Free Rainer – Dein Fernseher lügt

Free Rainer

von Hans Weingartner, mit Moritz Bleibtreu u.a.

Free Rainer - Soundtrack bei amazon.deNach einem schweren Auto-„Unfall“ stürzt der abgebrühte TV-Produzent Rainer in eine schwere Sinnkrise. Er hat die vom kokainzerfressene Schnauze voll von Reality-Shows, live-Brustvergrößerungen und Telenovelas. Nach einem kurzen, erfolglosen Versuch einer Qualitäts-Sendung steigt er schließlich aus dem Geschäft aus, um der Wurzel allen Übels auf den Grund zu gehen: Den Einschaltquoten. Mit der Hilfe einer Ex-Feindin und einem Ex-Wachmann der GfK stellt er sich ein bizarres Team aus Arbeitslosen zusammen, die Peu-a-Peu die Quotenboxen der Quotenfamilien austauschen sollen, um endlich dem die Zuschauer vom Prekariats-TV zu den Fassbinder Themenabenden abzuziehen. Doch das bleibt natürlich nicht unbemerkt, insbesondere bei seinem Ex-Arbeitgeber…

Wie schrieb einst mein Englisch-Lehrer unter eine meiner Arbeiten: „Eine Menge guter Ideen, aber auch eine schreckliche Anzahl von Fehlern.“ Das lässt sich eins-zu-eins auf diesen Film übertragen. Die Hintergründe zu Einschaltquoten und deren Gewinnung sind erschütternd, die Theorien zur gewollten Volksverdummung per Daily-Soap erschreckend glaubwürdig und die Idee der Manipulation zur Revolutionierung des Fernsehverhaltens fantastisch. Was allerdings das Handwerk des Films angeht, so ist es unter aller Kanone. Moritz Bleibtreu bleibt mittelmäßig, dem Rest der Schauspieler merkt man an, dass sie Anleitung zur Rollenfindung gebraucht, aber nicht bekommen haben. Besonders die Filmpartnerin von Rainer (Name vergessen) ist völlig unglaubwürdig. Mal will sie ihn umbringen, dann arbeitet sie mit ihm zusammen, erst verstehen sie sich bestens, dann wiederum lässt sie ihn im Stich, und meist läuft sie nur wie Lara Croft dekorativ im Bild rum. Der Film selber hat etliche Längen, anscheinend konnte sich der Regisseur nicht von Material trennen, das auf der Leinwand weder glaubwürdig wirkt noch die Handlung sonderlich voranbringt. Ohne die Amokfahrt in Berlin, das Kapitel um die Kaution, die Anrufaktion bei Quotenhaushalten, den Einbruch bei der GfK etc. wäre der Film wesentlich straffer und kürzer. Aber selbst damit bleiben einige echte Glaubwürdigkeitslücken, wie etwa der Einbruch bei der GfK, der plötzliche Sinneswandel des Wachmannes, der Polizeieinsatz und letztlich das plötzliche Umdenken der Zuschauer.
Somit bleibt eine wirklich gute Idee und eine wirklich wichtige Botschaft, die durch die grottige Regiearbeit völlig zunichtegemacht wird.
Für meine Arbeit gab es damals eine 3-; somit bleiben für den Film leider nur 6 Punkte.

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