Segelfliegen
Definition

Laut Wikipedia ist Segelfliegen …
“das Fliegen mit motorlosen Flugzeugen und Luftsportgeräten oder das Fliegen mit abgeschalteten Motor. In Ergänzung zum reinen Gleitflug werden hierbei auch natürliche Aufwinde zur Höhengewinnung genutzt.”
Für mich ist Segelfliegen kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung. Nachdem ich im Jahr 2003 das erste Mal selbst am Steuer eines Segelflugzeugs gesessen habe, war ich verloren…
Wer einmal dieses Gefühl der Freiheit erlebt hat,
selbst ein Flugzeug zu fliegen, zusammen mit “Geiern” in der Thermik zu kreisen, den wird es nie wieder loslassen. Auf diesen Seiten will ich daher dem interessierten Leser einen kleinen Einblick in dieses faszinierende Hobby geben. Bei Interesse: Ausprobieren!
Der Start…

Gestartet wird meistens mit Seilwinde. Dabei wird das Flugzeug an ein Stahlseil gehängt und von einer Motorwinde auf etwa 500m Höhe gezogen. Dort wird das Seil ausgeklinkt und fällt an einem Fallschirm wieder zu Boden.

Eine weitere gängige Startart ist der Flugzeug-Schlepp. Auch hier hängt das Segelflugzeug am Seil, welches aber von einem Motorflugzeug gezogen wird. In dieser Startart erreicht man größere Höhen und kann sich auch gezielt irgendwo hinschleppen lassen, wohin man aus dem Windenstart nicht kommt. Dafür ist sie ist aber etwas teurer, da hier die Flugzeit des Motorflugzeugs mit abgerechnet wird, die aufgrund der hohen Spritpreise nicht ganz billig ist….
Der Flug…

Hat man ausgeklinkt, beginnt die eigentliche Kunst: Das Thermikfliegen. Segelflugzeuge haben zwar sehr gute Gleiteigenschaften (aus 1000m Höhe könnten sie etwa 40 km weit kommen), aber durch Ausnutzung von Aufwinden lässt sich die Reichweite deutlich steigern. Die Kunst liegt darin, einen Aufwind zu finden, bevor das Flugzeug Bodenkontakt hat. Stellt man das geschickt an, so kann man sich von Aufwind zu Aufwind hangeln und dabei beachtliche Strecken zurücklegen, der aktuelle Weltrekord liegt bei 2079km Strecke! Das man dabei etliche Stunden im wenig geräumigen Cockpit ständig voll konzentriert fliegen muss und am Ende noch eine saubere Landung hinlegt, das ist dann der sportliche Aspekt beim Segelfliegen…
Die Landung…

Gelandet wird wie bei anderen Flugzeugen auch, der Unterschied liegt darin, dass man nicht durchstarten kann, also nur einen Versuch hat. Insofern haben Segelflugzeuge Vorflugrecht vor motorisierten Flugzeugen. Um den Gleitwinkel zu steuern, sind Segelflugzeuge mit sehr wirksamen Bremsklappen ausgerüstet, weshalb die Landung steiler aussieht als bei Motorflugzeugen.
Der Landeort ist in aller Regel ein Flugplatz, es kann allerdings vorkommen, dass bei einem Streckenflug auf einem “Acker” außengelandet werden muss, wenn die Thermik nicht mehr reicht, einen Flugplatz zu erreichen. Die Flugzeuge sind für solche Landungen ausgelegt, so dass sie sie schadlos überstehen. Es handelt sich daher auch um keine Notlandung, wie oft vermutet wird.
Um das Flugzeug im Falle einer Außenlandung wieder nach Hause zu bringen, lassen sich Tragflächen und Leitwerk abnehmen, so dass das Flugzeug in einem Anhänger verstaut werden kann.
Ausbildung
Um ein Segelflugzeug fliegen zu dürfen, benötigt man in Deutschland den “Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer”.
Um die Ausbildung zu beginnen, muss man 14 Jahre alt, gesund und nicht vorbestraft sein.
Flugschule oder Verein?
Je nach Vorliebe kann man sich entweder im Verein oder in einer kommerziellen Flugschule ausbilden lassen.
Die Ausbildung in einer Flugschule ist teurer, dafür kommt man recht schnell zum Schein, der zeitliche Aufwand hält sich in Grenzen und man hat keine weiteren Verpflichtungen.
Im Verein sind die Kosten deutlich geringer, dafür wird einiges an persönlichen Einsatz erwartet. Segelfliegen im Verein ist Gemeinschaftssport, Fluglehrer, Flugleiter, Windenfahrer, Schlepppiloten und Flugzeugwarte arbeiten ehrenamtlich, und erwarten auch vom Flugschüler Einsatz.In der Praxis bedeutet dies an den Wochenden frühes Ausfstehen, antreten um 9:00, Mitarbeit bis zum Ende des Flugbetriebs bei Sonnenuntergang und dabei mit Glück eine Stunde Flugzeit. Im Winter wird vom Mitglied erwartet, dass er Arbeitsstunden leistet oder alternative einen weiteren Kostenbeitrag entrichtet, je nach Zeit- und Finanzsituation.
Die Kosten sind dafür sehr vertretbar, rechnet man Jahresbeitrag und Fluggebühren für einen Vielflieger zusammen, landet man bei etwa 100€ pro Monat, etwa soviel wie ein Garagenstellplatz in Hamburg-Eppendorf… Bei Jugendlichen gibt es meistens zusätzliche Rabatte, und durch ableisten weiterer Arbeitsstunden im Winter lassen sich die Kosten weiter drücken, so dass dieser Sport auch für Schüler und Studenten erschwinglich ist.
Ablauf
Der Ablauf der Ausbildung ist vom DAEC ausgearbeitet worden, und verläuft in mehreren Stufen:
Zuerst lernt der Flugschüler das eigentliche Fliegen mit Fluglehrer. Dazu gehören Geradeausflug, Kurvenflug, Rollübungen, Start, Landung, Einteilung der Platzrunde, Slippen, Auf- und Abrüsten. behresscht der Flugschüler dies (so nach 30-80 Starts), so kommt es zum größten Highlight im Pilotenleben – dem ersten Alleinflug. Dabei bleibt der Fluglehrer am Boden und man ist das erste Mal alleine im Flugzeug unterwegs.
Im Alleinflug sammelt man weitere Stunden, schult auf neue Flugzeuge um, unternimmt erste längere Thermikflüge und verbessert seine Flugfähigkeiten.
In der Wintersaison kommt keine Langeweile auf, denn nun kommt der Theorieuntericht in den Fächern Technik, Navigation, Luftrecht, Meteorologie, Verhalten in besonderen Fällen und Menschliches Leistungsvermögen. Außerdem bekommt man Sprechfunkunterricht, um vor der Bundesnetzagentur seine Prüfung für das Sprechfunkzeugnis abzulegen.
Im letzten Ausbildungsabschnitt wird man auf den Überlandflug vorbereitet, macht Einweisungsflüge mit Lehrer, macht Außenlandübungen, lernt die Navigation nach Sicht und das Fliegen mit Kompass. Schließlich kommt als letzter Schrit ein 50km Überlandflug und der Prüfungsflug.
Nach etwas Wartezeit hält man dann endlich seinen Pilotenschein in der Hand.
Und dann?
Hat man seine Schein, dan warten weitere Abenteuer. Man kann längere Überlandflüge machen, auf weitere Segegflugzeuge umschulen, Gastflugberechtigung erwerben, seinen Kunstflugschein machen, die Zusatzberechtigung für Motorsegeler erwerben und und und…
Sicher ist, dass einen das Fliegen nun nicht mehr loslassen wird…





