The Artist

The Artist
von Michel Hazanavicius, mit Jean Dujardin und Bérénice Bejo

The Artist - DVD vorbestellen bei amazon.deDas Oscar-Fieber steigt. Nur noch drei Wochen, dann sind die Preise vergeben – Zeit, noch schnell die Favoriten anzuschauen, die dieses Jahr sogar mal alle rechtzeitig anlaufen.’The Artist‘ ist dabei einer der heißesten Anwärter, hat er doch nicht nur 10 Nominierungen erhalten, sondern auch bei den Golden Globes kräftig abgeräumt.

Hollywood, 1928. Die goldenen Zeiten des Films. Riesige Kinosäle, große Orchester, Zuschauer in Abendgarderobe – kein Vergleich zu Fast & Furios im Saal 6 des örtlichen Multiplexes. Und auf der Leinwand: George Valentin, DER Filmstar schlechthin, der die Massen in die Säle und die röte auf die Wangen seiner weiblichen Verehrerinnen treibt. Zu Recht, denn er ist ein wirklich brillanter Schauspieler, Tänzer, Entertainer und sein Lächeln sucht seinesgleichen. Nur eins hat er auf der Leinwand noch nicht: gesprochen. Denn er ist ein Stummfilmstar.

Und wie so oft, wenn alles nicht besser sein könnte, passiert es: Die junge, hübsche Peppy Miller buchstäblich in die Arme. Erst auf der Straße, kurz danach bereits als Komparsin in seinem Film. Was ihn ganz schön aus dem Tritt bringt. Doch das ist nicht sein einziges Problem: Der Tonfilm ist da, und der ist nun wirklich unter seiner Würde. Und während Peppy keinerlei Probleme mit der neuen Technik hat und rasant zum neuen Publikumsliebling aufsteigt, geht es mit George unaufhaltsam bergab…

Dieser Film ist etwas besonderes: ein Schwarzweiß-Stummfilm! Das ist beim Anschauen des Trailers nicht unbedingt jedem klar, und hat auch schon so manchen Zuschauer im Kino überrascht hat. In der Zeit von 3D, 4K und 23.1 ein solches Experiment zu wagen, ist ziemlich mutig. Gewagt hat es Regisseur und Drehbuchautor Michel Hazanavicius. Er begeisterte eine ganze Reihe talentierter Mitstreiter für die Idee, zu dem Wurzeln des Films zurückzukehren und zu beweisen, dass man auch heutzutage noch ohne Spezialeffekte, Breitbild, Farbe und vor allem ohne gesprochene Wort einen packende Geschichte erzählen kann.

Ein Blick auf das Kinoprogramm zeigt zwar, das die breite Masse darauf keine Lust hat und sich lieber einem gefälligerem Programm im Saal 6 des örtlichen popcorngesprenkelten und coladurchweichten Multiplexes hinzugeben. Aber die Zuschauer, die sich auf das Experiment einlassen, erleben eine mitreißende, tragische und witzige Reise in die Zeit der ganz großen Gefühle.

Auch für die Schauspieler ist der Film ein großes Experiment, gilt es doch, die Handlung nur über Mimik, Gestik und Blicke zu transportieren – ob das an heutigen Schauspielschulen noch gelehrt wird, bezweifle ich. Aber wie auch immer sie es gemacht haben, Jean Dujardin und Bérénice Bejo machen ihre Arbeit großartig. Von der ersten bis zur letzten Sekunde füllen sie die Leinwand mit ihrer unglaublichen Präsenz, ihre Blicke sprechen Bände, ihre Augen funkeln, ihr Spiel ist körperlich begreifbar. Und wer nach dem Film Bérénice Bejos Augenaufschlag nicht hoffnungslos verfallen ist, hat kein Herz.

Unterfüttert von zahlreichen Hollywoodgrößen in kleineren Rollen, einer unauffällig detailversessenen Ausstattung, traumhaften Kostümen und einem tragenden Soundtrack merkt man als Zuschauer kaum, dass die Zeit wortlos verfliegt und einen wieder in die kalte, laute Welt entlässt. Ich kann nur jedem ans Herz legen, selbiges zu öffnen und sich auf dieses gelungene Filmexperiment einzulassen, es lohnt sich. (9/10)

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