Terminator – Die Erlösung

Terminator Salvation

von Joseph McGinty Nichol, mit Christian Bale und Sam Worthington , ohne Arnold Schwarzenegger.

Terminator - Salvation

Terminator - Salvation

Wir erinnern uns: In der Zukunft beherrschen Roboter die Welt, die letzten Menschen leisten unter ihrem Anführer John Connor erbitterten Widerstand. Entnervt schicken die Maschinen daher im ersten Teil einen Terminator (Modell T-800 „Arnie“) in die Vergangenheit zurück, um die künftige Mutter von John zu töten. Das verhindert der von den Menschen zurückgeschickte Kyle Reese in letzter Minute, nicht ohne Sarah Connor (die Echte, nicht die Namens-Trittbrettfahrerin aus Delmenhorst) zuvor pikanterweise geschwängert zu haben und so der Vater seines Chefs zu werden. Im zweiten Teil wiederholt sich das Ganze, nur dass die Maschinen eine T-1000 zurückschicken, die Menschen einen gehackten T-800 und sie es auf den mittlerweile geborenen John Connor anlegten. Beide Filme sind Klassiker des SF-Genres und bevölkern die Top 250 der IMDb. Der dritte Teil spielt weder dort noch für die Handlung eine Rolle, und wird selbst von der Fortsetzung in der Serie Terminator – Sarah Connor Chronicles ignoriert, die ihrerseits mangels Zulauf eingestellt wurde.

Mit diesem Grundwissen ausgestattet erleben wir nun also, wie es weitergeht. John Connor hat noch niemanden in die Vergangenheit geschickt und ist auch noch nicht der (offizielle) Anführer der Menschen. Aber er ist schon dabei, einen Plan für die Zerstörung vom Zentralrechner der Maschinen, Skynet, auszubaldowern. Da bringt Marcus Wright, ein neuer in der Truppe, seine Planungen ein wenig durcheinander. Denn Marcus ist, wie sich herausstellt, ein neues Terminator-Modell, ein Mensch-Maschinen Hybrid mit echtem Herzen – und fest davon überzeugt, ein Mensch zu sein. Vor allem aber weiß er, das Johns zukünftiger Vater von den Maschinen gefangen und in eine Skynet-Zweigstelle in San Francisco verfrachtet wurde. Da gerade ein Großangriff auf eben diese Zweigstelle anläuft, steht auf einmal in einem völlig neuen Licht da – klare Kante: John muss den Angriff abblasen, und selbst in die Skynet-Filiale eindringen, um Kyle zu retten.

Gut, man könnte sich fragen, warum John so überrascht ist, einen Terminator mit menschlicher Verpackung zu sehen – schließlich hatte er schonmal einen als Leibwächter. Man könnte sich fragen, warum ihn dieser neue Terminator nicht einfach umbringt. Oder warum Skynet Kyle Reese, den es sowohl gefangen, als auch erkannt und sicher in seiner Zentrale hat, nicht einfach erschießt – ohne ihn kein John Connor. Oder warum der kurz auftauchende T-800 John nicht einfach mit seiner hydraulischen Kraft oder einer seiner Waffen umbringt, statt ihn wie blöd durch die Gegend zu schleudern.
Man kann sich aber auch überlegen, dass von einem Musikvideo- und Werbefilmer, der sich schamvoll nur McG nennt und bereits Charlies Angel in Grund und Boden regisseurte, keine schlüssige Handlung zu erwarten ist, sondern hauptsächlich spektakuläre, mit einer notdürftigen Handlung verkittete Bilder zu erwarten sind. Das Ergebnis ist so aufregend, wie im Kaufhaus jemandem beim Daddeln eines Actionspiels zuzusehen, nämlich gar nicht. Jegliches Potential der Figuren und der Handlung ignoriert er zugunsten von Effekten nach Kräften, so dass selbst hervorragende Darsteller wie Christian „Wutausbruch“ Bale, Sam Worthington und Anton Yelchin da nicht mehr viel ausrichten können. Bezeichnend, dass der einzige, dem man eine Spur Mitgefühl entgegenbringt, Marcus Wright ist – stünden Wahlen an, man würde sich wohl lieber für die sympathischeren Maschinen entscheiden.
Doch selbst die, zugegeben oft beeindruckenden, Actionsquenzen kommen einem irgendwie vertraut vor: Das Endzeitszenario sieht aus wie im Mad Max, die Roboter wie in Transformers und die Computerzentrale wie in Matrix. Zusammen mit den zahlreichen Fehlern in der Kontinuität sowohl des Films (2 Motorräder nehmen die Verfolgung auf, 3 werden zerstört ?!) wie auch der Terminator-Reihe (s.o.) bleibt eigentlich nur die Frage, was die Filmstudios geritten hat, eine so grandiose Reihe einem solchen Regisseur anzuvertrauen. Die Antwort ist wohl, dass sich mangels zündender Ideen für die Story kein besserer gefunden hat, so dass Gier über Vernunft siegte und der Auftrag in die Hinterbänke ging. Hast la Vista, Terminator. (3/10)

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