Manu Chao – La Radiolina

La Radiolina - bestellenNa endlich! Sechs lange Jahre hat José-Manuel Chao uns auf sein drittes Soloalbum warten lassen. Unzählige Sommerurlaube, in denen wir zurückgreifen mussten auf das grandiose Debut Clandestino und den fast noch grandioseren Nachfolger Proxima estación… esperanza. Die Welt hat sich verändert in den letzten sechs Jahren und diese Veränderungen sind auch an Manu Chao nicht spurlos vorübergegangen. Das zeigen einerseits die Fotos im Booklet und andererseits hört man es der Musik auf La Radiolina an. Zwar bleibt sich der in Paris aufgewachsene Sohn eines galicischen Vaters und einer baskischen Mutter auch auf seinem dritten Album darin treu, Elemente einzelner Lieder im Verlauf des Albums immer wieder aufzugreifen und neu zu interpretieren. Und wieder textet er multilingual scheinbar mühe- und nahtlos Spanisch, Französisch, Englisch, Portugiesisch sowie weitere Sprachen, Dialekte und Kreolsprachen aneinander, ohne dabei jemals intellektuell klingen zu wollen. Im Gegenteil erzeugen seine fast schon naiven Texte in diesem Sprachwirrwarr eine Art Grundverständnis, welches sich über die Grenzen der einzelnen Sprachen hinwegsetzt und diese fast aufhebt. Und teilweise tief berührt. So reichen auch rudimentäre romanische Sprachkenntnisse, um Zeilen wie

infinita tristeza – viento de Washington
infinita pobreza – tu sangre en la pared
infinita maleza – escaldada passión

(aus „Tristeza maleza“) vielleicht nicht zu verstehen, aber doch zu begreifen.
Sicher hat Manu Chao schon immer auch politisch getextet, doch finden sich auf La Radiolina sowohl musikalisch als auch textlich härtere Töne als auf den beiden Vorgängeralben. Songs wie „Politik kills“ oder die fast schon rockige erste Single „Rainin‘ in paradize“ sprechen da eine ebenso einfache wie deutliche Sprache. Ging es in den weniger politischen Liedern früher um die Liebe oder die Lust an Reisen und Drogen, so singt Manu Chao diesmal von Sehnsucht („Besoin de la lune“), Prostitution („Me llaman calle“) und Einsamkeit („The bleeding clown“). Und dennoch macht die Musik jederzeit richtig Spaß.
Manu Chao ist das Esperanto der heutigen Popkultur, La Radiolina wird auf der ganzen Welt Gehör finden und Menschen kulturübergreifend verbinden. Das vielleicht wichtigste Album des Jahres.
(9 Punkte)

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