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von Robert Luketic, mit Jim Sturgess, Kevin Spacey und Kate Bosworth

21 - Plakat„Nerd“ ist ein Terminus aus dem englischen Sprachraum. Mit ihm verbindet man dort einen jungen Menschen, der immer einen Stift in der Brusttasche des karierten Hemdes trägt, in der Schule in den Naturwissenschaften brilliert, in der Freizeit programmiert und bei Frauen keine Chance hat. Ben Campbell ist so jemand, aber als Student am MIT ist er in bester Gesellschaft. Sein dringendstes Problem ist gerade Geld, und zwar für das ersehnte Medizinstudium. Leider sind seine Chancen auf ein Stipendium mäßig, und sein Job beim Herrenausstatter ist auch nicht sehr lukrativ. Die Lösung könnte sein Professor Micky Rosa sein. Neben seinem Posten als Dozent leitet er in seiner Freizeit nämlich eine Art Arbeitsgruppe, die sich mit Black-Jack beschäftigt. Genauer gesagt, sie haben ein System entwickelt, beim Black-Jack richtig viel Geld abzuräumen. Und zwar legal. Einzige Vorraussetzung ist ein kühler, mathematischer Verstand, und genau den bringt Ben mit. Und so beginnt er, mit seinen neuen Freunden systematisch die Casinos von Las Vegas auszunehmen, und kommt ganz nebenbei auch seiner hübschen Kollegin Jill näher. Doch die Casinos verlieren ungerne Geld, so dass es für die Truppe schnell ungemütlich wird…

Es gibt Geschichten, die nur das Leben schreiben kann. Eine solche Geschichte ist die einer Gruppe von MIT-Studenten, die in den 90er Jahren Las Vegas unsicher machten und dabei Millionen gewannen. Das Buch Bringing Down the House von Ben Mezrich handelt davon, und basiert auf den Erlebnissen von Jeff Ma; die Faszination zieht der Roman daher auch daraus, dass die Geschichte (bei einigen kleineren erzählerischen Freiheitn) wirklich so passiert ist.
Dass ein Buch nie 1 zu 1 auf die Leinwand gebracht werden kann, ist verständlich. Allerdings geht in diesem Fall auch ein Großteil der Faszination flöten, denn die Geschehnisse auf der Leinwand haben mit den Begebenheiten des Buches nur noch wenig zu tun.
Bemerkenswert ist zunächst, dass in Wirklichkeit das Team nur aus asiatischen und afro-amerikanischen Leuten bestand, da diese beim Spielen mit hohen Einsätzen weniger auffallen – eine geschickte Ausnutzung des latenten Rassismus der Casino-Angestellten. Für den Film wurde das grundlegend geändert, hier spielt lediglich ein Asiate eine Randrolle, der Rest ist weiß – eine geschickte Ausnutzung des latenten Rassismus der Kinozuschauer…
Hinzugedichtet wurde die Problematik des Stipendiums, die Liebesgeschichte mit Jill, die Begenungen mit Cole Williams, das Verzocken der 200.000$ und die Art der „Wiederbeschaffung“ durch Micky Rosa – kurz: 70% des Filmes sind frei erfunden, und das noch nicht mal sonderlich gut. Gerade der zweite Plot-Twist gegen Ende ist doch etwas zuviel des Guten, hier wäre weniger mehr gewesen. Von der Handlung abgesehen ist die übrige Umsetzung sehr gut gelungen, besonders die Optik rund um Las-Vegas und die Spieltische ist grandios und macht Lust mehr. Meine Empfehlung daher: Wer einen marktüblichen, mittelmäßigen Thriller sehen will, möge ins Kino gehen. Wer an der wahren Geschichte der MIT-Kids interessiert ist, lese das Buch. (7)

Nachtrag

Wer etwas mehr über die Methode des MIT-Teams erfahren möchte, der lese bitte hier weiter…

Das besondere am Black-Jack ist, dass es ein Spiel mit Gedächtnis ist. Jede gespielte Karte ist aus dem Spiel und kann nicht wieder gezogen werden. Somit kann man aus den gespielten Karten Rückschlüsse auf die verbleibenden Karten ziehen, und damit auch auf die eigenen Chancen.

Der Mathematiker Edward O. Thorpe untersuchte setzte Ende der 50er Jahre sehr vie Statistik auf Black Jack an, und veröffentlichte 1962 sein Buch „Beat the Dealer“. Er fand heraus, dass die Chancen für den Spieler dann sehr gut sind, wenn besonders viele hohe Karten im Spiel sind, da dann der Geber leicht überzählt und der Spieler mit wenigen Karten gewinnen kann. Um nun konkret die Anzahl der hohen Karten abzuschätzen, entwickelte er die Methode des Kartenzählens. Hohe Karten (8 aufwärts) zählen als -1, niedrige Karten (5 abwärts) als +1. Der Kartenzähler zählt nach diesem Prinzip permanent die gegeben Karten, und passt sein Spiel dementsprechend an. Soll heißen, bei deutlich positivem Zählerstand bringt er hoheh Einsätze, bei deutlich negativem Stand niedrige Einsätze. Macht er dies konsequent, ist er geneüber der Bank mit knapp 1% im Vorteil.
Nachteil dieser Methode ist, dass der Spieler schnell auffällt, da seine Einsätze sehr variieren. Auch wenn er nicht verbotenes macht (per Gesetz ist er keine Betrüger, denn er manipuliert das Spiel nicht und benutzt keine Hilfsmittel), so erteilen die Casinos ihm auf Dauer Hausverbot.

Das Team um Micky Rosa setzte daher auf Teamwork: Zum einen waren dort die Späher. Sie spielten dauerhaft mit niedrigen Einsätzen, zählten die Karten und signalisierten hohe Zählerstände dem übrigen Team, z.B. über vereinbarte Zeichen. Dann kamen die Gorillas und die Big-Player zum Zuge. Die Gorillas kamen an die heißen Tische, und spielten stur mit hohe Einsätzen, bis das Kartenspiel wieder abkühlte. Am meisten Grips erforderte die Rolle des Big-Player. Auch er kam an Tische mit hohen Zählerständen, aber er spielte raffinierter. Aufgrund umfangreicher, aus Auswertung gelaufener Spiele gewonnener Tabellen, passte er seine Einsätze und seine Strategie permanent an, und machte so am meisten Geld. Jeff Ma war ein solcher Big Player.

Wer nun Lust bekommen hat, selbst einmal mit ein paar Freunden eine Spielbank hopszunehmen, der muss enttäuscht werden. In europäischen Casinos wie in den meisten Casinos weltweit sind heutzutage meist spezielle Kartenschlitten im Einsatz, die gespielte Karten gleich wieder ins Spiel mischen und Kartenzählen somit obsolet machen. Schade…

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