Der rote Baron

Der rote Baron

Es gibt kaum eine Litfaßsäule oder eine Bushaltestelle, von der einem der rote Baron zur Zeit nicht entegegenfliegt. Und wenn bei einem dermaßen agressiv beworbenen Film selbst im NDR 2 Kinotipp von historischen Ungereimtheiten die Rede ist, klingeln beim versierten Cineasten alle Alarmglocken, und er bemüht neutralere Medien zur Information. Mit 4,5 Punkten bei IMdB entpuppt sich dieses Werk dann als ein wunderbarer Film für meine neue Kategorie „Nicht gesehen – aus gutem Grund“…

Die Motivation, sich einen Film über Manfred von Richthofen, oder eben dem „roten Baron“ anzuschauen, sind vermutlich tolle Luftaufnahmen mit historischen Flugzeugen, eine historisch belegte, gut recherchierte Geschichte oder vielleicht auch nur eine gut erzählte Geschichte mit tollen Darstellern. Leider befriedigt der Film anscheinend keine der drei Zielgruppen:

Die „Luft“-Aufnahmen sind allesamt am Boden entstanden, und dabei scheint nur die Größe der Green-Screen Maßstäbe gesetzt zu haben. Der Spiegel bemängelt, dass man kein einziges Flugzeug starten oder landen sieht, Filmstarts fehlende Orientierung und schlecht in Szene gesetzte Piloten. Erste Chance vertan.

Mit der Historie nimmt es der Film auch nicht so genau, aus einem unbarmherzigen Kampfpiloten wird ein Kant lesender, Barmherzigkeit im Kampfgetümmel predigender Philanthrop (immerhin erst nach einem Lazarettbesuch, da entwickelt sich ein Figur!); für den wirklichen Richthofen zählte nur ein brennend geschossenes Flugzeug als echter Abschuss. Für die Damen im Publikum wird ihm schließlich noch eine sehr frei erfundene (und historisch eindeutig widerlegte) Liebesgeschichte angedichtet. Einzig Kostüme und Flugzeuge sollen sehr historisch sein, aber dafür genügt mir auch ein Bildband. Zweite Chance vertan.

Große Stärke aktueller guter Filme (z.B. Juno, Charlie Wilsons War, Michael Clayton) sind immer wieder die Dialoge, bei denen es einfach Spaß macht, zuzuhören, bei denen man sich vor Lachen im Sessel kringelt. Die Dialoge aus „der rote Baron“, derer ich im Radio Zeuge werdem durfte, sind das krasse Gegenteil. Platt, oberflächlich und schlecht gespielt – das einzige was sich hier kringelt sind die Zehennägel. Glaubt man den übrigen Quellen, sind die restlichen Dialoge, Darsteller und Charakterzeichnungen nicht viel besser. Somit auch dritte Chance vertan.

Somit also ein Film, den man im Kino gerne zugunsten weniger beworbener Filme meiden kann – Tipps dazu findet Ihr in meinem Blog genug. Umso erschütternder, das dieses Machwerk vermutlich demnächst die deutschen Kinocharts anführen wird, auf Kosten enttäuschter Zuschauer, die die Kinos nach dieser Erfahrung wohl wieder eine Weile meiden werden…

[Nachtrag:] So ganz richtig lag ich nicht mit meinem Tip, der Film ist nur auf Platz 4 gelandet. Schlimm genug.

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