Milk

Milk

von Gus van Sant, mit Sean Penn und Josh Brolin.

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Milk

Harvey Milk ist schwul, und findet das auch gut so. Allerdings steht er und die schwule Gemeinde in San Francisco Ende der 60er Jahre damit recht allein. Die Polizei hasst sie, die Bevölkerung ignoriert sie und eine handvoll erzkonservativ-Religiöser  Politiker will ihnen per Gesetz das Leben noch schwerer machen. Also entschließt Harvey sich, dem etwas entgegen zu setzen und wird zum Kristallisationskeim einer Schwulenbewegung. Mehr noch, er will sogar in die Politik einsteigen, um schwulenfeindliche Gesetze dort zu bekämpfen, wo sie entstehen – im Rathaus. Im fünften Anlauf gelingt ihm das schließlich, und er zieht ins Rathaus ein, wo er auch auf den eher konservativen Feuerwehrmann Dan White trifft. Dan ist ebenso neu im Rathaus wie Harvey, tut sich aber etwas schwerer mit politischer Arbeit und noch schwerer darin das zuzugeben. Die vorsichtige Freundschaft der beiden ist daher nicht von Dauer, und so ist es schließlich auch Dan, der in Harvey seinen Sündenbock finden und ihn erschießen wird…

Zwei Oscars gab es für diesen Film, einmal für Sean Penn und einmal für den Drehbuchautor Dustin Lance Black. Um es gleich vorweg zu nehmen: Penns Oscar ist mehr als verdient. Penn spielt unglaublich. Besser noch, er spielt nicht einfach Harvey Milk, er ist es. Er schlüpft mit Haut und Haar in die Rolle eines völlig anderen Menschen, so dass Laudator DeNiro bei der Übergabe der Trophäe zurecht fragte, wie Penn eigentlich all die Jahre Hetero-Rollen bekommen hat.  Wow.

Der Oscar für’s Drehbuch allerdings wirkt im Nachhinein weniger überzeugend. Denn dieser Film ist für meinen Geschmack entschieden zu lang, besonders auf unbequemen Stühlen in schlecht klimatisierten Winz-Kinos wie dem, in dem ich dieses Werk erleben durfte. Vor seiner Ermordung hat der echte Harvey Milk in weiser Vorraussicht sein Leben auf Tonband Revue passieren lassen, was eine dankbare Grundlage für ein solches Biopoic ist, und in diesem Fall auch gleich den Rahmen für den Film gibt, der in Rückblenden die einzelnen Abschnitte seiner Karriere bebildert. Die Anzahl dieser Rückblenden etwas einzudampfen hätte dem Film vermutlich nicht geschadet, und jeden seiner 4 gescheiterten Wahlgänge zu zeigen und bei jedem davon seinen Kompagnon eine Demo anzetteln sehen sorgt eher für Ermüdungserscheinungen beim Zuschauer, so bewegend sie auch im einzelnen gewesen sein mögen. Aber die langatmige Mitte wird von einem starken Anfang und einem noch stärkeren Ende eingerahmt, so dass schließlich immer noch eine bewegendes und hierzulande eher unbekanntes Stück amerikanischer Geschichte in den Köpfen hängen bleibt, die durch die gelegentliche Einblendung von Archivbildern und Filmen verdeutlicht wird; besonders im Nachspann, der zu jedem Schauspieler auch noch ein Foto der „echten“ Person zeigt sorgt das noch für dei ein oder andere Gänsehaut.

Trotz Abzügen in der B-Note und einer etwas gequälten Inszenierung also vor allem durch den realen Hintegrund und die phänomenale Schauspielkunst von Sean Penn ein sehenswerter Film. Ihn zu Hause auf DVD zu sehen ist dafür ausreichend. (7 / 10)

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