John Carter – Zwischen zwei Welten

John Carter

von Andrew Stanton, mit Taylor Kitsch, Lynn Collins, Samantha Morton und Willem Dafoe

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USA, 1881. Der runtergekommene, desertierte Bürgerkriegseveteran John Carter rettet sich nach einer Schießerei in eine von geheimnisvollen Symbolen und Goldadern durchzogene Höhle. Durch eine SEHR unglückliche Verkettung von Umständen tötet er dort einen geheimnisvollen Fremden und gelangt in Besitz eine Amuletts, das ihn, nun ja, auf den Mars befördert. Dort angelangt hat er kaum Zeit sich zu akklimatisieren, denn er gelangt zwischen die Fronten eines sehr alten Krieges zwischen den dort lebenden Völkern. Und die entwickeln ein gewisses Interesse an John. Die Grünen Marsianer, weil er durch die geringe Schwerkraft ‚Superkräfte‘ hat, also sehr weit springen und sehr fest zuschlagen kann. Die Roten Marsianer der Städt Zodanga und Helium, weil er den sicheren Sieg Zodangas über die Stadt Helium gefährdet. Die geheimnisvollen Therns, weil er ihre Pläne durcheinander bringt. Und schließlich auch die Helium-Prinzessin Dejah Thoris, weil er sie vor dem Zodanga-König Sab Than rettet.
In diesem Wirrwar dauert es natürlich etwas, bis John Carter endlich Zeit und Muße findet, sich Gedanken über seine Rückkehr zur Erde zu machen…

Luft, Wasser, Kanäle und Marsianer auf dem Mars? Wer das für anachronistisch hält, hat Recht. Die Geschichte ist stolze 100 Jahre alt und spiegelt somit den damaligen Wissenstand über unseren roten Nachbarplaneten wider. Sie entstammt der Feder des Tarzan-Erfinders Edgar Rice Burroughs, und dürfte die Keimzelle des Science Fiction Genres sein – so einiges aus diesem Film kennt man aus Star Wars und Star Trek, wobei die zahlreichen Plagiatsvorwürfe schwerlich dem Original anzulasten sind. Mit diesem Grundwissen ausgerüstet akzeptieren wir einfach mal die von Wissenschaft und Literatur überholten Schwächen des Plots und schauen mal auf dem Rest.

Nun ja, die Formel „starker Anfang, schwache und lange Mitte und starkes Ende“ trifft es Recht gut. Der Anfang ist wirklich stark – John Carters Tod, ein mysteriöses Vermächtnis und ein geheimnisvolles Tagebuch, dass uns an den Anfang der Geschichte zurückführt – starke Bilder, interessante Figuren und ein ganzer Schwung Rätsel. Mit der Ankunft auf dem Mars wird nicht nur die Luft dünn. In dem Wust an Völkern, Kriegen, Kulturen, Wesen und Konflikten verliert sich nicht nur der rote Faden, sondern auch die Orientierung der Zuschauer. Entsprechend zäh zieht sich die Handlung nun dahin, bis im letzten Drittel etwas Sinn in die ganze Sache kommt und das Tempo anzieht. Das Finale mit der obligatorischen großen Schlacht und der Auflösung fast aller Rätsel entschädigen dann den sinnsuchenden Zuschauer, der actionsuchende hingegen dürfte eher enttäuscht den Saal verlassen.

Es bleibt der Eindruck, dass der Regisseur und bekennende John Carter Fan Andrew Stanton sich etwas zu sehr in Details verloren hat, statt der Geschichte etwas mehr Richtung zu geben. Auf der anderen Seite muss ich aber auch anerkennen, dass er überhaupt eine Geschichte erzählt hat, und dass sogar mit recht viel Witz und einer nicht selbstverständlichen Selbstironie – John Carter ist keine stumpfer Superheld, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut. Das, so behaupte ich, ist in diesem Genre nicht selbstverständlich.

Die schauspielerische Umsetzung ist, nun ja, einem Actionspekakel angemessen. Bei Taylor Kitsch stand die Optik im Vordergrund, doch auch wenn sein Schauspiel ihm keinen Oscar bringen wird, schafft er es, die Rolle des John Carter überzeugend und glaubwürdig zu spielen. Die übrigen Rollen sind ähnlich solide besetzt, aber auch nicht mehr.

Mit der phantasievollen Ausstattung, der tollen Optik und vielen Kreaturen aus dem Rechner bleibt am Ende also ein durchwachsenes Werk, dem man die Liebe zum Original anmerkt, das aber weder Actionfreunde noch Science-Fiction-Freunde vollends zufrieden stellen dürfte. Mit entsprechendem Popcornvorrat ist aber durchaus unterhaltsam. (6/10)

2 Gedanken zu „John Carter – Zwischen zwei Welten

  1. Tobe

    Nichts für ungut, Kollege… aber der Godfather of Science Fiction ist immer noch Jules Verne; der hat schon etwa 1870 Romane über Menschen geschrieben, die zum Mond reisen, und war somit fast 50 Jahre früher dran als Herr Rice Burroughs.

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    1. admin

      Punkt für Sie, Kollege. Dennoch ist es so, dass der hierzulande quasi unbekannte „John Carter“ zahlreiche Ideen für nachfolgende Science-Fiction-Klassiker beisteuerte – die Bikes, die Wüstenprinzessin und das Monster aus „Rückkehr der Jedi Ritter“, das Beamen aus „Star Trek“ etc. Das ging so weit, das Fans sich empörten, John Carter wäre aus genannten Werken zusammengeklaut, wo es doch genau genommen anders herum ist… Ich bitte meine ungeschickte Formulierung zu entschuldigen.

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