Babyshambles – Shotter's nation

Shotter’s nation - bestellenAlso, hier sollen ja keine Klischees gepflegt werden, aber bei Pete Doherty drängt sich das recht plattgewalzte Sprichwort von Genie und Wahnsinn, die dicht bei einander liegen, geradezu auf. Über seinen Wahnsinn findet sich genug in der Boulevardpresse, dazu muss hier nichts mehr gesagt werden. Aber jeder, der einmal das seltene Vergnügen hatte, den ehemaligen Libertine live gesehen zu haben, weiß, dass er sich auch nicht das geringste bißchen anstrengen muss, um noch so gute Lieder zu schreiben oder zu spielen. Fast scheint es, als kämen die Songs einfach so aus ihm raus, ohne dass er groß daran beteiligt wäre. Anders ist es auch kaum zu erklären, wie er es schafft, ständig neue Werke in gleichbleibend hoher Qualität vorzulegen.
Mit Shotter’s nation ist den Babyshambles jetzt ihr bisher komplettestes Album gelungen. Schon der Einstieg „Carry on up the morning“ zieht einen so konsequent hinunter in die Welt des Pete Doherty, dass man lauthals einstimmen möchte in „it’s not easy – getting me out of my bed“. Die Single „Delivery“ umschmeichelt die Ohren mit shakespearesken Reimen wie „this song’s a delivery – straight from the heart of my misery“ und ist der größte Ohrwurm der Band seit „Fuck forever“. Die größte Nabelschau bietet sich in dem zum Weinen schönen „UnBiloTitled“ mit der unsterblichen Zeile „The more that you follow me, the more I get lost“. Und so geht es immer weiter, ohne dass man auch nur einen Song herausnehmen, hochhalten und „Schwachpunkt“ schreien kann.
Gegen Ende entwickelt sich Shotter’s nation fast unbemerkt zu einem reinen Blues-Album, welches in den Stücken „There she goes“ und „Baddie’s Boogie“ seinen Höhepunkt erreicht. Als Abschluss dient das mit größtmöglicher Zurückhaltung aufgenommene, lang anhaltende „Lost art of murder“.
Natürlich kann man Pete Doherty vorwerfen, dass die Songs alle unfertig und improvisiert klingen, aber so ist Jazz nun mal, oder sich beschweren, dass er nur Platten veröffentlicht, um an Geld für Drogen heranzukommen, jedoch: seit wann muss Kunst sich rechtfertigen? Da es eh selten genug passiert, kann man dafür ruhig mal die Höchstnote vergeben.
(10 Punkte)

Diskografie von Pete Doherty:
2002 – The Libertines – Up the bracket
2004 – The Libertines – The Libertines
2005 – Babyshambles – Down in Albion
2006 – Babyshambles – The blinding EP
2007 – Babyshambles – Shotter’s nation

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