Lincoln

Lincoln

von Steven Spielberg, mit Daniel Day-Lewis, Tommy Lee Jones, Joseph-Gordon Levitt und Sally Field

Lincoln - DVD bestellen bei amazon.deUSA, 1865. Der Bürgerkrieg tobt, Abraham Lincoln ist zum zweiten Mal zum Präsidenten der (gerade nicht so richtig) Vereinigten Staaten gewählt worden. Sein Ziel für die zweite Amtszeit: Abschaffung der Sklaverei. Ein ambitioniertes Ziel. Obwohl es schon den Senat passiert hat und als 13. Verfassungszusatz fertig ausformuliert ist, sieht für die finale Abstimmung im Repräsentantenhaus nicht gut aus. Die Zweidrittelmehrheit liegt in weiter Ferne, so dass es nun darum geht, mit Bestechung, Drohung und edlen Appellen die fehlenden Stimmen zusammenzukratzen. Und die Zeit drängt, denn eine Abordnung der Südstaaten ist mit einem Friedensangebot im Anmarsch. Das ist im Prinzip gut, aber da eine Beilegung des Krieges das Ende der Verfassungsänderung bedeuten würde, muss Lincoln die Delegation bis nach der Abstimmung hinhalten – ein Balanceakt, der gelegentlich auch mal eine großzügige Interpretation der Umstände erfordert.


Wer sich auf Phoenix gerne alte Bundestagsdebatten anschaut oder Bürgerkriegshistorisch interessiert ist, wird an diesem Film seine Freude haben. 2,5 Stunden lang können wir Lincoln und seinen Mannen beim debattieren zuhören. Ob im weißen Haus, im Repräsentantenhaus, in dunklen Hinterzimmern, im Freien, auf der Straße, im Matsch, im Grünen, überall eben. Dabei müssen wir den Überblick behalten über Senat, Repräsentanten, Kabinett, Republikaner, Demokraten, abtrünnige Demokraten, abtrünnige Republikaner, Südstaatler, Nordstaatler und Familie. Wir erleben Lincoln als brillanten Redner, als anstrengenden Anekdotenerzähler und als liebevollen Familienvater. Das ist eine nette Zeitreise, historisch überaus akkurat und fantastisch gespielt, aber seeeeeehr anstrengend.

Die wilden Jahre, in denen Spielberg unterhaltsame Filme für sein Publikum gemacht hat, sind vorbei. An Lincoln, seinem Herzenswunschfilm auf Basis des Buches Team of Rivals: The Political Genius of Abraham Lincoln, hat er 12 Jahre gearbeitet, und überaus akribisch die alten Begebenheiten rekonstruiert. Mit Daniel Day-Lewis in der Hauptrolle hat er ein gute Händchen bewiesen und sich gleich eine Oscar-Nominierung eingefangen. Mit insgesamt 12 Nominierungen ist er sogar Spitzenreiter der diesjährigen Nominierungstabelle. Doch auch wenn die Academy anscheinend voll auf den Stoff abfährt und Spielberg sich einen Traum erfüllt hat und Daniel Day-Lewis wie der leibhaftige, dem Lincoln Memorial entstiegene Lincoln aussieht, Kostüme, Set-Design und Kameraarbeit traumhaft sind, es bleibt ein recht trockenes Historiendrama für Hartgesottene, sofern man kein US-Amerikaner ist. Mit mehr Anspruch als Abraham Lincoln: Vampirjäger, aber deutlich weniger unterhaltsam. Fans vom History Channel sollten zugreifen, der Rest findet mit Sicherheit bessere Filme für einen netten Kinoabend.(6/10)

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