Cheyenne – This Must Be The Place

This Must Be the Place

von Paolo Sorrentino, mit Sean Penn, Frances McDormand und David Byrne

This Must Be The Place - DVD bei amazon.de

Aufstehen, schminken, Lippenstift auftragen, die schwarzen Haare zur Löwenmähne aufsprayen, in die schwarzen Klamotten schlüpfen – und dann mit Hackenporsche einkaufen gehen – Routine ist ein ständiger Begleiter im Leben von Cheyenne. Routine sind für ihn auch die Blicke seiner Mitmenschen, für die die Gesamterscheinung des gealtertern Rockstars, der wie eine merkwürdige Mischung aus Robert Smith, Alice Cooper und Opa wirkt, gibt kein so wirklich schlüssiges Bild ab.

Früher war er ein Star, doch seit seine Musik ein paar Teenies zum Selbstmord inspiriert hat, hat er sich zurückgezogen und lebt mit seiner Frau in einem imposanten Herrenhaus von seinen Tantiemen. Doch so recht ist er mit seinem Leben nicht zufrieden, das aus Depressionen, Routine und Langeweile besteht. Aber er weiß auch nicht, wie er das ändern kann.

Als sein Vater stirbt, kommt etwas Schwung in die Sache. Er reist nach New York ans Totenbett des Vaters. Dort erfährt er von dessen lebenslanger Suche nach einem Nazi-Schergen, der ihm einst im KZ aufs übelste peinigte. Cheyenne beschließt, das Werk seines Vaters zu vollenden und den verhassten Alois Lange endlich zu stellen…


Genial. Lange nicht mehr so gelacht. Eine solche Fülle an skurrilen Figuren und Situationen habe ich schon lange nicht mehr gesehen, und dementsprchend entzückt hat mich auch der Film. Hier nimmt sich mal wieder jemand Zeit für seine Hautfiguren, hier wird in bedächtigen, sorgsam durchkomponierten Bildern ganz gemächlich ein wunderschöne Geschichte voller skurriler Wendungen und Begegnungen entsponnen, die einen unweigerlich in ihren Bann zieht.

Und das ist nicht zuletzt auch Sean Penn zu verdanken. Dass er ein genialer, unglaublich wandlungsfähiger Schauspieler ist, hat auch die Academy bereits mit einem Oscar anerkannt. Insofern kann er sich in diesem Film entspannt in der Rolle des depressiven, gealterten Gruftis austoben, was ihm sichtlich Freude bereitet. Die sparsame Mimik, die lahmen Motorik, die leise Stimme, die bedächtigen, sorgsam artikulierten Worte, die er hervorbringt, damit haucht Sean Penn der Figur des Cheyenne gekonnt Leben ein. Ob er im Fahrstuhl jungen Damen Schminktipps gibt, aus Rache Milchkartons zersticht oder ein Gothic-Mädel mit einem schüchternen Jungen aus dem Einkaufszentrum zu verkuppeln versucht, man wird nicht satt an seinen Einfällen.

Auch wenn der Film in der zweiten Hälfte zugunsten der Handlung etwas nachlässt, ist das insgesamt doch leicht zu verschmerzen – für diesem originellen, hervorragend erzählten, tolle bebilderten, brillant gespielten Film habe ich schon mal einen Platz im DVD-Regal freigeräumt. Oscarverdächtig! (9/10)

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