Sophie Zelmani @ Kreuzberger Passionskirche

Zelmani_Konzert Anfang April gab sich die öffentlichkeitsscheue schwedische Popsängerin Sophie Zelmani mit einer Deutschlandtour die Ehre. Das wohl außergewöhnlichste dieser Konzerte fand in der neoromanischen Passionskirche in Berlin-Kreuzberg statt. Statt dicht gedrängt zu stehen, lümmelt man gemütlich in den Gebetsbänken.
Wo sonst Gesangbuch oder Bibel abgelegt werden können, ist Platz für eine Flasche Bier oder ein Glas Wein. Die Band steht schon auf der Bühne und hat bereits angefangen zu spielen, als Sophie erscheint … nein, eigentlich kommt sie in einem roten Kleid auf die Bühne geschwebt, und fängt ohne große Umschweife an, die erste Singleauskopplung, „Travelling“, aus ihrem neuen Albums Memory loves you zu singen.
Unsinnigerweise wird die Musik von Sophie Zelmani häufig mit der von Norah Jones verglichen, dieser Vergleich wird beiden Künstlerinnen nicht gerecht. Während letzere mit meist klarer, kräftiger Stimme den Jazz-Pop in neue (kommerzielle) Dimensionen gehoben hat, sind die zart gehauchten Lieder von Sophie Zelmani irgendwo in dem Dreieck Folk-Pop-Blues angesiedelt. Dabei singt die Schwedin wie beispielsweise in „To know you“ immer nur soviel, wie es gerade noch nötig erscheint, um die in perfekter Dynamik zurückhaltend und routiniert instrumentierten Stücke nicht zerbrechen zu lassen. Die verbleibenden Zwischenräume werden gefüllt mit tollen akustischen Gitarrensoli und herzzerreißend schönen Klavierstimmen. Die Akustik der Passionskirche lässt die Instrumente dabei noch deutlich dynamischer und intensiver als bei Studioaufnahmen zur Geltung kommen.
Ihrem Ruf als introvertierte, schüchterne Person wird Sophie Zelmani über das gesamte Konzert gerecht. Die wenigen Ansagen zwischen den Liedern sind als mehr als nur zaghaft zu bezeichnen, bei musikalischen Energieausbrüchen ihrer Bandmitglieder bei ihren jeweiligen Soloparts bleibt die Sängerin seltsam unbeteiligt. Verunsichert und leicht abwesend wiegt sie sich auf ihrem Barhocker im Takt, um tapfer das Ende des Liedes abzuwarten und sich der nächsten Herausforderung einer Gesangseinlage zu widmen. Das befremdet auf angenehme Art und verhindert nicht, dass man mit der Erinnerung an mehrere absolute Höhepunkte des Konzerts, wie dem eingängigen „Going home“, dem schönsten Lied der neuen Platte „Love on my mind“ und dem vom Publikum lauthals geforderten und endlich als letzte Zugabe gespielten „Oh dear“, wundervoll beseelt nach Hause schwebt, um noch einmal Time to kill vom ersten bis zum letzten Stück durchzuhören.


Diskografie von Sophie Zelmani
1995 – Sophie Zelmani
1998 – Precious Burden
1999 – Time to Kill
2001 – Sing and Dance
2003 – Love Affair
2007 – Memory Loves You

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