Crossing Over

Crossing Over

von Wayne Kramer, mit Harrison Ford, Ray Liotta, Ashley Judd, Jim Sturgess und Cliff Curtis

Crossing Over

Crossing Over

USA, Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Zumindest dann, wenn dort arbeiten darf. Und das darf nicht jeder. Um die, die es nicht dürfen, kümmert sich Max Brogan von der Ausländerpolizei, dem die Illegalen, wie etwa Mireya Sanchez mit ihrem kleinen Sohn, mehr am Herzen liegen, als seine Kollegen gutheißen können. Das findet zumindest sein Kollege Hamid, der in seiner streng muslimischen Familie selbst gerade Ärger mit seiner lebenshungrigen Schwester hat. Freizügig ist auch der Umgang Gavin mit seiner jüdischen Religion. Alles andere als Orthodox versucht ausgerechnet er, als jüdischer Religionslehrer seine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Das versucht auch seine Freundin Claire, wenn auch nicht über Religion, sondern über ihren Status als berühmte australische Schauspielerin. Das stimmt zwar nicht so ganz, aber da würde ihr Sachbearbeiter Cole auch mal ein Auge zudrücken, sofern sie ihm als Gespielin zur Verfügung steht. Fast geschafft hat es hingegen Yong Kim, seine Einbürgerungsfeier steht kurz bevor. Nur richtig zu würdigen weiß er es nicht, schließlich ist er gerade dabei, in ein Straßengang einzusteigen, was ihm deutlich reizvoller erscheint. Taslima schließlich weiß nicht einmal, dass sie eigentlich nur im Land geduldet ist, bis Sie in der Schule leichtsinnigerweise einen Vortrag hält, in dem sie die Attentäter des 11.9. nicht als Monster darzustellen wagt, sondern als Menschen mit Motiven. Als kurz danach das FBI an der Tür klopft, kann nur noch die Anwältin Denise helfen, die zufälligerweise die Frau von Cole ist – so beginnen die Geschichten sich zu verknüpfen…

Die Obama-Ära kommt mittlerweile auch im Kino an. Einen Film, der sich dermaßen (selbst-)kritisch mit dem Thema Einwanderung in all ihren Schattierungen auseinandersetzt, wäre in den Bush-Jahren wohl nicht möglich oder zumindest als unpatriotisch abgestempelt worden. Was L.A. Crash zum Thema Rassismus, ist Crossing Over für Immigration, und schonungslos zeigt es die Rechtlosigkeit derer, die nur geduldet sind, und die gnadenlose Ausnutzung dessen durch die, die sich auf der sicheren Seite wähnen. Dabei gleitet der Film nie in zuviel Pathos ab, auch verliert er sich nie in Klischees, sondern zeigt nüchtern, fast schon dokumentarisch die menschlichen Schicksale hinter nüchternen Gesetzen. Und geht damit unter die Haut.
Das Ensemble diese Films ist perfekt. Harrison Ford als Eye-Catcher zieht die Zuschauer in den Film, nur um sich dann vornehm in das nicht minder gut aufspielende Ensemble zurückzuziehen, dass sich nie in den Vordergrund spielt, sondern mit ihrer Präsenz die Handlung trägt. Wirkungsvoll wird so der Keim des Zweifels im Zuschauer zu gesät, der erst zu Hause seine volle Blüte trägt und Fragen aufwirft über ein System, in dem am Ende jeder etwas verliert, ohne einfache Antworten zu liefern. Hut ab vor Wayne Kramer der es schafft, diesen Balanceakt perfekt umzusetzen. Schade nur, dass dieser depressiv stimmende Film vermutlich nicht bei denen ankommen wird, für die er gedacht ist. (8/10)

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