erhebt das Bild vom spießigen Minister in völlig neue Höhen, und wenn er es im Familienkreis mal richtig krachen lässt und mit seiner vor Aufregung fast kollabierenden Frau eine Knallbonbon zündet, bleibt kein Auge trocken. Überhaupt ist es weiniger das Große Ganze, sondern es sind die vielen, kleinen köstlichen Momente, die diesen Film ausmachen. Ob nun die Crew versucht, den niedergeschlagenen Carl wieder aufzuheitern, ob Mark wortlos moderiert, die Crew nach Monaten entdeckt, dass sie auch einen Nachtmoderator haben, all das macht mit der Spielfreude der Darsteller und der Leidenschaft des Regisseurs den besonderen Reiz dieses Films aus. Alles in allem ein Film wie ein fauler Sonntag Nachmittag: Wenig Handlung, viele kleine Momente, viel Harmonie und im Rückblick einfach schön. Schön. (8/10)

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