The Dark Knight

The Dark Knight

von Christopher Nolan, mit Christian Bale, Heath Ledger, Michael Caine und Gary Oldman

The Dark Knight

The Dark Knight

Ein maskierter Unhold hält die Unterwelt von Gotham City in Atem. Genauer gesagt: Ein weiterer Unhold neben Batman, der das ja schon eine Weile tut. Der neue nennnt sich selbst den Joker, trägt sein Gesicht stets zu einer bizarren Clownsfratze geschminkt und hat auch sonst einen ziemlichen Sprung in der Schüssel. Hauptberuflich ist er gerade dabei, die Unterwelt von ihrem Geld zu erleichtern. Nicht um des Geldes willen, sondern um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Denn sein eigentliches Ziel ist Batman, den er demaskieren und massakrieren will. Um jeden Preis. Batman selbst steckt allerdings gerade in einer schweren Sinnkrise. Die durchwachten Nächte als schwarzer Rächer zehren an ihm, der Fledermausanzug sitzt einfach nicht mehr bequem und seine große Liebe Rachel ist lieber mit dem gutaussehenden Staatsanwalt Harvey Dent liiert. Doch gerade in Dent erkennt Bruce Wayne seine Chance, den Posten des Retters in glänzender Rüstung abzugeben, hat Dent doch eine ähnlich hohe Moral und mit der Aussicht auf den Bürgermeisterposten auch die greifbare Gelegenheit, diese in die Tat umzusetzen. Doch all das passt dem Joker gar nicht in den Kram, und so beginnt, etwas Chaos in die wohlgeordneten Pläne seiner Widersacher zu bringen…

Selten ist ein Film wohl mit so viel Vorschusslorbeeren bedacht worden, selten mit so hohen Erwartungen an den Start gegangen. In den USA brach er sämtliche Kassenrekorde, in der IMdB setzte er sich kurz darauf aus dem Stand auf Platz 1 der Top 250 (mittlerweile nur noch Platz drei, nach Die Verurteilten und Der Pate). Nachdem Christopher Nolan (Memento) mit dem grandiosen Batman Begins der Batman Reihe wieder Leben einhauchte, fand sich das bewährte Team auch für The Dark Knight wieder zusammen, verstärkt durch den nach Abschluss der Dreharbeiten im Alter von 28 Jahren leider viel zu früh verstorbenen Heath Ledger in der Rolle des Jokers, für die prompt ein posthumer Oscar verlangt wurde – somit also beste Vorraussetzungen für einen gelungenen Kinoabend? Das Fragezeichen muss erlaubt sein, lehrt doch die Erfahrung, dass sehr teure Filme meist auch sehr schlecht sind, es sei denn ein wirklich durchsetzungsstarker, visionärer Regisseur sitzt am Steuer. Doch lassen wir uns überraschen.

Es fällt schwer, das Kinoerlebnis in Worte zu fassen. Die Frage, ob dieser Film der langersehnte Meilenstein der Filmgeschichte ist, kann aber klar verneint werden. Hauptmanko ist dabei die Geschichte, bei der die drei Autoren Jonathan und Christopher Nolan sowie David S. Goyer sich in zu vielen Nebeschauplätzen verlieren. Gerade in der ersten Hälfte des Filmes fragt man sich oft, wie die vielen Handlungsbrocken eigentlich zusammengehören: Joker raubt die Bank aus, Batman sucht markierte Banknoten, Wayne Enterprises will ein neues Unternehmen kaufen, der Boss des Unternehmens raubt die Mafia aus, Rachel bändelt mit Harvey Dent an, Batman entführt den Firmenchef aus Hongkong, Harvey Dent klagt einen Mafiaboss an, Scarecrow macht mit falschen Batmans die Stadt unsicher etc. – hier hätten etliche Szenen ohne Abstriche bei der Handlung ersatzlos gestrichen werden können und so für mehr Klarheit beim Zuschauer gesorgt – und der Film dauert gut drei Stunden! Die Glaubwürdigkeit, selbst angesichts einer Comicverfilmung, bleibt auch des öfteren auf der Strecke. Harvey Dents Wandlung ist einfach zu abrupt, die Pläne des Jokers funktionieren größtenteils nur aufgrund extremer Dämlichkeit der Polizei. Alles in allem fällt das Werk diesbezüglich deutlich hinter dem mit erheblich mehr Tiefgang ausgestatteten Batman Begins zurück.
Aber es würde zu weit gehen, deswegen von einem Besuch im Kino abzusehen – schließlich hatte auch Peter Jacksons Der Herr der Ringe einige deutliche Schwächen im Drehbuch, was Angesichts des Gesamtergebnisses jedoch verzeihlich ist. Um zu The Dark Knight zu kommen: Zum einen wäre da die Kameraarbeit. Mal davon abgesehen, dass sie fantastisch ist, so wurden darüberhinaus in vielen Szenen hochauflösende IMAX-Kameras eingesetzt, was insbesondere Freunde des hochaufgelösten Filmes sehnsüchtig auf die BluRay-Veröffentlichung warten lassen dürfte. Der Film entwickelt schnell einen eigenn visuellen Stil, er springt unvermittelt von Szene zu Szene, ohne sich lange mit Einführungsshots in der Totalen aufzuhalten – eine Herausforderung, da als Zuschauer mitzukommen. Die Kamera hat auch einiges zu zeigen, die Ausstattung ist ein Fest für die Augen: sei es die neue Bathöhle, seien es die zahlreichen Gefährte, die Kostüme oder eben auch die erfreulich altmodisch (also real) inszenierten Actionsequenzen. Und, nicht zu vergessen, die aufwendigste, längste und unterhaltendste Explosionsszene, die mir in 28 Jahren Kino je untergekommen ist, und selbst einem Mittdreißiger wie mir noch ein entzücktes Wow entlocken konnte. Respekt.
Aber kommen wir nach all der Technik mal zum Personal. Die Regiearbeit ist, von der Story abgesehen, solide bis visionär, auf jeden Fall merkt man aber eine Menge Herzblut – und das ist genau das, was vielen Filmen heutzutage fehlt. Die hochkarätigen Schauspieler spielen allesamt, wie schon aus dem Vorgängerfilm gewohnt, gut bis grandios, sofern sie die Chance dazu erhalten. Maggie Gyllenhaal bleibt blass, die harte Staatsanwältin nimmt man ihre einfach nicht ab. Aaron Eckardt wurde eindeutig verheizt, so beeindruckend seine Maske aus technischer Sicht auch sein mag, so unglaubwürdig ist sie leider und würgt sein darstellerisches Potential leider völlig ab – im übrigen wartet man immer darauf, dass er Vorträge über Zigaretten beginnt.
Der wahre Star des Films, weit über allen anderen, ist jedoch ein anderer: Heath Ledger. Sein Joker ist eine Offenbarung. Mühelos dominiert er seine Szenen mit einer unglaublichen Präsenz, man hängt an seinen Lippen, saugt begierig jedes Wort auf. Sein Joker ist wahnsinning, unberechenbar, anarchistisch, genial, ein Psychopath – die Oscarforderung hat durchaus seine Berechtigung. Der Joker ist der absolute Gegenpol zu Batman, Batman steht für Ordnung und das Gute, der Joker für Chaos und das Böse. Ohne den einen kann es den anderen nicht geben, aber zusammen können sie auch nicht existieren. Parallelen zur Außenpolitik der USA können da gerne gezogen werden, sind aber meines Erachtens deutlich überzogen – die moralische und philosophische Frage von Gut und Böse, von Ordnung und Chaos, von Yin und Yang, sie steht im Vordergrund und ist für amerikanische Verhältnisse schon ziemlich tiefsinning. Und wenn zum Ende des Films der Held alle Schuld auf sich nimmt, selber zum Gejagten wird, nur um der Stadt ihr Symbol zu lassen und ihr die Hoffnung wiederzugeben, dann laufen Scharen von Gänsen den Rücken runter und lassen einen die anfängliche Kritik vergessen. (8/10)

0 Gedanken zu „The Dark Knight

  1. Britta

    Amen.

    Aber wo du recht hast, hast du recht!
    Total geiler Film, hat mir auch supergut gefallen. Vom Joker hatte ich in der folgenden Nacht sogar nen kleinen Albtraum 🙂 Der Typ ist total durchgeknallt!

    Antworten

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