Archiv der Kategorie: Reise

Unser Globetrotter Sven erklärt uns die Welt aus Sicht des Rucksacktouristen

Salutu, Corsica!

IMG_6075
Nähert man sich der Insel Korsika aus südlicher Richtung, so wird man von einem mächtigen Kalkfelsplateau begrüßt, auf dem in 60 Metern Höhe die Festung von Bonifacio thront. Der Anblick des aus dem blauen Meer aufragenden weißen Felsens ist spektakulär und zu gerne hätte ich an dieser Stelle ein Foto davon präsentiert. Doch bei Windstärke 7 und den meterhohen Wellen, die unsere Fähre wie ein Ruderboot hin und her rollten, hatten Mirjam und ich mit elementareren Problemen zu kämpfen und Fotografieren war so ziemlich das Letzte, wonach uns zumute war. Der einzige, der sich überraschend seefest zeigte, war Joram, der die gesamte Überfahrt seelenruhig in seinem Maxi-Cosi lag und schlief (während wir ihn festgehalten haben, damit er nicht durch die Fähre saust…).

Sobald man wieder festen Boden unter den Füßen sowie Übelkeit und Kreislaufprobleme im Griff hat, kann man sich der schroffen Schönheit der Insel widmen. Neben dem einmaligen Bonifacio finden sich im Süden viele Zeugnisse der frühgeschichtlichen Besiedelung Korsikas. In Filitosa wurde eine Steinzeitsiedlung freigelegt – mit Menhirstatuen, die seit Jahrtausenden versonnen in die Landschaft blicken. Und um zu der Bronzezeit-Festung von Cucuruzzu zu gelangen, wandert man durch einen alten Wald in der Hochebene, in dem jeder Baum und jeder Stein von einer dünnen Moosschicht überzogen sind, so dass man sich fühlt wie in einem Märchen der Gebrüder Grimm.

Korsika wirkt insgesamt extremer und schroffer als Sardinien – eine Beschreibung, die – zumindest bisher – auch auf das Wetter und die Korsen zutrifft. Ein Vorteil daran ist, dass Joram Ausflüge machen kann, ohne ständig in die Backen gekniffen zu werden. Das hat sich übrigens schlagartig geändert, als wir bei Filitosa einer italienischen Reisegruppe in die Arme liefen… 🙂
IMG_6011
Liebe Grüße und bis zur nächsten Station
Tobias

Ciao, Ichnusa!

IMG_5929
Nach fast vier Wochen auf Sardinien ist die Zeit gekommen, die „Ichnusa“ (= Schuhsohle) – so der Spitzname Sardiniens – wieder zu verlassen. Von Nudeln und Pizza haben wir für’s Erste genug und jeden Tag Tiramisu ist auf Dauer auch keine Lösung. Die letzten Tage auf Sardinien haben wir mit ein paar entspannten Tagen am Strand und einer Wanderung durch das legendäre Hippie-Tal „Valle di Luna“ mit seinen bizzarren Felsformationen ausklingen lassen. Morgen geht es dann auf die Fähre von Santa Teresa nach Bonifacio (Korsika).

Nach mehreren Wochen guter Laune steckt Joram seit einigen Tagen offenbar in einer anstrengenden Entwicklungsphase. (Die Zähne können es eigentlich nicht sein, die beiden unteren Schneidezähne sind nämlich schon durch.) Er schläft wieder schlechter und nörgelt fast den ganzen Tag herum. Mal sehen, ob die Schönheit Korsikas seine Laune wieder aufbessern kann.
IMG_5971
Liebe Grüße und bis zur nächsten Station
Tobias

„Salve“ aus Sardinien (der Nordwesten)

IMG_5761
Im 15. Jahrhundert entdeckten Seefahrer am Capo Caccia – dem fast westlichsten Zipfel Sardiniens – eine Höhle. Beeindruckt von der Größe und den gespenstisch anmutenden Stalagtiten und -miten wähnten sie sich in Neptuns Reich und tauften die Höhle „Grotte di Nettuno“.

Schon der schwindelerregende Abstieg durch die Kalkfelsen hinunter zu der Höhle ist den Ausflug wert. Die Höhle mit ihren über Jahrmillionen gewachsenenen Tropfsteinstrukturen ist märchenhaft, der unvermeidbare Anstieg zurück auf das Plateau des Kalkfelsens schweißtreibend (besonders mit Joram im Tragesack).

Neben diesem Highlight präsentiert sich der Nordwesten Sardiniens mit hübschen Orten wie Alghero und besonders Bosa, in der blühenden Macchia verstreuten, pisanischen Kirchen und kilometerlangen, wie mit dem Zirkel gezogenen und von Pinienwäldern gesäumten Sandstränden. Ja, man kann es hier aushalten.

Joram ist vor Kurzem acht Monate alt geworden und hat zur Feier des Tages meinen Fotoapparat auf den Boden geworfen. Das hat das Objektiv nicht überstanden, weshalb wir beim einzigen Elektronikmarkt Sardiniens ein neues (besseres und teureres) Objektiv besorgen mussten. Im Nachhinein kann ich ihm dafür fast dankbar sein…
IMG_5775
Liebe Grüße und bis zur nächsten Station
Tobias

Grüße aus Sardinien (Gallura)

IMG_5608
Geschafft! Wir sind tatsächlich auf Sardinien! Während die Insel ihren Charme eher langsam preisgibt, ist das Maddalena-Archipel im Norden auf den ersten Blick beeindruckend. Eine schöne Bucht reiht sich an die nächste und das Meer sieht aus, als hätte jemand am Meeresgrund türkisfarbenes Licht eingeschaltet. Dazwischen immer wieder verwitterte Granitfelsen, aus denen Wind und Wasser im Laufe der Jahrtausende Tiere und Fabelwesen geformt haben.

Im Hinterland liegen idyllische Bergorte, die so ausgestorben erscheinen, dass wir von Passanten auf der Straße sogar mit „Bienvenuti“ begrüßt wurden. Ein Tipp für unseren Sportler und Globetrotter Sven: In dem hübschen Bergdörfchen Luogosanto mit fantastischem Blick auf die Umgebung befindet sich der GalluraBikePoint – Unterkunft und Ausgangspunkt für Leute, die den Norden der Insel auf zwei Rädern erobern wollen.

Die Sarden sind total verrückt nach Kindern und bei Jorams Anblick mit seinen blauen Augen und den Berlusconi-Bäckchen rasten sie komplett aus. Bei jedem Ausflug treffen wir mindestens einen alten Mann oder eine junge Frau, die „Amore mio! Che bellino!“ schreien und ihm in die Wangen kneifen. Joram erträgt es jedesmal mit stoischer Würde…
IMG_5624
Liebe Grüße und bis zur nächsten Station
Tobias

Grüße vom Gardasee

IMG_5440
Lange Autofahrten sind einfach nicht Jorams Sache. Nach einer saukalten Nacht im Bus in den Dolomiten haben wir es jetzt bis zum Gardasee geschafft und sitzen vor unserem Bungalow in der Sonne. Denkt man sich die Deutschen Rentner weg, dann ist der Gardasee gar nicht so übel. Und die Italiener mögen zwar demokratieunfähig sein, aber das Essen ist unschlagbar.

Der Bungalow ist absolut Achtziger, aber Joram findet ihn spitzenmäßig. Das Wetter tut sein übriges. Vermutlich dachte er, dass immer Winter ist. Er hat ja noch keinen Frühling erlebt. IMG_5442
Liebe Grüße und bis zur nächsten Station
Tobias