Full Metal Village

Full Metal Village
von Sung Hyung Cho

Der Dokumentarfilm der Südkoreanerin Sung Hyung Cho führt uns in ein kleines, verschlafenes Nest mitten in Schleswig Holstein. Hier leben u.a. der norddeutsch-ruhige Milchbauer Klaus H. Plähn, der nach dem Melken der Kühe am liebsten in Ruhe sein Zigarette raucht und uns über den feinen Unterschied zwischen Kalb und Kuh aufklärt, der deutlich aktivere „Multibauer“ Uwe Trede, der neben seinem Bauernhof eine Biogasanlage, Aktiengeschäfte und eine Freundin betreibt, die Rentnerin Irma Schaack, die beim Kaffeekränzchen über ihre Flucht aus Ostpreußen erzählt, und ihre Enkelin Ann-Kathrin, die für ihre Modelkarriere ein intensives Fitnessprogramm absolviert und Kalorientabellen auswendig lernt. All dies würde einen sicher nicht ins Kino locken, wenn dieser Ort nicht Wacken wäre, in den regelmäßig im Sommer zigtausende schwarzbekleidete, langhaarige Headbanger einfielen. Da ist Ärger vorprogrammiert – oder ?

Genüsslich zeigt und Sung Hyung Cho, mit welcher Gelassenheit die nur vermeintlich spießigen Dorfbewohner auf die nur vermeintlich gefährlichen Death-Metal Freaks treffen – etwa wenn letztere zur Musik der Feuerwehrblaskapelle begeistert ihre Mähnen schütteln. Hier zeigt sie ein wahres Auge für Details und Absurdes, für schlammcatchende Headbanger genauso wie für Ortsschildverkäufer im Ort und gruselige Ordner.
Das wirklich Beachtliche aber ist, dass es ausgerechnet einer Koreanerin gelingt, die raue Schale der plattdeutschen Bevölkerung zu knacken. Sie zeigt uns die Menschen hinter der Fassade, mit ihren Sorgen, Nöten und Ansichten, und wenn der wortkarge Milchbauer vor der Kamera sein Verständnis von Liebe preis gibt, wenn die Oma von den grauenhaften Erlebnissen am frischen Haff erzählt, oder wenn der arbeitslose Biker Norbert rechfertigt, warum er aus der Organisation des Festivals gerade dann ausstieg, als es erfolgreich wurde, in diesen Momenten wird es still im Kino.

Ein wirklich grandioser Heimatfilm, der endlich mal zeigt, dass es Landbevölkerung nicht nur in Bayern gibt, eine Liebeserklärung an Schleswig Holstein und seine Bewohner, ein Film, der immer eine zweiten Blick wagt. Gediegen. (10)

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