Hot Chip – Made in the dark

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Das neue Jahr hat begonnen, die Jahresabschlusslisten sind durchforstet und die wenigen übersehenen Perlen des letzten Jahres (Mumm-Ra, Okkervil River und Animal Collective) registriert, und schon wird uns der erste handheste musikalische Hype des Jahres 2008 auf die Ohren geklatscht: Die britischen Elektro-Tüftler Hot Chip, im Wesentlichen bestehend aus den beiden Anti-Coolness-Spacken Joe Goddard und Alexis Taylor, deren einnehmendes Album The warning vor zwei Jahren von der Mehrheit des Publikums noch weitgehend unbeachtet blieb, werden im Augenblick vom Dunstkreis der Musikindustrie in die Luft getreten, wie vor Ihnen zuletzt nur die Arctic Monkeys. Made in the dark ist nicht nur Album des Monats im musikexpress, nein, Musikredakteur Frank Sawatzki vergleicht die Platte in der ZEIT sogar ohne mit der Feder zu zucken mit Pink Floyd’s Überalbum The dark side of the moon und Sgt. Pepper’s von den Beatles. Klar doch! Lieber Frank, Du hast noch das Debüt der Doors und Blonde on Blonde von Bob Dylan vergessen. Nein, im Ernst, diese Vergleiche sind vollkommen unsinnig, und die Tatsache, dass jede zweite Rezension auch noch auf das ganz tolle haptische Cover hinweist, hilft der Musik auf Made in the dark auch nicht weiter.
Mit dem zerhackten Intro von „Out at the pictures“ beginnt das Album zunächst vielversprechend, dennoch fällt schon beim ersten Track auf, dass hier auf die ganz großen Harmonien des Vorgängers zugunsten von fetten Beats und Staccato-Vocals verzichtet werden soll. „Shake a fist“ bestätigt die schlimmsten Befürchtungen, man fühlt sich schmerzlich zurück versetzt in Zeiten als Break Dance als cool galt und dicke Afroamerikaner mit schweren Ketten bei MTV ihre Schallplatten in die falsche Richtung drehten.
„Ready for the floor“ ist als erste Single in Ordnung und doch wird man den faden Beigeschmack nicht los, dass dieses Lied auch 20 Jahre alt und von Sandra gesungen sein könnte. Die Ohrwurmqualitäten eines „Boy from school“ erreicht es zu keiner Zeit. Nach vier Songs ist dann erst mal Schluss mit dem Gestampfe und Alexis Taylor erfüllt auf quälende Weise seine Ankündigung, das er am liebsten Lieder wie „Against all odds“ von Phil Collins schreiben würde. In „We’re lookin for a lot of love“ und dem Titelstück wird geschmalzt was das Zeug hält und man wird das Gefühl nicht los, dass die Jungs das wirklich ernst meinen.
Die beiden Mid-Tempo-Nummer „Touch too much“ und „One pure thought“ versöhnen einen kurzzeitig, bevor zum Ende des Albums das völlig sinnlose „Don’t dance“ sowie die beiden Schmachtfetzen „Whistle for will“ (mit einem Synthesizer-Sound, der die Nackenhaare in die Höhe schnellen lässt) und „In the privacy of our love“ dem Album seinen endgültigen Gnadenstoß verpassen.
Während Hot Chip auf The Warning die Gratwanderung zwischen tanzbaren Diskobrennern und chilligen Popnummern in fast jeden Lied perfekt beherrschten, sind sie auf Made in the dark mehrfach auf beiden Seiten des Grats in den Abgrund gestürzt. Da mag die eine oder andere nette musikalische Spielerei dabei sein, der ständige Wechsel zwischen stumpfen Diskostampfern und vollkommen ironiefreien Schnulzen jedoch macht dieses Album fast unhörbar.
(4 Punkte)

Diskografie von Hot Chip:
2004 – Coming on strong
2006 – The warning
(2007 – DJ Kicks)
2008 – Made in the dark

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