Der letzte König von Schottland- In den Fängen der Macht

Last King of Scotland
von Kevin MacDonald, mit Forest Whitaker und James McAvoy.

Last King of Scotland, © by 20th Century Fox

Nicholas Garrigan ist am Ziel. Gerade hat er seinen Doktor der Medizin erhalten und steht davor, als schottischer Landarzt in Vaters Fußstapfen zu treten – so glauben seine Eltern. Doch Nicholas hat andere Pläne, er will ausbrechen, Abenteuer erleben, Spaß haben und ganz nebenbei noch Menschen helfen, die seine Hilfe wirklich nötig habe. Kurzerhand sucht er sich ein Ziel auf dem Globus, und landet so in Uganda. Nachdem er sich recht schnell in die ernüchternden Umstände des Hospitals eingelebt hat, trifft er durch Zufall auf den neuen Präsidenten Idi Amin – und beeindruckt ihn mit seiner forschen Art und nicht zuletzt mit seiner schottischen Herkunft so sehr, dass er ihn kurzerhand zu seinem Leibarzt macht. Endlich hat Nicholas endlich das Leben, das er sich gewünscht hat: Schnelle Autos, teure Wohnungen, Frauen und Macht. Doch mit der Zeit merkt Nicholas, dass Idi Amin nicht der nette Onkel ist, dass die Lage im Land immer bedrohlicher wird, und er selbst, ohne es zu merken, schon längst eine Grenze überschritten hat – er ist gefangen in den Fängen der Macht. Und so muss er zum ersten Mal Stellung beziehen, auch wenn es dafür eigentlich schon zu spät ist…

Regisseur Kevin MacDonald schafft hier auf Basis des gleichnamigen Romans einen intimen Einblick in eine Diktatur und eine Parabel über Macht und Moral. Die Geschichte wird aus der Sicht eine jungen, naiven Arztes erzählt, der auf der Suche nach Abenteuer mehr Abenteuer bekommt, als ein Mensch ertragen kann. Auf dieser Basis erleben wir, wie Nicholas sich Stück für Stück korrumpieren lässt und dabei selbst Teil des Systems wird, ohne es, geblendet von der Macht und dem Charisma von Idi Amin, zu merken bzw. ohne es merken zu wollen. In seiner jugendlichen Überheblichkeit alle Warnungen in den Wind schlagend, wacht er erst dann aus seiner Euphorie auf, als es ihm bzw. seinen Freund(inn)en an den Kragen geht. Doch nun ist es zu spät, um noch auszusteigen, es sei denn, er akzepiert zum ersten Mal die Verantwortung für sein Handeln und trägt die Konsequenzen. Der brilliante, OSCAR gekrönte Forest Whitaker dient dabei mit seiner intensiven, unglaublich glaubwürdigen Darstellung des Idi Amin als Konterpart zu Nicholas. Als Diktator Amin zeigt seine Figur wenig Entwicklung, wir erleben bloß aus Nicholas sicht, wie Schicht für Schicht sein wahrer Charakter eines paranoiden, selbstgefälligen Despoten unter der Fassade des charismatischen Präsidenten zum Vorschein kommt, nicht zuletzt aufgrund der eigenen Unfähigkeit, das Land vernünftig zu regieren.

Das übrige Team leistet eine so perfekte Arbeit, dass nichts von dem Spiel der beiden Charaktere ablenkt, es wirkt alles so selbstverständlich, als sei man selbst dabei. Insofern bleibt am Ende ein faszinierender Film, ein Einblick in die Abgründe einer Diktatur als auch in die der menschlichen Seele. Anschauen! (9)

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