Bloc Party, The Shins und The Good, the Bad & the Queen: Das Dreigestirn zum Jahresbeginn 2007

Den ausklingenden Winter und das freudige Warten auf den Frühling verkürzen uns dieses Jahr drei großartige Alben: Bloc Party – A weekend in the city, The Shins – Wincing the night away und The Good, the Bad & the Queen.

The Good, the Bad & the Queen

The Good, the Bad & the Queen Leise aber doch prägnant setzt die halbakustische Gitarre ein, nach ein paar Takten beginnt Damon Albarn, Sänger und Songwriter von Blur und den virtuellen Gorillaz, auf seine unnachahmliche Weise dazu zu singen. Die Melodie ist ebenso einfach wie genial, nahtlos schmiegt sich der Refrain an die Strophe. Mit dem Refrain beginnt der Bass zaghaft und doch rythmisch zu wummern. Der Bassist ist Paul Simonon und war vor langer Zeit Mitglied der legendären Punk-Pioniere The Clash. Wir befinden uns im ersten Lied des Albums The Good, the Bad & the Queen (die Band hat offiziell keinen Namen) und wenn zum Ende des Refrains Orgel und Percussion einsetzen und man das dringende Bedürfnis verspürt, sich im Takt hin und her zu wiegen, dann ist schon beim ersten Durchlauf klar, dass man soeben Songwriting in der Perfektion erlebt. Unfassbar mit welcher Lässigkeit die Musiker das ruhige Tempo des Albums konsequent durchhalten. „History Song“, „Herculean“ und „Nature Springs“, um nur Beispiele zu nennen, sind von einer so klaren Schönheit, dass es einem gerade zu den Atem nimmt, und stellen eine wunderbare Fortsetzung des letzten und besten Blur-Albums Think Tank dar. The Good, the Bad & the Queen kann das hohe Niveau nicht über die gesamte Länge des Albums beibehalten, Songs wie „Behind the Sun“ oder „A Soldier’s Tale“ wirken auch nach mehrmaligem Hören eher belanglos und ein wenig konstruiert. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass hier schon im Januar ein paar der schönsten Musikaugenblicke des Jahres geboten werden.
(7 Punkte)

Tipp: Auf der offiziellen Website der Band: www.goodbadqueen.com kann man sich sechs Songs des Albums in voller Länge anhören.

The Shins – Wincing the night away

The Shins - Wincing the Night away Die Szene ist zwar schon recht strapaziert, aber sie soll hier noch ein letztes Mal wiedergegeben werden. In dem anrührenden Film Garden State setzt die noch anrühendere Natalie Portman dem verunsicherten Zach Braff ihre Kopfhörer auf mit den Worten, „dieses Lied wird Dein Leben verändern“. Dieses Lied ist „New Slang“ von The Shins und kann ohne mit der Wimper zu zucken als das schönste Lied des Jahrzehnts betrachtet werden. The Shins haben nun mit Wincing the night away ihr inzwischen drittes Album beim Independent Label SUB POP aufgenommen, wo u.a. das Nirvana Debut Bleach verlegt wurde. Ihr wunderbares letztes Album Chutes too narrow wurde nicht von wenigen als die Indieplatte des Jahres 2004 bezeichnet. Natalie Portman… Nirvana… Platte des Jahres… so viel zum Thema Erwartungsdruck.
Um es vorweg zu nehmen, The Shins erfüllen die Erwartungen. Das Album wird getragen von der hellen, manchmal etwas sperrigen Stimme des Sängers und den wunderbar verspielten Arrangements. Der Opener „Sleeping Lessons“ entwickelt sich fast unbemerkt von anfänglichem Elektrogemurmel zu einem eingängigen Folk-Rock-Song. Die erste Single „Phantom Limb“ hat ein so schöne und clevere Melodieführung, dass er als der zweitbeste Shins-Song (nach „New Slang“) bezeichnet werden kann. Der letzte Track „A Comet Appears“ lässt einen wie versteinert vor der verstummten Anlage knien und den letzten verhallenden Tönen nachlauschen. „It’s still to come the worst part and you know it – there’s a numbness in your heart and it’s growing.“
(8 Punkte)

Bloc Party – A weekend in the city

Bloc Party - A weekend in the city Der NME kürte Ende 2005 Bloc Party’s Debutwerk Silent alarm zum besten Album des Jahres. Die Songs auf Silent alarm wirkten mit ihren hektischen Gitarrenriffs immer etwas nervös und unausgeglichen. Selbst in den ruhigeren Stücken kam es früher oder später durch eine hereinkrachende Gitarre, einen wütenden Ausbruch des genial durchgeknallten Drummers oder einen Aufschrei in der immer leicht verzweifelt klingenden Stimme des Sängers zur Explosion. Das erstaunliche daran war, dass ihre Lieder trotz dieser Nervosität und häufig sehr unkonventioneller Melodieführung funktionierten und durchweg hittauglich waren. Dass Bloc Party keine reine Hitfabrik sein wollen, beweisen sie nun mit ihrem Konzeptalbum A weekend in the city. Darin geht es um Rassismus, Terrorismus und die Suche nach Liebe an einem Wochenende im Großstadtdschungel. Das beginnt gewohnt wild am Freitagabend mit dem „Song for clay“ und der Feststellung, „East London is a vampire, that sucks the joy right out of me.“ In „Hunting for witches“ geht es dann auf Terroristenjagd, denn „now is not the time for liberal thought“. „The prayer“ stürmt im wahrsten Sinne die Tanzfläche mit düster dröhnendem Bass und dem Wunsch: „Lord, give me grace and dancing feet – and the power to impress“. Allesamt Lieder, die eine dynamische Energie ausstrahlen, dass es einen geradezu gegen die Wand drückt. Deutlich ruhiger und weniger zynisch verläuft die zweite Hälfte von A weekend in the city und enthüllt u.a. mit „On“, „Kreuzberg“ und „Sunday“ ein paar der harmonischsten und eingängigsten Bloc Party Songs überhaupt. Das Wochenende in der Stadt endet, wie sollte es anders sein, mit dem Kater am Sonntagmorgen. „I love you in the morning – when you’re still hung over“ („Sunday“). Wenn Sänger Kele Okereke jetzt noch aufhört, Lacoste-Hemden zu tragen, dann gibt es wirklich nichts mehr auszusetzen. Grandioses Album.
(9 Punkte)

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