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Sarrazinaden

Goldenes Stück Scheiße am Band, verliehen an Thilo Sarrazin in Abwesenheit

by Sargoth

OK, ich habe es versucht. Lange versucht. Aber allmählich kann ich das Thema nicht mehr ignorieren. Auch wenn ich eigentlich nix vom Thema verstehe. Aber das muss ja niemanden vom Publizieren abhalten.

Zur Vorgeschichte. Es geht um einen Volkswirt, der zunächst im öffentlichen Dienst seinem Broterwerb nachging, bevor er als Leitender bei der Bahn, Finanzsenator in Berlin und dann wieder als Vorstandsmitglied der Bahn die Karriereleiter raufkraxelte. Seine Rente sollte also sicher sein.

Sein jetziger Posten bei der Bundesbank scheint ihn nun so wenig auszulasten, dass er seine reichhaltigen Erfahrungen aus dem Berufsleben eines Volkswirts dazu nutzt, sich um das bewirtschaftete Volk an sich Sorgen zu machen. Mit der Sorge um das Erstarken einer Volksgruppe, die er in den Jahren zuvor mit besorgter Mine durch die getönten Scheiben seiner Limousine beobachtet hat, kondensiert er eine Reihe rechtskonservativer, pseudowissenschaftlicher Stammtischparolen in ein Buch. Als selbsternannter Soziologe und Genetiker zitiert er Statistiken, die es nicht gibt, er stellt genetische Thesen als Tatsachen hin, die wissenschaftlich Unsinn sind, er dramatisiert Probleme, ohne sich ernsthaft mit Ursachen oder gar Lösungen abzugeben. Kurz, statt Fakten viel Meinung, und die Meinung ist, um mir etwas Meinungsfreiheit zu erlauben, Bullshit. Das ein solch populistisches Buch dennoch (oder gerade deshalb?) seine Leser findet, war wohl abzusehen. Das es aber ein mördermäßiger Erfolg ist, verwundert dann doch. Zumindest solange, bis man weiß, dass der Autor Thilo Sarrazin ist.
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