The Blind Side – Die zweite Chance

The Blind Side

von John Lee Hancock, mit Sandra Bullock und Quinton Aaron

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Blind Side

Michael Oher ist groß, schwarz, jung und kräftig. Allerdings auch mittellos und traumatisiert. Nur über die Aussicht auf herausragende Sportlichkeit schafft es sein Onkel, ihm für eine sauteure, christliche Privatschule ein Stipendium zu organisieren. Nur, um ihn gleich darauf auf die Straße zu setzen. Dort liest ihn schließlich die stinkreiche weiße Vorzeigemutti Leigh Anne Tuohy (gesprochen: „TUI“) auf. Sie gibt ihm Unterkunft, Verpflegung, Familienanschluss, Privatunterricht und neue Klamotten. Sie ist dabei selber kaum mehr überrascht von ihrer sozialen Ader wie ihre stinkreichen Freundinnen, aber sie zieht es nicht nur durch, sondern entwickelt sogar mütterliche Gefühle für den riesigen schwarzen Jungen. Ein kleines bisschen Ärger gibt es dann doch, als der zum begehrten Football-Talent avancierte Michael an die Alma Mater seiner Adoptivmutti gehen will. Doch diesmal schafft er es, das Problem selbständig auszuräumen.

Okay. Ich gebe zu, ich hätte diese Rezension schreiben sollen, bevor ich mir Precious anschaue. Ging aber nicht anders, und so sitze ich hier. Ich versuche dennoch mein bestes.
Im Vergleich zum edelherben Precious ist Blind Side die weiße Schokolade, derer Freund ich erklärterweise nicht bin, wiewohl ich die Zuneigung anderer zu diesem Süßprodukt dulde.

DIe Geschichte ist wahr, wie der Nachspann beweist, und vermutlich als Tribut an die Leinwand hier und da etwas aufgehübscht worden. Für texanische Verhältnisse muss sie regelrecht revolutionär sein, dass aufgeklärte europäische Auge mag etwas nüchterner reagieren. Die Geschichte von Oher, der sich aus dem Nichts zur Footballegende hervorarbeitet, ist dabei durchweg bewegend. Weniger bewegend ist das hochglanzambiente, in dessen Rahmen das stattfindet. Von der Hochglanzschule mit Hochglanzschülern, dem Hochglanzhaus mit der Hochglanzfamilie, alles ist vermutlich als Ausgleich zur sozialen Botschaft dermaßen aufpoliert, dass selbst das Ghetto, aus dem Leigh Anne den armen Michael rettet, irgendwie sauber wirkt. Das stößt auf Dauer doch etwas süßlich auf, wie nach dem Genuss von zuviel Schokolade.

Sandra Bullocks Schauspielerei ist gut. Aber nicht phänomenal oder zumindest aufsehenerregend. Den Oscar hat sie, Zitat NDR Info, daher wohl eher für Political Correctness bekommen. Dem kann ich mich nur anschließen.

Ansonsten bleibt neben dem frohen Appell an christliche Menschenliebe und einem beeindruckenden sozialen Aufstiegsdrama ein für einen Oscarfavoriten erschreckend seichter Restfilm mit viel Football, wohl um gefälliger im Mainstream unterzugehen. Für einen netten Videoabend aber immer noch gut genug. (7/10)

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