Unterwegs – Tierisch!

Gerade angekommen soll es am Urlaubsziel auch gleich so richtig losgehen. Bloß keine Zeit verlieren, schließlich verspricht einem der lustige Kerl von Jungle Adventure Tours in englischen Wortfetzen viele unvergessliche Momente, exotische Tiere, ein Buffet in einem ausgesuchten Restaurant und Bier umsonst. Hier geht es also genau darum, wofür man mal wieder 14 Stunden Flug mit steifen Hals, trockener Nase bei viel zu kalter Klimaanlage in Kauf genommen hat – Abenteuer pur!

So schnürt man dann am nächsten Morgen seine neuen High-Tech-Survivalstiefel und summt voller Vorfreude die Titelmelodie von Indiana Jones während man sich schon Auge in Auge mit den Bestien der Natur wähnt.

Leguan-Galapagos

Leguan-Galapagos


Für viele Möchtegern-Gefahrensucher hat das Abenteuer aber schon viel früher begonnen. Denn hat sich das Hostel, im Internet mindestens als „Hilton“ für 5 Dollar die Nacht bezeichnet, zum wiederholten Mal als krabbelgetierverseuchte Kakerlakenhöhle entpuppt, oder lebte trotz des angepriesenem Hygienestandard eine kleine Wanzenarmee im Bett, steht man den kommenden Abenteuern schon etwas zurückhaltender gegenüber – vielleicht doch eher ein bisschen mehr Dschungelbuch und weniger Indiana Jones?

Schlafende Frösche

Schlafende Frösche

Die Ernüchterung auf solchen Touren lässt dann auch nicht lange auf sich warten, wenn man erstmal eine Stunde vergebens nach einem Faultier im Baum Ausschau gehalten hat oder die versprochene Affenhorde sich einfach nicht blicken ließ. Aber mal ehrlich, so ein unerwartetes Wunder ist es dann auch nicht, dass frei lebende Tiere vor einer Horde Menschen Angst haben und sich lieber verstecken als sich brav fotografieren zu lassen…
Schön, kann man als Stadtmensch ja vorher nicht ahnen. Schließlich war das bei Hagenbeck bisher immer anders. Und das viele Tiere einen anderen Tag-Nacht-Rhythmus haben als der gewöhnliche Sensationstourist, ist schon eine echte Frechheit.

Kapuzineraffe- Costa Rica

Kapuzineraffe- Costa Rica

Hat man dann aber letztendlich doch noch den gemeinen Brüllaffen aufgespürt, bekommt man gleich dessen Art der Gastfreundlichkeit zu spüren. Er macht nämlich nicht nur seinem Namen gemäß Krach, sondern hat auch eine lustige Art, Touris zu zeigen, was er davon hält, wenn man ihm zu sehr auf die Pelle rückt. Er, man verzeihe die Wortwahl, scheißt im wahrsten Sinne des Wortes drauf!
Ich gebe zu, aus einiger Entfernung ist ein amüsanter Anblick, wenn eine Gruppe Japaner, die teueren Kameras gezückt, nach oben in die Bäume starrt und dabei von einer Affengruppe unter Fäkalbeschuß genommen wird – Hasta la vista Baby!

Zu einem echten Star der Tierszene hat sich hingegen der Blaufußtölpel auf den Galapagosinseln gemausert. Aber auch hier ist seine Bekanntheit doch eher zweifelhafter Natur, beruht sie doch nicht auf der Einmaligkeit dieser wunderschönen Vögel, als viel mehr auf ihrem Namen im Englischen. Die Amis stehen einfach drauf, T-Shirts zu tragen, auf denen auf breiter Brust steht I saw Blue-Footed Boobies.

Blaufußtölpel-Galapagos

Blaufußtölpel-Galapagos

Vogelspinne-Costa Rica

Vogelspinne-Costa Rica

Aber zum Glück gibt es ja dann noch Leute wie Javier, Carlos, Luis (oder so ähnlich), den erfahrenen Wildführer, der einem alle Fragen rund ums Tier beantworten kann und einen, ständig mit Fernglas auf der Suche, niemals enttäuscht nach Hause entlässt. Zu guter Letzt wird dann auch in echter Indiana Jones Manier mit einem Ast in jedem sich bietende Bodenloch herum gestochert, damit sich zum gruseligen Tourabschluss die versprochene Vogelspinne zeigt und einem mit wohligen Träumen zurück in die Kakerlakenhöhle entläßt – Na, dann gute Nacht!

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