Larry Crowne

Larry Crowne

von Tom Hanks, mit Tom Hanks, Gugu Mbatha-Raw und Julia Roberts

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Larry Crowne ist ein netter Kerl, der mit netten Leuten einen netten Job in einem netten Supermarkt hat. Eines Tages wird er von seinen bösen, aber tief im Herzen doch netten Chefs gefeuert, weil er nicht auf dem College war. Da rät im sein netter Nachbar, sich doch auf dem netten College einzuschreiben, um die Bildung nachzuholen. Dort trifft er in seiner netten Klasse die supernette Talia, die fortan eine Art Image-Beraterin für ihn macht: Sie stylt seine Wohnung, seine Haare, seine Klamotten und nimmt ihn in ihre nette Motorroller-Gang [sic!] auf. Nebenbei verkuppelt sie ihn noch mit der zynischen, frustrierten, aber in tiefstem Herzen mindestens genauso nett wie Larry seienden Kursleiterin Ms. Tainot, die passenderweise gerade Stress mit ihrem gar nicht netten Mann hat. Und am Ende wird natürlich alles gut.

Bevor Ihr weiterlest, schaut Euch erstmal den Trailer an:

So. Das wirkt doch wie ein richtig guter, romantischer, witziger Schmachtfetzen, wie wir alle ihn ab und an mal sehen möchten: Tolle Stars, ein Hauptdarstellerpaar mit stimmiger Chemie, viele toll besetzte Nebenrollen, eine romantische Liebesgeschichte, Schlaflos in Seattle trifft Pretty Woman eben.

Aber leider ist das nicht so. All die tollen Elemente aus dem Trailer werden in einem Drehbuch verwurstet, das von Forrest Gump hätte stammen können. Nur nette Leute, keine Konflikte, eine Handlung fernab vom Alltag derer, die da im Saal sitzen. Was die Botschaft ist? „Nicht aufgeben, auch wenn Ihr in der Wirtschaftskrise arbeitslos werdet und ohne Ausbildung auf der Straße sitzt, sondern nette Leute treffen, die Bildung nachholen und die Traumfrau treffen“? Das zieht wohl eher nicht.

Das Problem des Films ist, das er häufig hakt, so wie die Gangschaltung des Sportschlittens in „Pretty Woman“. Spannung kommt nicht auf. Larry Crowne ist zu naiv-nett, als das man seine Probleme ernst nehmen könnte. Natürlich wird er sich aufrappeln, natürlich das College schaffen, natürlich die Lehrerin kriegen. Natürlich wird sie ihren Mann verlassen, natürlich werden die Mitschüler ihren Abschluss schaffen, natürlich wird Ms. Tainot aus ihrer Lebenskrise gerettet.

Die Kunst bei solchen Filmen ist es, den Zuschauer Zweifeln zu lassen, das es so kommt. Konflikte zu schaffen. Verwicklungen. Krisen. Steine auf dem Weg der Liebenden zueinander. Stattdessen fahren sie sinnlos mit ihren Scootern durch die Gegend, halten bei einem Imbiss von einem alten Navy-Kumpel von Larry, der sich mit Talias Freund über Bodybuilding unterhält. Was soll das? Es bringt die Handlung nicht voran, es erklärt nichts, sondern es wirkt, es hätte sich der Regisseur aus unerfindlichen Gründen nicht von einer Szene trennen können, die den Film bremst.

Nicht das wir uns falsch verstehen: Es gibt ein paar tolle Szenen. Die Scooter-Gang zum Beispiel ist köstlich. Der Star-Trek Vortrag grandios. Julia Roberts ist erstklassig. Aber all die tollen Puzzlesteinchen ergeben eben kein rundes Gesamtbild, sondern es bleiben Löcher und überzählige Teile. Das sollte nicht so sein.

Sorry, mein lieber, hochgeschätzter Tom, aber bevor Du die Klasse großer Schauspieler-Regisseure wie Clint Eastwood oder Ben Affleck erreichst, hast Du noch einen langen Weg vor Dir. Bis dahin gilt meine Empfehlung, sich diesen Film mal für einen harmlosen Filmabend günstig auszuleihen. Dafür ist er immer noch gut genug. (6/10)

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