Lars und die Frauen

Lars and the Real Girl

von Craig Gillespie, mit Ryan Gosling, Patricia Clarkson und Kelli Garner

Lars und die FrauenEigenbrötler Lars führt ein einsames Leben. Er hält nur den nötigsten Kontakt mit seinen Mitmenschen und wohnt in der Garage, seit sein Bruder Gus mit seiner Frau Karin ins Elternhaus eingezogen ist. Auch ihre Kontaktversuche scheitern meist. Umso größer ist die Überraschung, als Lars ihnen eines Tages eine Freundin vorstellen möchte, einer Internetbekanntschaft. Doch die Freude darüber schwenkt schnell in Bestürzung um, denn bei Bianca handelt es sich um eine (zugegebenermaßen sehr realistische) Liebespuppe, die nichtsdestotrotz von Lars liebevoll wie wie eine wirkliche Frau behandelt wird – er redet mit ihr, isst mit ihr und besteht auf getrennten Zimmern, da sie sehr religiös ist. Den Gedanken, Lars in die geschlossene Abteilung einweisen zu lassen, lassen Gus und Karin auf ärztlichen Rat hin zunächst fallen. Stattdessen spielen sie das Spiel, wenn auch widerstrebend, mit. Und auch die Gemeindemitglieder behandeln Bianca nach kurzer Eingewöhnung wie eine der ihren, so dass sie bald einen mit Kirchensitzungen, Frisörterminen und Kinderbetreuung vollen Terminkalender hat – sehr zum Missfallen von Lars. Trost sucht er zaghaft bei seiner (echten) Arbeitskollegin Margo. Und schon haben Bianca und Lars ihren ersten handfesten Streit…

Ehre, wem Ehre gebührt. Und diese gilt bei diesem Film zweifellos drei Personen: Der Drehbuchautorin Nancy Oliver für die wirklich originelle Idee, Regisseur Craig Gillespie für die sehr einfühlsame Umsetzung und nicht zuletzt Ryan Gosling für seine grandiose Darstellung des Lars. Allen zusammen ist zu verdanken, dass aus diesem Film keine hirnlose Klamotte à la Date Movie geworden ist, wie die Grundidee beim ersten Lesen nahelegen würde. Stattdessen ist es eine warmherzige, menschliche Charakterstudie eines einsamen Menschen geworden, der auf seine eigene Weise, nämlich über Bianca, den Weg zurück in die Gemeinschaft findet. Und in diesem Film ist sie es auch wirklich Wert. Es ist herrlich anzusehen, wie nach anfänglichen Bedenken alle den pragmatischen Ansatz wählen und Lars zuliebe einfach mitspielen. Schließlich ist niemand perfekt. Perfekt hingegen ist die erwähnte schauspielerische Leistung von Ryan Gosling, der in seiner Mimik die ganze Bandbreite der inneren Zerrissenheit von Lars durchscheinen lassen kann, ohne sie zutage treten zu lassen; man merkt, hier ist ein ganz großer Schauspieler am Werden, der OSCAR nur ein Frage der Zeit. All diese Perfektion tröstet daher auch locker über eine gewisse Vorhersehbarkeit in der zweiten Hälfte hinweg; am Ende bleibt dennoch ein kleines, feines Highlight dieses Kinojahres, das Schule machen sollte. (8)

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