Hamburg Wahl-Studium

img-0106.jpgDieses Wochenende werden nicht nur die Oscars, sondern auch Bürgermeisterposten in Hamburg verliehen – es ist Wahl. Ob der persönliche Wunschkandidat oder die Wunschpartei schon feststehen oder nicht, dieses Mal muss man sich mindestens genauso intensiv damit beschäftigen, wie man sie überhaupt wählt. Dazu ist letzte Woche ein dicker Umschlag des Landeswahlleiters ins Haus geflattert. Darin ein nettes Anschreiben, dass die Wahl ganz einfach ist, ein paar Flugblätter und ein Übungswahlschein vom Format der Mopo – quasi der A380 der Wahlscheine.

Der Übungswahlschein enthält vier Stimmzettel, 2 für die Bürgerschaftswahl, 2 für die Bezirksversammlungen. In jeweils einem der Zettel macht man ein Kreuz für die Sitzverteilung, im anderen fünf für die Kandidaten. Macht somit 2x(5+1)=12 Kreuzchen auf 38 Seiten.

Die Stimmzettelmuster machen anschaulich, wie leicht das Wählen tatsächlich ist„, ermutigt mich das Anschreiben. “

„Wenn Politik und Realität im wirklichen Leben auch so weit auseinanderklaffen, dann Gute Nacht.“, entgegne ich.

Doch die beliegenden Flugblätter bleiben dabei, dass Wählen ganz leicht ist und ich meine Stimme nicht wegwerfen solle – moment mal waren das nicht eben noch 12 Stimmen?! Und was ist eigentlich eine Wahlkreisliste? Egal. Die Idee ist ja auch im Prinzip gut. Ich kann Stimmen verteilen (panaschieren) oder anhäufen (kumulieren), direkt meine Lieblingskandidaten oder stattdessen die Gesamtliste der Partei wählen. So kann ich meine politische Meinung besser zum Ausdruck bringen. Im Prinzip zumindest. Denn die Ausführung ist eine Katastrophe. Zum Ausfüllen der Stimmzettel ist vorab eine genaues Studium (und ich meine Studium!) der Unterlagen notwendig, macht man das erst im Wahllokal, ist es zu spät.

Hier wäre eine viel bessere Öffentlichkeitsarbeit gefragt gewesen, die den Bürger viel frühzeitiger auf die erhebliche Umstellung des bewährten Wahlrechts aufmerksam zu machen, und ihn vor allem gründlich und ausführlich mit der Wahl und den neuen Möglichkeiten vertraut zu machen. Stattdessen wurde die Stadt mit den genannten platten Sprüchen plakatiert, die den Parolen der Wahlkämpfer in Glaubwürdigkeit in nichts nachstehen. Daher hier die Richtigstellung: Mit diesem Wahlsystem ist wählen nicht einfach, sondern kompliziert!

Dessen ungeachtet wirft man seine Stimme so oder so weg – als Wahlurnen dienen passenderweise umgebaute Mülltonnen (sic!)…

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