Moonrise Kingdom

Moonrise Kingdom

von Wes Anderson, mit Jared Gilman, Kara Hayward, Edward Norton, Bruce Willis, Bill Murray, Frances McDormand, Jason Schwartzman, Harvey Keitel und Tilda Swinton

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New Penzance, USA, 1965. Sam und Suzy sind schwer verliebt. Doch Freunde und Familie sind gegen diese junge Liebe, schließlich sind sie (schätzungsweise) erst 15. Insofern bleibt ihnen nichts anderes übrig als zu fliehen. Von langer Hand vorbereitet bricht Sam daher aus seinem Zelt im Pfadfinderlager „Ivanhoe“ aus, während Suzy aus ihrem Elternhaus flieht, nicht ohne sich noch den batteriebetriebenen Plattenspieler ihres kleinen Bruders auszuleihen und die Katze mitzunehmen, samt Katzenfuttervorrat, versteht sich. Dank Sams Pfadfinder-Know-How schlagen sich die die beiden bis zu einer entlegenen Bucht der Insel New Penzance durch und bauen sich dort ein kuscheliges Lager fernab ihres verständnislosen Umfelds auf, um ihre junge Liebe zu entdecken. Doch die Verfolger schlafen nicht, sondern sind ihnen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auf Spur. Und ein Jahrhundertsturm zieht auch noch auf…


Die Royal Tenenbaums, die Tiefseetaucher und Darjeeling Limited, sie alle entstammen der Feder von Wes Anderson. Kennt man diese Filme, ahnt man was einen bei Moonrise Kingdom erwartet: verschrobene Figuren, poppige Schauplätze, wilde Kamerafahrten und eine Handlung, die mindestens so verschroben ist wie ihre Hauptfiguren und ähnlich unberechenbar. Es ist schwierig in Worte zu fassen, was die Faszination dieser Filme ausmacht. Vermutlich ist es die Kombination aus den ungewöhnlichen Figuren, der ungewöhnlichen Handlung und der ungewöhnlichen Optik.

Moonrise Kingdom ist da nicht anders, vor allem aber ist er mal wieder hervorragend besetzt, neben den Anderson-Veteranen Bill Murray und Jason Schwartzman gesellen sich dieses Mal auch Größen wie Bruce Willis und Edward Norton dazu, und nicht zuletzt auch eine hervorragend gecastete Schar an Jungdarstellern. Sie spielen die typischen Anderson Figuren: Wortgewandt und wortkarg zugleich, voller Gefühle und Konflikte, derer sie habhaft werden können, und die sie vor lauter Nachdenken darüber unter einer Maske der Ausdruckslosigkeit zu verbergen versuchen. Ein Lachen sieht man nie, Gefühle drücken sich nur in Worten, selten in Gesten aus, weshalb irgendwie alle nicht miteinander zurecht kommen. Das mag sich merkwürdig anhören, ist aber saukomisch.

Die Merkwürdigkeit der Figuren spiegelt sich auch in den merkwürdigen Kulissen. Ähnlich streng wie die Selbstbeherrschung der Bewohner sind auch sie streng durchgeplant. Jeder Raum gehorcht einer eigenen Palette aus Pastelltönen, alle fein aufeinander abgestimmt auf die strenge Geometrie der Räume und die penible Anordnung der Einrichtung. Im Ergebnis wirkt jede Einstellung unterschwellig unnatürlich, was zusammen mit den merkwürdigen Figuren den merkwürdigen Gesamteindruck noch unterstützt. Ein Blick in den Trailer sollte zeigen, was ich meine.

Was bleibt nun als Fazit? Dieser Film ist keine Popcornkost, sondern Feinschmeckerkino für Leute, die sonst gerne im Cafe sitzen und es genießen, sich merkwürdige Passanten anzuschauen – nur eben konzentrierter, mit witzig-romantisch-surrealer Handlung, toller Optik, schrägem Soundtrack und genialen Darstellern. Wer sich davon angesprochen fühlt, möge einen Kinobesuch in Erwägung ziehen. Wer das nicht tut, eigentlich auch, und sei es zur Horizonterweiterung. Es lohnt sich! (9/10)

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