Hell

Hell

von Tim Fehlbaum, mit Hannah Herzsprung, Lars Eidinger, Stipe Erceg und Lisa Vicari

Die Handlung ist schnell erzählt: 2016. Die Sonne brennt heller als je zuvor. Zuerst hat sie Pflanzen verbrennen lassen, dann Tiere, dann Menschen, dann die Zivilisation. Die wenigen Menschen, die noch übrig sind, kämpfen um das Überleben und einen Rest Menschlichkeit. Auf der Suche nach Wasser, Benzin und Hoffnung fahren Philip, Marie und Leonie durch die Einöde, die einst unser Land war. Ihr Weg führt sie in die Berge, wo es gerüchteweise wieder Leben geben soll – und andere Menschen. Doch was sie dort tatsächlich finden, wird sie fast ihr Leben kosten…



Ohne menschliche Gemeinschaft ist man verloren, mit ihr aber auch. So könnte man diesen Film auf den Punkt bringen. Neben dieser Erkenntnis ist es aber auch die Überraschung, dass ein solcher Film aus Deutschland kommt, die einen noch tagelang überrascht. Die Anleihen der gängigen Hollywoodgenres sind offensichtlich, der Einfluss von Roland Emmerich spürbar. Doch das Ergebnis trägt seine eigene Handschrift und lässt seine deutschen Wuzeln (im positiven Sinne) nicht erkennen – hier ist ein wirklich guter, sozialkritischer, toll gefilmter und geschnittener Endzeit-Thriller bei herausgekommen, der bestimmt in der einen oder anderen Weise Interesse in Hollywood wecken müsste.

OK, die Handlung passt auf einen Bierdeckel, aber das macht nix. Denn es erfordert Zeit, sich in diese fremde, helle und tödliche Welt einzufinden. Die lässt uns der Regisseur in der ersten Hälfte, auch finden wir Gelegenheit, die Beziehungen der Protagonisten zu verstehen. In der zweiten Hälfte ziehen Tempo, Handlung und Spannung deutlich an – ich saß als Nervenbündel nägelkauend auf der Kante des Kinosessels und habe mitgefiebert – so solle es sein. Im Angesicht einer (zunächst) namen- und gesichtslosen Gefahr musste sich dann zeigen, was die Zweckgemeinschaft der Flüchtlinge wert ist. So kommt der Film dann almählich zum Kernthema: Werte. Was sind uns unsere Werte noch wert, wenn uns alles genommen wird? Welche Opfer ist es einem Wert?

Alles in allem also eine erfreulich tiefgründiger, erschreckend professioneller und wirklich spannender Film aus deutschen Landen, den man sich nicht entgehen lassen sollte… (9 / 10)

Ein Gedanke zu „Hell

  1. matern, karin michaela

    Vielen Dank für die guten INFOS zu den aktuellen Filmen, da weiss man schon, was man schauen sollte oder auch nicht. Heute habe ich noch mal die Kritik durchgelesen von dem WEISSEN BAND, der gestern Abend im TV lief, und es hat mich sehr viel weiter gebracht.

    Antworten

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