There will be Blood

There Will be Blood

von Paul Thomas Anderson, mit Daniel Day Lewis und Paul Dano

There will be Blood - DVD bestellen bei amazon.deÖl ist Daniel Plainviews Lebenssaft, dem Öl ordnet er alles unter. 1898 findet er noch im selbstgegrabenen Stollen seine erste Quelle, 4 Jahre später ist er schon groß im Geschäft. Mit seinem kleinen Adoptivsohn HW als Sympathiebringer an der Hand kauft er Farmern ihr Land billig ab, um es nicht viel später mit Bohrtürmen gespickt auszubeuten. Eines Tages gibt ihm der junge Farmersohn Paul den Tipp auf ein reiches Ölvorkommen unter der elterlichen Ranch. Nach kurzer Stippvisite kauft Plainview das Land, nicht ohne vorab Pauls Bruder Eli eine saftige Spende für dessen Kirche zu versprechen. Beide arrangieren sich fortan so gut es geht, ist Plainview doch auf die Gemeinde und Eli auf das Geld angewiesen. Als aber einige Unfälle das Ölfeld überschatten, Arbeiter ihr Leben und HW sein Gehör verlieren, eskaliert der Konflikt zwischen beiden – nur das Eli Plainview bei weitem nicht das Wasser reichen kann…

8,9 Punkte bei IMdB, Platz 16 der Top 250 und Kritiker, die sich vor Lob gar nicht mehr einkriegen – sowas hatte man lang nicht mehr. Aber pünktlich zur OSCAR-Verleihung fährt der Baum Hollywoods die saftige-aromatische Ernte ein, die man bei den sauren Schrumpelfrüchtchen im Jahr zuvor so vermisst hat.
Allerdings ist There Will be Blood kein Film für Anfänger. Die ersten 12 Minuten kommen völlig ohne Dialoge aus, in den weiteren 150 Minuten ist Sitzfleisch gefragt. Regisseur Anderson wandelt auf den Pfaden Kubricks und Leones, die Bilder sind grandios, die Musik dissonant, die Charaktere düster. Er biedert sich in keinster Weise an, nicht über Spieldauer, Handlung, Charaktere, Musik oder Happy End, nein, er erzählt seine Geschichte auf seine eigene Weise. Das ist selten geworden, nur ganz große Regisseure können sich das heutzutage noch erlauben (bzw. bekommen es erlaubt.). Die Geschichte erschließt sich nicht auf den ersten Blick, sie will verdaut und aufgeschlossen werden. Es geht um Kapitalismus, Religion, Fanatismus und Macht, und deren Einfluss auf die Menschen. Die Hauptfiguren spiegeln dies wieder, beide sind fanatisch, einer für Öl, der andere für Religion, zwei Seiten einer Medaille und doch unvereinbar, Verlieren werden beide. Daniel Day-Lewis verkörpert den skrupellosen Ölmagnaten mit einer Selbstverständlichkeit, die ihm eine Nominierung für die beste Hauptrolle eingebracht hat, und zwar verdient. Paul Dano (Little Miss Sunshine) steht dem in Nichts nach, und gibt einen ebenbürtigen Gegenpart zu Day Lewis – hier ist in Zukunft noch großes zu erwarten!
Darüberhinaus ist der Film aber auch ein beeindruckendes Porträt einer Epoche, wohl recherchiert lassen uns die detailgetreue Ausstattung in die faszinierende, dreckige Welt der Ölpioniere eintauchen, den Staub fühlen und den Dreck schmecken. Alles zusammen ergibt einen unglaublich durchdachten, innovativen, schwer zu durchdringenden, aber ungemein faszinierenden Film, der nie etwas fürs breite Publikum sein wird, aber das Zeug zu einem echten Klassiker hat. Warten wir’s ab… (9)

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