OSCAR© 2009 – Die Show

Wie versprochen hier nach einer Mütze Schlaf mein persönliches Resümee einer langen, durchwachten, aber wirklich unterhaltsamen Nacht – eine der besten Oscar Shows seit langen, und nicht zuletzt der mit den meisten richtigen Tipps…

Cinemaxx Oscarnacht

Nach der sehr schönen Oscarnacht im Cinemaxx Hamburg-Dammtor letztes Jahr stand sie natürlich auch dieses Jahr wieder auf dem Programm. Aus welchen Gründen auch immer hier der Rotstift angesetzt wurde, aber das Niveau konnte sie so leider nicht halten. Zum einen ist sie ins (nicht ganz so schöne) Cinemaxx Wandsbek verlegt worden, zum anderen war auch das Rahmenprogramm etwas sparsam. Wo letztes Jahr noch ein Pianist Oscarstimmung verbreitet hat und zahlreiche Stellwände ausführlich über die nominierten Filme und Personen informiert haben, gab es diese Jahr nicht einmal eine Ansage oder eine Verlosung, stattdessen pappten ein paar DIN-A4 Zettel mit den Nominierungslisten recht lieblos an der Bierzapfanlage. Schade. Immerhin konnte der Vorfilm („Der Vorleser“) es dann wieder herausreißen, und auch die anfänglichen Probleme mit der Kaffeeversorgung und dem Livebild wurden vom sehr engagierten Personal schnell in den Griff bekommen, und schließlich war auch das Frühstücksbuffet erstklassig.

Die Pro 7 Red-Carpet-Show

Wenn der Oscar ruft, wird das Kodak-Theatre zum Olymp der Mega-Stars. Brad Pitt, Angelina Jolie, Sean Penn, Meryl Streep, Ben Stiller, Danny Boyle, Penélope Cruz, und wie sie alle heißen, einer legandärer als der andere. Und zwischendrin Stephen Gäthjen, der verzweifelt versucht, Stars ans Mikro zu bekommen. Wobei ihm das dieses Jahr sogar recht gut gelungen ist, nur um dann mit dem Versuch zu scheitern, ein halbwegs intelligentes Interview zu führen. Gnädigerweise wurde das Trauerspiel in den Werbepausen von Werbung fürs „Next Topmodel“ und Uri Geller unterbrochen, nur um dann wieder nahtlos zu den Hollywoodstars zu schalten – ein Wechselbad des Niveaus, das abhärtet.

Die ABC Red-Carpet-Show

Deutlich professioneller ging es da schon beim Oscar-Haussender ABC zu, wobei ich vermutlich nie verstehen werde, warum die immer so einen Akt um die Klamotten machen. Da steht eine oscarnominierte Kate Winslet auf dem Teppich, und die erste Frage gilt dem Kleid, wogegen Mickey Rourke uns was von seinem verstorbenen Hund erzählt – Oberflächlichkeit pur. OK, aber immer noch auf einem höheren Niveau als Stephen Gäthjen. Im Laufe der Show wurden dann noch kurze Einblicke hinter die Kulissen und das Design des neuen Bühnenbildes geboten, bevor dann um 2:30 MEZ endlich der Vorhang für die Show aufging…

Der Host

Über Hugh Jackman habe ich mich ja bereits positiv geäußert. Er ist für die Show ein echter Glücksgriff und beweist, dass Entertainer wie er die besseren Moderatoren vor scharfzüngigen (wie ich das Wort hasse) Comedians sind – er moderierte, er tanzte, er sang und präsentierte neben seiner Einleitungsnummer im weiteren Verlauf des Abends noch eine beeindruckende Musicalnummer, die von Baz Luhrman persönlich choreographiert wurde – das ist Hollywood. Auch wenn er natürlich nicht ganz an Billy Crystal heranreicht, gebührt ihm doch Platz zwei meine beliebtesten „Hosts“.

Zu seinem Engagemant hatte er dann auch noch eine Erklärung: Kate Winslet ist eine Engländerin, die eine Deutsche spielt, die englisch spricht – und wird nominiert. Robert Downey Jr. ist ein Amerikaner, der einen Australier spielt, der einen schwarzen Amerikaner spielt – und wird nominiert. Hugh selbst ist ein Australier, der einen Australier spielt, in einem Film der Australia heißt – und wird Oscar-Host.

Die Show

Größte Neuerung sind die „Paten“ für die nominierten Darsteller. So stehen bei den Hauptdarstellern mit Ben Kingsley, Robert DeNiro, Michael Douglas, Anthony Hopkins, und Adrien Brody 5 Legenden der Leinwand auf der Bühne, die jeweils einem Nominierten eine tränendrüsenlastige Laudatio halten; bei den Damen standen Sophia Loren, Shirley McLane, Nicole Kidman, Halle Berry und Marion Cotillard. Wow.

In den weniger prestigeträchtigen Kategorien wurden dann weniger, aber keinesfalls schlechtere Stars aufgefahren. So wurde die Drehbuchpreise von Steve Martin und Tina „Sarah Palin“ Fey moderiert. Und sie kommen ins Philosophieren: Dass jeder Film mit einem Drehbuch beginnt, jedes Drehbuch mit einer weißen Seite, jede weiße Seite mit einem Baum und jeder Baum mit einem Samen. Die Samen schließlich wurden „vom außerirdischen König Rondalay auf die Erde gebracht, um unsere Titrate zu pflegen und unsere positiven Transfers aufzufüllen“ – worauf Steve von Tina unterbrochen wird, dass niemand sich für ihre Religion interessiere. Köstlich, da können sich die (meisten) deutschen Comedians mal eine Scheibe von abschneiden…

Etwas sperriger hingegen, aber nicht minder witzig, Ben Stillers Joaquin-PhoenixParodie, komplett mit Rauschebart, Kaugummi und vermasselten Einsätzen – immerhin hat er mit seinem staunenden umherirren auf der Bühne fast noch Co-Moderatorin Natalie Portman aus dem Tritt gebracht.

Die Preisträger

Sind eindeutig zu viele, um sie alle einzeln aufzuzählen. Sympathisch waren die Japaner, die die spärliche redezeit mit ebenso spärlichem Englisch zu füllen versuchten, um dann noch ein „Domo ariagato, Mr. Roboto“ hinterherzuwerfen. Der Preis für Heath Ledger wurde posthum von seinen Eltern und seiner Schwester in Empfang genommen, deren Dankesworte so manchen Gänshautschauer verursacht haben dürften. Ehrlich gerührt auch die viele Inder, die im Rahmen von „Slumdog Millionaire“ Preise absahnten. Oder der Franzose Philippe Petit, der ganz abgebrüht einen Münztrick zeigte und die Oscar-Statue auf seinem Kinn balancierte, wo Superstars wie Kate Winslet und Penélope Cruz mühsam um Fassung ringen mussten.

Die Herren gaben sich da doch etwas gedeckter, auch wenn Sean Penn zum Schluss seiner Dankesrede mit seinem bewegenden Aufruf für mehr Toleranz auf der Welt merklich ins Stocken kam. Ganz cool hingegen Danny Boyle, der neben den üblichen Dankesworten auch nicht versäumte, zum einen den Organisatoren der Show für das beeindruckende Spektakel zu danken, zum anderen auch Warner Independant für die Weitergabe der Filmrechte an Fox Searchlight. Erstere wollten den Film nicht in den USA in die Kinos bringen, das traute sich erst Fox – nur einer der vielen Stolpersteine, die den Film auf seinem Weg zum Oscar-Abräumer fast noch verhindert hätten.

Und als schließlich der letzte Preis, der für den besten Film, an „Slumdog Millionaire“ ging, war die Bühne plötzlich vom halben Filmteam bevölkert, das sein Glück fast nicht fassen konnte, während Produzent Christian Colson die finalen Dankesworte ans bewegte Pubikum richtete. Kurz darauf war der Spuk für dieses Jahr wieder vorbei, und die Schlussworte von Hugh Jackman ließen eine lange Oscar-Nacht zu Ende gehen.

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