Unterwegs – Belgien Kompakt!

Tja, während sich deutschen Partytouristen beim hemmungslosen Genuss von hygienisch bedenklichen Getränken aus Eimern in ihrem Sommerurlaub gleich Flugzeugladungsweise mit der Schweinegrippe infizieren, hat es  mich in diesem Sommer ins biedere Belgien verschlagen……sicher ist sicher.

Ja, ja, da kann ich mir die Fragezeichen in euren Augen quasi vorstellen. Warum also fährt der Typ, der sich sonst immer sonstwo in der Welt rumtreibt, ausgerechnet im Sommer nach Belgien? Die Antwort darauf ist so simpel, wie sie nur sein kann:  Der einzige günstige Flug  zu einem Ziel, wo ich noch nicht gewesen bin, ging nach Brüssel. Und da ich mal wieder, wie man in Hamburg so schön sagt: Hummeln im Arsch Hintern [besser, d. Red.] hatte, muss dann zur Not auch mal Belgien herhalten. Hier also ein ausführlicher und kalorienhaltiger Bericht von einer Woche im Land von Bier, Pommes, Waffeln, Schokolade und aufgeschlipsten EU-Komissaren.

Brüssel Großer Markt

Brüssel Großer Markt

Brüssel

Nach der  Einleitung will ich gleich zu Beginn eine Lanze für Belgien brechen, denn der ganze Urlaub verlief unter dem Motto: „Wenig erwartet, aber ziemlich viel bekommen!“, doch immer der Reihe nach.  Als chemisch interessierte Person führte mich mein erster Weg in Brüssel dann natürlich direkt zum „Atomium“, jenem merkwürdigen, 102 Meter hohen Bauwerk, welches ein 165 millionenfach vergrössertes Eisenmolekül darstellen soll. Für jemanden, bei dem es dazu gehört, im Urlaub auch mal ein paar nette  Schnappschüsse zu machen, ist es einfach nur herrlich, wenn sich die Sonne in der frisch restaurierten, glänzenden Aluminiumoberfläche der Kugeln bricht und von jeder Position anders reflektiert wird……super Optik.

Atomium

Atomium

Atomium

Atomium

Manneken Pis

Manneken Pis

Danach ging es dann in die historische Altstadt, wo besonders der Große Markt ein absolut sehenswehrtes Highlight darstellt. Auffällig sind die unzähligen Schokoladengeschäfte und die vielen Waffelbäcker, wobei man häufig die Waffel unter dem riesigen Berg Sahne mit Schokosoße nur noch im Ansatz erahnen kann. Mit der ersten Kalorienbombe gestärkt, kann man nicht weit vom Großen Markt in Gestalt eines kleinen, dauerpullernden Mänchens, dem Manneken Pis, seit 1619 die belgische Art von Humor bewundern. Angeblich soll er mit seinem kräftigem Strahl die Stadt schon mal vor einem Brand bewahrt haben……nun ja, wer ’s glauben mag.

Zum Abschluss noch ein Besuch im EU-Viertel und im Parlament, wo in einer sehr gut gemachter Führung reichlich Fragen zu allen Themen rund um die EU beantwortet wurden. Und ja, es gibt wirklich keine Anwesenheitspflicht für Parlamentarier.

Brügge

Selten hat sich Spontanität so gelohnt wie bei meinem drauffolgenden Kurzausflug nach Brügge. Eine Stadt voll mit gotischen Bauten, verteilt auf unzählige, kopfsteingepflasterte, kleine Gassen und durchzogen von netten Kanälen, die auf eine Bootstour einladen, durch die man einen völlig anderen Blick auf die vielen, hübschen Giebelchen werfen kann. Kein Wunder, dass der Tourismus hier brummt wie sonst nirgends in Belgien. Doch trotz der einfallenden Horden schafft es die Stadt, ihren beschaulichen, verschlafenen Charme zu bewahren. Besonders um die Mittagsstunde, wenn viele Geschäfte und Sehenswürdigkeiten eine Pause einlegen, merkt man, wie sich selbst die dauerhektischen Asiaten von der Gemütlichkeit anstecken lassen und in einem der zahlreichen kleinen Straßencafés gelassen eine Cola schlürfen.

Brügge sehen, .... und sterben

Brügge sehen, .... und sterben

Belgien ist definitiv das kalorienträchtigste Land, das ich jemals besucht habe. Auch in Brügge vergeht kein Tag, ohne dass man an einem Schokoladengeschäft vorbei gehen kann. In einer unglaublichen Vielfalt und mit jeder Menge Liebe werden aus Schokolade Pralinen in allen Formen, Farben und Geschmacksrichtungen angeboten, oder sie werden mit Erdbeeren und anderen Leckereien kombiniert.

Belgische Schokoköstlichkeiten

Belgische Schokoköstlichkeiten

So erinnert man sich am Ende des Tages, mit schmerzendem Magen, an den doch recht lustigen Film Brügge sehen … und sterben? und versteht plötzlich, warum es gar nicht mal so abwegig ist, selbst Killer hierher in den Urlaub zu schicken.

Antwerpen

Ein wenig weiter nördlich von Brüssel liegt die zweitgrößte Stadt Belgiens am Fluss Schelde, die man in nur 45 Minuten von Brüssel aus mit dem Zug erreichen kann (Bahnfahren ist unglaublich günstig). Hier ist deutlich die Nähe zu den Niederlanden spürbar, und so findet man überall Kipcorn zu seinen Pommes. Neben der ebenfalls gotischen Altstadt mit der wunderschönen Kathedrale (Onze lieve Vrouwekathedraal– wirklich eine lustige Sprache ) und dem schönen Rathausplatz im Zentrum, lädt besonders die kleine Promenade an der Schelde zum Bummeln ein. Eine nette Abwechlung ist es dabei, über rumpelnde Rolltreppen aus den 30iger Jahren in den kleine Art Deco Fußgängertunnel hinunterzufahren, der beide Flussufer miteinander verbindet. Da wird man einen Tag vor der Rückreise schonmal an den Alten Elbtunnel erinnert und freut sich auf das schöne Hamburg.

Antwerpen

Antwerpen

Kalorienbombe...lecker Waffeln

Kalorienbombe...lecker Waffeln

Einen kurzen Satz möchte ich noch zum AB-Hostel in Antwerpen verlieren. Es ist einfach nur wichtig und schön, dass es Leute wie Bridget und Greg gibt, die sich aus reinem Idealismus auf die Fahne geschrieben haben, jungen Leuten in ihrem Haus eine günstige Übernachtungsmöglichkeikt zu gewähren. Obwohl beide Arbeitstätig sind und 3 Kinder haben, ist hier jeder Gast willkommen und bekommt eine ausführlichen Rundgang durchs Hostel und reichlich Insidertipps fürs Sightseeing. Da kann man wirklich nur den Hut ziehen und sagen: „Vielen Dank, und weiter so!“

Nach all den leckeren Pralinen, den fettigen Waffeln und Pommes sowie den ganzen komischen Biersorten (u.a. mit Kirschgeschmack), werde ich jetzt wohl den Rest des Sommers noch mehr Zeit auf dem Rennrad und der Laufstrecke verbringen, um all das wieder abzustrampeln. Aber mal ehrlich, wer kann bei sowas schon nein sagen.

Abendstimmung in Brüssel

Abendstimmung in Brüssel

Dennoch müsst ihr keine Angst haben, dass ich euch in  Zukunft nur noch mit Bildern von Kühen und Schafen, die ich auf Radtouren in Hamburg-Vierlanden gemacht habe langweile, sind doch die nächsten Reisen nach Danzig und Argentinien bereits gebucht.

Da bis dahin aber noch ein wenig Zeit vergehen wird, verabschiede ich mich noch mit einem letzter Eindruck von Brüssels „Großem Markt“ bei Nacht, und wünsche allen, die ihn noch nicht hatten, einen schönen Sommerurlaub. Vielleicht unter dem Moto: „Belgien statt Malle“ – denkt mal darüber nach.

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