Unterwegs – mit dem Rennrad auf Mallorca

Sport und Reisen sind schon seit vielen Jahren zwei meiner ganz großen Leidenschaften, was kann es also schöneres geben als Beides miteinander zu verbinden. Jedes Frühjahr zieh es ganze Herrscharen von Radfreunden auf der Deutschen liebste Ferieninsel und so führte auch mich meine Leideschaft für das Rennradfahren letzendlich auf eine Insel die ich eigentlich nie besuchen wollte – „Mallorca“ – ein Bericht von ganz großem Sport fernab von Sangria und Ballermann.

Mit dem Rennrad unterwegs auf Mallorca

Der Winter war wiedermal viel zu lang, der Bewegungsdrang ist groß, die Vorfreude auf die ersten Radkilometer noch viel größer und dann? 5°C, kräftiger Ostwind und Nieselregen, wilkommen im hamburger März. Tja, was tun?, also die Koffer gepackt und ab auf die Insel des Radsports, doch was erwarted einen  als Radnovizen auf Mallorca? Zum einen ein bis aufs Letzt perfekt durchorganisierter Radtourismus (es vergingen von der Ankunft am Flughafen Palma nicht mal 1,5 Stunden bis zu dem Moment wo ich in Alcudia zu ersten mal auf dem Rad saß) und zum anderen unglaublich viele, motivierte und kilometerhungrige Mitstreiter.

Morgens 9:30Uhr, aufsatteln auf Malle
Mein treuer Begleiter

Aber der Reihe nach, den zunächst einmal spaltet keine Frage die Radfahrgemeinschaft wohl so sehr wie die Frage danach ob man sein eignenes Rad mitnehmen sollte, oder sich vor Ort ein Rad mietet? Sicher, kein Rad passt besser zu einem als der eigene Renner, andereseits lohnt sich der Aufwand? (Radkoffer mieten, Zusatzkosten bei der Flugbuchung und dann noch das ganze geschraube). Nach meinem dafürhalten lohnt es sich nicht sein eigenes Rad mitzunehmen. Die Mieträder (in allen Rahmengrößen) sind gute Mittelklasse, bieten an Ausstattung alles was man braucht (auch verschiedene Pedalsysteme) und auch die Miet- und Versicherungskosten (15-20Euro am Tag) rechnen sich im Verhältnis zu Transportkosten und Radkoffermiete auf.

Rauf oder runter?

Als Ausgangspunkt ist Alcudia im Norden der Insel ideal, da es je nach Trainingsstand nur ca. 20Kilometer bis zu den ersten Anstiegen des Tarmuntanagebirges sind und man entlang der Küste und ins Innland unzählige Möglichkeiten für flache bis leicht wellige Etappen hat. Da Alcudia an der Küste liegt geht es bei nahezu jeder Etappe zum Ende hin bergab was man nach langen Tagen im Sattel dankbar annimmt, auch wenn einem dafür häufig der meist stramme, auflandige Wind entgegen bläßt.

Da ich es in der Vorbereitung leider nur auf ca. 700 Trainingskilometern gebracht hatte wollte ich es dann auch erstmal ruhig und flach angehen lassen. So ging es erstmal Richtung Inselinneres, wobei ich aber unterschätzt habe wie schnell man doch dem Rausch der Geschwindigkeit erliegt, so konnte ich nicht wiederstehen als nach halber Strecke eine Gruppe im Eiltempo heranrauschte und  raste schon am ersten Tag (zumindest mal für ein gutes Stück) mit 45 Sachen durch die mallorquinische Landschaft – total geil – grins!

Ausblicke am Cap Formentor
Kurz vor dem Ziel am Cap Formentor

Die ersten Tage waren bei schönstem Frühlingswetter voll mit tollen und schönen Touren. So ging es zum Beispiel nach Felantix und von dort den anstrengenden, 7km langen Anstieg zum Kloster San Salvador hinauf von wo aus man eine wunderbare Aussicht über die Serra de Llevant geniessen kann (Alcudia – Felantix- San Salvador- Manacor-Alcudia, ca. 110Km)

Absolut atemberaubed und spektakulär war auch eine Fahrt zum Cap Formentor bei der man immer wieder tolle Ausblicke auf die wunderschönen Küstenzüge und einsame Buchten werfen konnte, um sich dann später am Leuchtturm mit Kaffee und Kuchen für die anstrengenden Kilometer zu belohnen. Das eigentliche Highlight für jeden Radfahrer auf Mallorca sind aber die Touren ins Tramuntanagebirge, den wenn man ehrlich sucht man ja gerade diese Herausforderung und das ganz besonders wenn man aus der norddeutschen Tiefebene kommt.

Herausforderung gesucht? dann mal los!

Wirklich unglaublich sind die Massen and Radsportlern die sich im Frühjahr auf der Insel versammeln. Besonders beindruckend ist das Bild wenn sich am frühen Morgen die Gruppen zusammenfinden. An einigen markanten Treffpunkten, z.B. vor oder nach einem Anstieg, trifft man immer wieder auf einen kurzen Plausch auf viele, durchatmende und Capucciono oder Cola trinkende, Zwei der nettesten Radtreffpunkte waren für mich die Tanktslle auf dem Coll de sa Batalla (bei der zu dieser Zeit ganz sicher mehr Capuccino als Benzin verkauft wird), oder das Cafe am Anstieg zum Coll den Hono in Bunyola.

Die Tankstelle am Coll de sa Batalla

Der heilige Gral jedes Mallorcaradfahrers sind dann aber wohl die Serpentinen hinauf und hinab nach Sa Calobra. Schon knapp nachdem man den Coll dels Rais vom Coll de sa  Batalla kommend überwunden hat wird man mit einem unglaublichen Ausblick auf den berühmten Krawattenknoten und die sich durch die Berge schlängelnde Straße belohnt, der einem wirklich den Atem stocken lässt, hier will und muss man umbedingt mal runter und rauf gefahren sein!!!

Krawattenknoten - Sa Calobra
Krawattenknoten - Sa Calobra
Radfahrertraum - Sa Calobra

Ich war zwei Mal in Sa Calobra einmal an meinem Ruhetag mit dem  Mietwagen und einmal natürlich mit dem Rad und was soll ich sagen mit dem Auto ist es  im Vergleich zum intensiven Erlebnis mit dem Rad der Straße ganz nah zu sein einfach nur langweilig.

Da ich vorher so gut wie nur flach und nie am Berg gefahren bin, waren die Bergettappen auch die spannensten auf denen ich am meisten über mich selbst und meinen Fahrstil gelernt habe, so weiss ich jetzt das ich gerne Berge hoch fahre (auch gerne im hohen Gang mit Zug auf der Kette – verrückt) aber ein Schisser auf der Abfahrt bin (bei 65 Sachen ist Schluss),  tja. Dazu hier mal ein paar Impressionen von der Abfahrt nach Sa Calobra……

Abfahrt – Sa Calobra – 2012

Dachte ich am Anfang nie daran jeden Tag auf dem Rad zu sitzen, so fand ich mich letztendlich doch an 9 von 10 Tagen auf dem Sattel wieder und auch Touren von mehr als 100 Kilometer mit dem ein oder anderen Anstieg, sind bei schönem Wetter und ohne Zeitdruck wirklich kein Problem, da fährt es sich manchmal fast von selbst.

Top 3 Touren 2012:

  1. Alcudia – Sa Pobla – Caimari- Sa Calobra- Lluc- Pollenca – Alcudia
  2. Alcudia – Port de Pollenca- Cap Formentor- Pollenca- Campagnet – Alcudia
  3. Alcudia – Sineu- Sencelles- Santa Maria – Bunyola – Coll den Hono- Orient – Lloseta- Capagnet-Alcudia
Begegnung der netten Art

Alles in Allem unglaublich intensive aber wirklich tolle 10 Tage ohne Panne, Sturz bei schönstem Wettere auf einer Insel die nicht zu unrecht als Radparadies bezeichnet wird- toll, im nächten Jahr komme ich ganz bestimmt wieder – Hasta pronto.

Kaputt aber zufrieden, na dann bis zum nächsten Jahr

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