The Notwist – The Devil, You + Me

The Notwist veröffentlichen ihr lang erwartetes, sechstes Studioalbum und zelebrieren darauf die Weltentrückung. Waren die beiden Vorgängeralben Shrink und Neon Golden mit gutem Willen noch als Independent-Alben zu bezeichnen, so entzieht sich The Devil, You + Me jeglicher Kategorisierung und scheint immer leicht verhallt oder verzerrt wie das transformierte Signal der Musik aus einer anderen Welt zu uns herüber zu klingen. Das ist ganz wunderbar, auch wenn ein Hit wie „Pilot“ vom letzten Album damit leider ausgeschlossen ist.

Bereits im grandios weltfremden ersten Lied „Good lies“ schlägt Markus Acher mit seinem zurückhaltend näselndem Gesang und dem unverkennbar Deutschen Akzent vor: „Let’s just imitate the real – until we find a better one“. Noch konkreter wird „Where in this world“, wo genüsslich die verschiedenen Fluchtmöglichkeiten aus dem Alltag aufgezählt werden (Flugzeuge, Schnellzüge, Internet, Musik), um danach festzustellen, „there is no escape from this circling place“, während im Hintergrund Martin Gretschmann’s unaufdringlich pluckernde Beats von wie Brandung auftosenden Orchestrierungen überschwemmt werden. Ein Song, der sich in den Kopf einschleicht, während man sich noch fragt, auf welchem Planet er wohl entstanden sein mag.

Absolute Höhepunkte des Albums sind auch das zarte „Gloomy Planets“ sowie der Titelsong des Albums, die fast schon als akustisch zu bezeichnen sind, wobei sich Gesang und Instrumente einen Wettkampf zu liefern scheinen, wer mehr Zurückhaltung üben kann. „Like all the cars in New York – like all the lights on New Year – like all these gloomy planets – you know they’ll stay, anyway“, heißt es da selbstvergessen, oder auch, „You know we’re not the smartest – in this place we don’t have to be – lights around, but anyhow, this is what they see – it’s the devil, it’s you, and me“.

„On planet off“ spielt dann doch mit irdischen (und zwar indischen) Klängen und enthält die recht verstörende Zeile „I would never beat you up for being that off today“ und mit „Boneless“ ist tatsächlich noch ein zumindest angedeuteter Popsong enthalten. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie viel Überwindung es die Nicht-Twister gekostet haben mag, diesen unglaublich eingängigen Track auf dem Album zu lassen. Überhaupt darf man gespannt sein, wie The Notwist die Stimmung des Albums in ein bierselig gestimmtes Konzertpublikum transportieren wollen, sicher keine leichte Aufgabe. Wer jedoch diese Welt mal für eine Dreiviertelstunde verlassen möchte, hat mit The Devil, You + Me klar einen der geeignetesten (legalen) Wege gefunden. Oder um aus dem abschließenden „Gone gone gone“ zu zitieren, „when it comes, say goodbye to all us others, ‚cos we will never let you go this far alone“.
(9 Punkte)

Diskografie von The Notwist:
1990 – Notwist
1992 – Nook
1995 – 12
1998 – Shrink
2002 – Neon Golden
2008 – The Devil, You + Me

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