Abzocke in Serie(n)

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"Eine Frage noch ..."

„Ach, eine Frage noch…“. Mit dem Ausspruch hat schon ein bekannter Fernsehkommisar so manchen Schurken in Bedrängnis gebracht. Da wird es höchste Zeit, diese Frage den heutigen Serienmachern angesichts des Umgangs mit den Geldbörsen (oder neudeutsch: Portmoneeees) der Fans genervt an den Kopf zu werfen, nicht ohne ein „Geht’s noch?“ anzuhängen. Aber ruuuuhig, immer der Reihe nach…

Die Programmgestaltung der heutigen Fernsehlandschaft lassen mich immer häufiger in andere Parallelwelten flüchten, nämlich die der Fernsehserien. Ich meine damit natürlich nicht sowas wie ‚Lindenstraße‘ oder ‚Verliebt in Berlin‘, sondern die hochklassigen US-Serien, die in den letzten Jahren zahlreicher unsere Wohnzimmer mit bester Unterhaltung erfüllen: LOST, Deadwood, Battlestar Galactica, 24, Six Feet Under, 4400, Pushing Daisies, 30 Rock und viele mehr. Der von komischen Sendezeiten, nervenzerfetzenden Warten auf die nächste Folge, unerträglichen Werbeüberfrachtung und oft auch mangels Ausstrahlung im Free-TV verstimmte Zuschauer weicht da gerne auf das reichhaltige Angebot an DVD-Sets aus, die einem die selbstbestimmt Dosierung des ersehnten Programms ermöglichen. Und bei denen man nicht in Gefahr läuft, durch soziale Verpflichtungen womöglich eine Folge zu verpassen, was einen ganz schnell mal aus der Handlung rausbringen kann, man denke nur an LOST…

Aber wie schon Meister Yoghurt so richtig sagte: „Jeder Saft hat zwei Seiten.“
Und bei den DVD-Sets ist das die teilweise schon unverschämte Abzocke, die den Serienjunkies gnadenlos an den Geldbeutel geht. Denn um sich mit dem Verkauf der Boxsets nicht die kostbaren Werbeeinnahmen bei der (Free-)TV-Ausstrahlung abzugraben, werden erstere erst lange nach letzterer in den Handel gebracht. Das hat zur Folge, dass zum Beispiel vom wirklich ausgezeichneten „Battlestar Galactica“ noch die Staffel 2 im Regal vor sich hin staubt, während auf Premiere schon die vierte Staffel über die Schirme flimmert (Röhrenfernseher vorausgesetzt) – das tut weh.

Die daraus folgende Unsitte ist die Aufteilung der Staffeln in Teil 1 und Teil 2. Sobald die Halbzeit erreicht ist, wird die erste Hälfte zu unverschämten Preisen in den Handel gebracht. Ist das Staffelfinale erreicht, gibt’s den Rest für nochmal soviel Geld nachzukaufen. Sind die Fans bedient, fällt nach ein paar Monaten dann endlich der Preis auf ein erträgliches Maß, bevor dann nach ein paar weiteren Monaten schließlich die ganze Staffel als ein Boxset für die Hälfte der Preises des ersten Teils in den Handel kommt. Wäre man da nicht schon mit dem Erwerb der Folgestaffel beschäftigt, man würde sich ärgern.

Wie ich darauf komme? Ich habe mir am Wochenende leichtsinnigerweise den ersten Teil der ersten Staffel vom vielversprechenden Heroes in einem geizpropagierenden Elektronikmarkt gekauft – für stolze 29,90€. Hätte ich vorab mal bei meinem Stamm-Internetversand reingeschaut, hätte ich das erworbene Set dort für die Hälfte gefunden und die ganze Staffel für nur 19,98. Grundlegende Arithmetik bringt mich da auf 66% Preisvorteil. Wäre ich gelenkiger, würde ich mir an eine schwer zugängliche Stelle beißen. Stattdessen schreibe ich lieber diesen Artikel und hoffe auf Euer Mitgefühl.

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