Die Schimmelreiter

Die Schimmelreiter

von Lars Jessen, mit Axel Prahl, Peter Jordan und Katharina Wackernagel

Von dem berühmten Schimmelreiter hat wohl schon jeder gehört. Ein weniger berühmter Schimmelreiter ist Fuchs. Sein Schimmel hat allerdings keine Beine, sondern ist eher pelzig. Und er reitet ihn auch nicht, sondern höchstens darauf herum, wenn er ihn in Gaststätten entdeckt. Denn Fuchs ist Lebensmittelkontrolleur in Dithmarschen. Aber Fuchs strebt nach höherem. Er möchte Lebensmittelkontrolleur in Hamburg werden. Und dafür tut er einiges, er nimmt sogar den runtergekommenen Tilman, seines Zeichens Bruder des potentiellen Chefs, bei sich auf, um seiner Bewerbung Vorschub zu leisten. Aber Tilman ist schwierig, chronisch klamm und vor allem nicht von gestern. Schnell riecht er den Braten seines Wohltäters und überredet ihn, ihn auf einer seiner Kontrollfahrten durch das flache Dithmarscher Land mitzunehmen. Das das vermutlich nicht so schlau war, merkt Fuchs erst, als Tilmann immer mehr das Kommando übernimmt und die Gaststättenbesitzer mit saftigen Geldbußen überzieht. Geldbußen, die Tilman natürlich in die eigene Tasche steckt. Wohl oder übel spielt Fuchs das Spiel mit, und merkt erst allmählich, dass Tilman nicht der einzige gestrandete auf ihrer Tour ist…

Mal wieder ein Heimatfilm aus dem guten, alten Schleswig Holstein. Perfekt passt sich die karge, trübe Landschaft mit ihrer manchmal sehr spröden Bevölkerung in die von Melancholie und unerfüllten Sehnsüchten erfüllte Handlung ein. In kalte Bilder gehüllt von Kameramann Michael Tötter, entfaltet Nordlicht Lars Jessen dieses stille Drama aus der Feder von Ingo Haeb als Spiegelbild seines Schauplatzes. Auch die Schauspieler Axel Prahl und Pete Jordan wissen, was es heißt, ein Norddeutscher zu sein. Somit sind sie die perfekte Besetzung für dieses Roadmovie und beweisen es uns mit ihrem leidenschaftlichen Spiel. Aber das hilft leider nicht darüber hinweg, das dieser Film nicht so recht weiß, ob er nun Komödie oder Drama sein möchte. Zu oft verfängt er sich in Details und verliert dabei dabei den Überblick über das Große Ganze. Viele Handlungsstränge verlaufen letztlich ins Leer, sei es nun die zart angedeutete Liebesgeschichte, die rudimentäre Freundschaft der Protagonisten oder auch die ausartenden Lebensmittelkontrollen. Stattdessen werden wir Zeuge ausufernder Feiern, Besuchen bei der Mutter oder randalierender Jugendlicher an einer Fischbude. Ob nun beabsichtigt oder nicht, mit dem Nachspann fühlt man sich wie nach einer Fahrt durch die weiten Dithmarschens: Nette Leute getroffen, viel gesehen, nichts davon weltbewegend, und froh, endlich am Ziel zu sein. (6 / 10)

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