Die Gräfin

The Countess

von Julie Delpy, mit Julie Delpy, William Hurt und Daniel Brühl

Die Gräfin

Die Gräfin

Ja, reiche Leute haben es nicht einfach. Das ist heute so, und auch schon früher. Das könnte auch Gräfin Erzebeth Bathory bestätigen. Jüngst verwitwet, ist sie in Ungarn anfang des 17. Jahrhunderts geradezu superreich und seeehr mächtig. Nur leider, wie sie es selbst zugibt, ist das Herz einer Frau ihre größte Schwäche. Und ihr Herz hat sie an den deutlich jüngeren Grafen Istvan verloren, sehr zum Missfallen von dessen Vater Graf Thruzo. Doch der erkennt bald das Potential dieser Situation, um Erzebeths Vermögen und Macht seinem eigenen Hause einzuverleiben. Der Junior wird fortgeschickt und zwangsverheiratet, und die Geliebte Erzebeth mit gefälschten Briefen im Glauben gehalten, Istvan hätte sie zu Gunsten einer Jüngeren aufgegeben. Von Liebeskummer zerfressen beginnt sie zu glauben, das Blut von Jungfrauen könne sie verjüngen und ihr Istvan wieder zurückbringen. Und als dieser Wahn immer mehr offensichtlich wird, beginnen ihre Feinde, sie endgültig zu vernichten. Sie beschuldigen sie der Hexerei und schicken ausgerechnet Istvan, um dem nachzugehen. Doch die Beweise sind erdrückend…

Die Gräfin Erzebeth Bathory lebte Anfang des 17. Jahrhunderts in Ungarn. Sie war dermaßen reich und mächtig, dass selbst König Matthias II. bei ihr in der Kreide stand. Das sowas auf Dauer nicht gutgehen kann, zeigt ihre Verurteilung wegen Hexerei. Als Strafe lebendig in ihrem Zimmer eingemauert, starb sie 1614. Noch phänomenaler als ihr Reichtum war die Legendenbildung um ihr Leben. Unter anderem hieß es, sie habe im Blut von Jungfrauen gebadet, um ewige Jugend zu erlangen – quasi die Mutter von Dracula. Soviel zur Historie.
Es gibt nicht viele Filmschaffende, die gleich auf mehreren Stühlen Platz nehmen und dann noch einen guten Film abliefern können – dafür ist eine gehörige Disziplin, eine enorme Vielseitigkeit und ein gehöriger Abstand zum eigenen Werk notwendig. Spontan fallen mir da nur Clint Eastwood („Million Dollar Baby“, „Gran Torino“) oder James Cameron (muss ich es schreiben? Titanic!) ein. Julie Delpy fällt nicht in diese Kategorie, zumindest nicht mit diesem Film. So gut ihre darstellerische Leistung und ihre Musik auch sind, so hätte sie das Drehbuch und den Schnitt doch besser anderen überlassen. Streng chronologisch erzählt, oft sehr lang und sehr oft episodenhaft versucht sie ihre Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Die eher kurzen 100 Minuten Laufzeit erscheinen aufgrund der zahlreichen Längen deutlich länger – ein gefühlter Überlängenzuschlag wäre da wohl fällig. Neben Julie Delpys beeindruckender Leinwandpräsenz lässt sie viele andere der Figuren zu bloßem Beiwerk verkommen – so hätten beispielsweise ihre Kammerdiener, die später unter Folter gestehen und grausam hingerichtet werden, hätten sicher etwas mehr Aufmerksamkeit verdient, statt nur verängstigt herumzustehen. Die Zeit dafür hätte an zahlreichen anderen Stellen abgeknapst werden können, so etwa bei der ausladenden Ballszene oder der einleitenden Rückblende auf Erzebeths Jugend.
In den Händen eines guten Drehbuchautors und zeitgemäßer geschnitten hätte diese Geschichte bestimmt ihr Potential entfalten können, so bleibt es aber nur bei einem unausgegorenen, langatmigen Handlungsbilderbogen, der nicht weiß, ob er nun Historiendrama, Romanze oder Schocker (jaaa, ein paar überflüssige Metzelszenen gibt es auch) sein will.

Schade eigentlich, denn ansonsten ist der Film gerade in den anderen Disziplinen, vor allem in der Ausstattung und der Kameraarbeit sehr gut. Aber was zählt ist das, um Loriot zu zitieren, künstlerische Gesamtkonzept, Und wenn das nicht stimmt, können auch die letzten Joker, nämlich der hier eher farblose Daniel Brühl oder der A-Klasse-Darsteller William Hurt. nicht mehr viel ausrichten. Chance vertan, nächster Film. (6/10)

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