Unterwegs – Schlaflos!

Der Rucksackreisende ist neuem gegenüber immer aufgeschlossen und im Allgemeinen ein sehr toleranter Mensch. Es ist aber an der Zeit eine Gruppe beim Namen zu nennen, die selbst unter Rucksacktouristen gefürchtet ist, und von der ein jeder sich fern zu halten versucht. Kaum fällt man, nach einem langem Tag, dankbar auf die meist schlechte Matratze eines versifften und überteuerten Hostel und schließt wohlig die Äuglein um möglichst schnell dem Tiefschlaf entgegen zu schweben, wird man unsanft von dieser wirklich fiesen Gruppe unter seines Gleichen gepeinigt und aus dem Schlaf gerissen ……….. jawohl ich spreche vom gemeinen Schlafsaalschnarcher oder, für Freunde des Englischen unter euch, auch Dormitorysnorer.

Hostel in Costa Rica

Hostel in Costa Rica


Hinterhältig wiegen sie einen in Sicherheit und starten ihr Kehlkopfstakkato immer erst dann, wenn man kurz davor ist, in den wohligen Schlaf zu gleiten. Da liegt man dann mit offenen Augen und fragt sich, wie es bloss möglich ist, dass solche nie zuvor gehörten Geräusche von einem Menschen erzeugt werden könne. OK, spätestens seit der zweiten Staffel von Popstars ist man, was schiefe Töne angeht, an einiges gewöhnt, aber wenn rund um einen herum das Stalingrad der schnarrenden, gurgelnden, rasselnden und surrenden Töne tobt, ist es schnell mit der guten Urlaubslaune vorbei.

Hostel in Chile

Hostel in Chile

Selbst wenn man das seltene Glück hat und sein Bett im Schlafraum frei wählen darf, ist es extrem schwierig zu erkennen, wer ein Normalo und wer ein Schnarcher ist, der es nur auf die Nachtruhe der anderen abgesehen hat.

Fühlt man sich dann sicher und denkt, man hat alles im Griff, kommt meistens die Stunde der Normalos, die unter Alkoholeinfluss gerne auch mal die Seiten wechseln und einen dann dermaßen stark traktieren, als müssten sie all das an Seelenqual in einer Nacht loswerden, was der Jede-Nacht-Schnarcher auf 365 Tage verteilt. Ich habe bis heute nicht verstanden, wie das Schnarchen physiologisch mit dem Alkoholgenuss zusammenhängt, aber dennoch wird wohl jeder da draußen mir meine Beobachtung bestätigen können.

Hostel in Ecuador

Hostel in Ecuador

Was bleibt einem sonst noch zu tun? Man kann am Bett rütteln, was einen bei der miesen Qualität der Betten in den Hostels eher zusätzlich in Todesangst vor einem Zusammenbruch versetzt. Weiterhin kann man die Schnarchnase selbst anhauen, was aber ebenfalls nur sehr kurzfristig gedacht ist. Bleibt also doch nur Leiden oder Ohropax!

So versucht man schon am ersten Blick zu erkennen, wer zu welcher Gruppe gehört, oder anhand von Gepäck und Kleidungsstücken abzuwägen, ob es sich bei der Person um einen potentiellen Gefahrenherd handelt. Meistens sind die unscheinbaren und älteren Reisenden die ersten Kandidaten, die es zu meiden gilt (hier sind besonders ältere Asiaten zu erwähnen).

Ach, was wäre die Welt für Individualreisende doch paradiesisch, wenn man alle normalen Schläfer und alle Schnarcher in getrennten Dormitorys unterbringen würde? Da könnte man dann unter seinesgleichen den Schlaf der gerechten Schlafen, während im Nebenraum jede Nacht ein neues und heftigeres Texas Chainsaw Massacre beginnt, ohne das dabei jemand sterben muss.

Dschungelunterkunft Ecuador

Dschungelunterkunft Ecuador

Bis es dazu kommt bleibt mir und meinen vielen Leidensgenossen da draussen wohl nichts anders übrig, als auch weiterhin auf die Packliste immer die guten alten Ohrenstöpsel nach ganz oben zu schreiben.

Sind wir allerdings ganz erhrlich, so ist sich wohl niemand von uns 100%ig sicher, ob er jede Nacht geräuschlos schläft, oder nicht vielleicht schon unwissend von Zeit zu Zeit die Seiten gewechselt hat – in diesem Sinne schöne Reise und immer eine gesegnete Nachtruhe.

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